28. Januar 2016

Viele Schwalbacher bei Eschborner Bürgerversammlung zum Thema Flüchtlinge

„Das sind ganz normale Leute“

Die 400 Stühle im Kleist-Forum der Heinrich-von-Kleist-Schule reichten nicht aus, um allen Besuchern der Bürgerversammlung Platz zu bieten. Auf dem Podium saßen (von links) Polizeidirektor Peter Liebek, Moderator Johannes Latsch, Kreisbeigeordneter Johannes Baron, Eschborns Stadtverordnetenvorsteherin Jutta Rümann-Heller, Bürgermeister Mathias Geiger und Erster Stadtrat Thomas Ebert. Foto: Schlosser

Rund 400 Besucher kamen am vergangenen Mittwoch zur Eschborner Bürgerversammlung zum Thema Flüchtlingsunterbringung, viele davon aus Schwalbach.

Denn ein Großteil der Asylbewerber, die in der Stadt Eschborn untergebracht werden müssen, sollen untermittelbar an der Ortsgrenze zu Schwalbach wohnen. 132 Flüchtlinge sollen in der ehemaligen Konservenfabrik in der Limesstraße (Verlängerung der Bahnstraße) unterkommen, rund 100 in zwei Containerbauten auf einer Wiese „Im Wehlings“, die unmittelbar an die Niederräder Straße grenzt. Die Unterkunft „Im Wehlings“ soll angeblich bereits im März bezugsfertig sein. Anfang April soll dann das Gebäude in der Limesstraße fertig sein.Etwa ein Fünftel bis ein Viertel der Besucher der Bürgerversammlung stammte daher aus Schwalbach und wollte wissen, was sich Stadt und Kreis dabei gedacht haben. Kreis-Sozialdezernent Johannes Baron (FDP) erklärte, er müsse angesichts der Flüchtlingszahlen die Grundstücke und Häuser nehmen, die er bekommt. Eschborns Erster Stadtrat Thomas Ebert (B90/Die Grünen) behauptete, in Eschborn habe es keine anderen geeigneten Grundstücke gegeben. Eschborns Bürgermeister Mathias Geiger (FDP) sagte gar nichts.
Peter Liebek, der Leiter der Polizeidirektion Main-Taunus, berichtete, dass aus seiner Sicht durch Asylbewerberunterkünfte keine gesteigerte Kriminalität zu erwarten sei und berichtete, dass die Polizei ihr Sicherheitskonzept anpassen werde. An ihn richteten sich die meisten Fragen der Bürger, die durch die Asylbewerber offenbar um ihre Sicherheit fürchten.
Das galt umso mehr, als Johannes Baron auf Nachfrage erklärte, dass etwa 80 Prozent der Flüchtlinge alleinstehende Männer im Alter von 25 bis 30 Jahren sind. Auch er versuchte die Gemüter zu beruhigen, in dem er erklärte, dass es bisher in den mehr als 60 Unterkünften des Kreises kaum Probleme gegeben habe. Man müsse keine Angst vor den Flüchtlingen haben. „Das sind ganz normale Leute.“ Und Polizeidirektor Peter Liebek sagte: „Am besten ist es, sie versuchen die Menschen kennen zu lernen. Das ist die beste Prävention gegen Konflikte.“
Beruhigt hat das die meisten Besucher der Bürgerversammlung offenbar nicht. Viele blieben bis zum Schluss skeptisch und vor der Tür wurde auch nach dem Ende der Veranstaltung noch vielfach in kleinen Gruppen weiter diskutiert. Und dass Eschborn „seine“ Flüchtlinge praktisch in Schwalbach unterbringt, ärgerte vor allem die Schwalbacher Besucher auch nach der Versammlung noch. MS

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