19. Januar 2018

Leserbrief

„Unsere Gutmütigkeit wird ausgenutzt“

Zu den Leserbriefen „Friedliches Zusammenleben aller Nationen“, „Integration heißt nicht Ununterscheidbarkeit“ und „Wann ist man ein echter Deutscher“  in der Ausgabe vom 17. Januar erreichte die Redaktion ein weiterer Leserbrief von Ilona Kessler. Leserbriefe geben ausschließlich die Meinung ihrer Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor. Wenn auch Sie einen Leserbrief veröffentlichen möchten, senden Sie ihn unter Angabe Ihrer vollständigen Adresse und einer Rückruf-Telefonnummer (beides nicht zur Veröffentlichung) an info@schwalbacher-zeitung.de .

Zunächst möchte ich mich für die Antworten auf meinen Leserbrief bedanken. Viele Menschen beschäftigt dieses Thema sehr. Herr Royen, Sie schreiben, dass Menschen ohne festes kulturelles Fundament eher Angst vor Überfremdung haben. Wir können beobachten, wie dieses Fundament gerade abgerissen wird. Wir leben sozusagen in einem Luftschloss. Die Staatsministerin für Integration, Özoguz, behauptet: „Eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, nicht identifizierbar.“ Die Bundeskanzlerin sagt: „Das Volk ist jeder, der hier lebt.“ Und wiederum Frau Özoguz: „Das Zusammenleben muss täglich neu ausgehandelt werden.“
Das erscheint mir eher wie das Modell einer Kommune von Alt-68ern statt einem tragfähigen Zukunftskonzept. Je nachdem, wer gerade so da ist, gelten täglich andere Regeln? Natürlich wandeln sich Gesellschaften, aber die „drastische Veränderung unseres Landes“, über die Frau Göring-Eckardt (Grüne) sich freut, führt natürlich zu Konflikten, die wir alle nicht wollen. Zumal die täglichen „Einzelfälle“ und Angriffe auf die, „die schon länger hier leben“ nicht mehr zu ignorieren sind.
Natürlich nutzen auch Kriminelle aus aller Welt die Chance auf Vollversorgung in einem (noch) reichen Land. Diejenigen, die wirklich aus großer Not geflohen sind, greifen nicht ihre Retter an. Dass wir wehrlos zusehen sollen, wie unsere Gutmütigkeit ausgenutzt wird, erzeugt zu Recht Wut.
Herr Swoboda, durch meine schlesische Großmutter weiß ich, wie schlimm die Vertreibung aus der Heimat war. Man blieb jedoch innerhalb des eigenen Sprach- und Kulturkreises. Und dass die Integration trotzdem nicht leicht fiel zeigt, wie unrealistisch die Erwartungen an Zuwanderer aus anderen Kontinenten sind. Ich achte die Leistung derjenigen, die es trotzdem schaffen sehr, aber wir müssen doch sehen, dass die Integration bisher schon in vielen Großstadtvierteln bis in die dritte Generation hinein gescheitert ist. Und nun kommt Afrika, dessen Bevölkerung sich bis 2050 auf zwei Milliarden verdoppeln soll, und die Grenzen sind nach wie vor offen.
Herr Stukenborg, ich kenne niemanden, der sich nicht ein friedliches Zusammenleben mit echter gegenseitiger Bereicherung wünscht, aber Ideologien, die gegen alle Widerstände durchgedrückt werden, haben der Menschheit noch nie Glück gebracht. Aussagen wichtiger Entscheidungsträger lassen aufhorchen. Sollten wir diese Aussagen ignorieren? Ich hätte nie gedacht, dass wir in unserem Land einmal Zensurgesetze haben würden und dass Andersdenkende wieder sozial und auch körperlich angegriffen werden. Das hatten wir doch schon zwei Mal im letzten Jahrhundert. Die Spaltung der Gesellschaft ist gefährlich. Nur wenn wir alle Seiten ernst nehmen, sind wir gemeinsam stark.

Ilona Kessler, Schwalbach

 

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