26. Juni 2015

Traumhaftes Theater

Mehr als 200 Besucher kamen gestern Abend zum Open-Air-Theater hinter der alten Schule. Foto: Schlosser

Die Irrungen und Wirrungen der Liebe. Kaum ein Theaterstück stellt sie besser dar als „Ein Sommernachtstraum“ von William Shakespeare. Dass dabei auch der Zuschauer etwas verwirrt wird, hat der große englische Dichter schon vor mehr als 400 Jahren in Kauf genommen. So rieben sich auch nach der Aufführung der „Shakespeare Company Berlin“ gestern Abend hinter der alten Schule einige die Augen, als seien sie gerade aus einem irren Traum in einer heißen Sommernacht aufgewacht. (mit Video)

Die Berliner Schauspieler trieben das Spiel aber auch auf die Spitze: Sie gaben sich nicht damit zufrieden, dass Shakespeare dem Stück schon von Haus aus drei Handlungsebenen gegeben hatte, die irgendwie alle in dem geheimnisvollen Wald in der Nähe von Athen zusammenlaufen. Nein, jeder der sechs Darsteller besetzte drei Rollen und den Elfen-Narr Puck gab es gleich in doppelter Ausführung.
Ohne Vorkenntnis des Shakespeare-Stücks war das alles kaum zu verstehen. Das war auch nicht nötig, denn das, was der Dichter über die Liebe sagen wollte, brachte die „Shakespeare Company“ mit viel Können und Temperament auf die Bühne. Und lustig war es auch, wie es sich für eine Komödie gehört. Das Ensemble bezog immer wieder die Zuschauer ein, brachte das Publikum mit Slapstick-Einlagen zum Lachen und gefiel durch außerordentliche Gesangseinlagen.

Am Ende war es, wie es seit der Uraufführung 1598 fast immer war: Die Liebenden fanden sich und die dilettantischen Handwerker führten ihr schräges Stück im Stück so brachial auf, dass man Shakespeares Spott über die Liebenden einerseits und die Schauspielerzunft andererseits trotz der modernen Inszenierung greifen konnte. MS

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