21. Juli 2016

Eine „PokémonGo“ Tour durch die Straßen von Schwalbach

Virtuelle Jagd nach kleinen Monstern

Die App „PokémonGo“ bringt viele Smartphone-Nutzer auf die Straßen und auf die Suche nach den Taschenmonstern. Foto: Tulacek

Nicht wundern sollten sich Passanten, wenn ihnen Leute mit Handys in der Hand entgegen kommen und ganz plötzlich stehen bleiben. Wahrscheinlich spielen sie gerade „PokémonGo“, das Spiel das zurzeit der Trend weltweit ist. Ob groß oder klein, alle sind sie auf der Suche nach den „Pokémon“, die sich nicht nur draußen auf der Straße oder einem Feld befinden können, sondern auch mitten im Büro.

„Pokémon“ ist die Kurzform des japanischen Namens „Poketto Monsuta“, was auf

Kleine Krabben können plötzlich auch im Büro auftauchen. Foto: Tulacek

Kleine Krabben können plötzlich auch im Büro auftauchen. Foto: Tulacek

Deutsch „Taschenmonster“ bedeutet. Diese Monster sind kleine oder große Wesen, die ganz normalen Tieren ähneln können, zum Beispiel einer Schlange oder einer Schildkröte. Andere wiederum sehen aus, wie ein schwarzer, fliegender Ball mit finster dreinblickenden Augen und Vampirzähnen, der eine kleine Rauchwolke hinter sich herzieht.

Seit 1996 finden die Taschenmonster Einzug ins Kinderzimmer. Damals wurde das erste gleichnamige Videospiel veröffentlicht. Es folgten eine Anime-Fernsehserie, ein Sammelkartenspiel, 17 Kinofilme und diverse weitere Produkte. Der Erfolg von „Pokémon“ hält über all die Jahre an und findet mit der erschienenen App nun einen neuen Höhepunkt.

Dank der Applikation kann der Spieler jetzt die virtuellen Wesen in der realen Welt fangen. Durch die Handykamera sieht es so aus, als wären sie direkt vor einem. Der Sinn des Spiels ist es, wie der Protagonist in der Serie, alle 150 „Pokémon“ zu fangen und somit der beste Trainer der Welt zu werden. Dazu gehört auch, seine gefangenen Taschenmonster gegen andere kämpfen zu lassen.

Der Weg dahin ist jedoch nicht einfach. Zwar gibt es die wilden Wesen an fast jeder Ecke zu fangen, aber zum Großteil handelt es sich dabei um die gleichen, es sei den man hat Glück.

Die virtuelle Straßenkarte, die dem Spieler angezeigt wird, hebt durch eine Art „Blätter-Tornado“ hervor, dass ein „Pokémon“ genau da ist. Neben dieser Funktion gibt es auch eine Leiste, die anzeigt, welche von ihnen sich in der Nähe befinden. Oftmals erscheinen sie einfach aus dem Nichts. Dann fängt das Handy an zu vibrieren, um zu signalisieren, dass eben eines aufgetaucht ist. Durch das Werfen eines „Pokéballs“ können die Taschenmonster gefangen werden. Und selbst das erfordert ein wenig Fingerspitzengefühl, da dieser Ball in einem bestimmten Kreis landen muss, um zu funktionieren.

Zeigt die virtuelle Karte einen „Blätter-Tornado“ an, so sollte sich der Spieler eigentlich beeilen. Angeblich bleiben die „Pokémon“ nicht lange dort. Und manchmal sind sie nicht einmal auffindbar.

Obwohl so ein Tornado angezeigt wird, kann es schon mal sein, dass man sich als Spieler plötzlich in einem Gebüsch wiederfindet, aber trotzdem kein Taschenmonster in den Sträuchern unterhalb der Turnhalle der Geschwister-Scholl-Schule auftaucht. Stattdessen stehen drei kleine Jungs vor einem, die genau da spielen. Aber die sind nicht zum Fangen da.

Die Friedenskirche ist als „PokéStop“ markiert. Foto: Tulacek

Die Friedenskirche ist als „PokéStop“ markiert. Foto: Tulacek

Läuft der Spieler erst mal eine Weile in der Stadt herum, trifft er auch immer wieder auf sogenannte „Pokéstops“. Sie befinden sich vor allem an Denkmälern oder kulturellen Gebäuden. Manchmal aber auch auf Graffiti. In Schwalbach finden sich solche Stopps an der evangelischen Friedenskirche oder der Kapelle am alten Friedhof. An diesen Orten soll können Gegenstände gesammelt werden, die während des Spielt brauchbar sind. So wie „Pokébälle“, Medizin, um die „Pokémon“ nach einem Kampf wieder fit zu machen oder „Poké-Eier“.

Erhält man ein solches, heißt es laufen. Denn es wird dann erst schlüpfen, wenn eine angegebene Kilometeranzahl erreicht worden ist. Bus- oder S-Bahn fahren, zählt dabei leider nicht.

Laut des Spieles können bestimme Arten von „Pokémon“ an bestimmten Orten gefunden werden. Dazu gehören neben Flüssen und Sümpfen auch Friedhöfe.

Am Eichendorff-Weiher besteht also die Hoffnung ein wasserliebendes Taschenmonster zu fangen.
Und tatsächlich ist dort ein „Goldini“, ein Goldfisch mit Horn aufgetaucht.

Schwebende Fische sind keine Seltenheit. Foto: Tulacek

Schwebende Fische sind keine Seltenheit.
Foto: Tulacek

Jedoch nicht im Wasser, sondern mitten auf dem Weg. Selbst Virtuell sieht es ein wenig seltsam aus, wenn so ein Fisch einfach auf dem Trottoir liegt. Andererseits ist es wohl besser so, als mit dem Smartphone schwimmen zu gehen.

„Pokémon“ sitzen aber auch zwischen den Bürogebäuden am Kronberger Hang – zumindest theoretisch.

Es wurde eines dort angezeigt, welches letztendlich unauffindbar gewesen ist. Da spielte es auch keine Rolle, wie oft man zwischen Aldi und Samsung hin- und herläuft.

Noch dazu kommt, dass andere Passanten einem doch recht skeptische Blicke zuwerfen. Und da ist es auch unbedeutend, ob sie einfach nur dastehen oder mit dem Auto an einem vorbeifahren.

Eine kurze Freude flackt allerdings auf, wenn andere Leute mit einem Handy in der Hand an einem vorbeilaufen und sogar ansprechen. Das hält sich jedoch nur kurz, wenn dann die Frage nach dem Weg folgt, anstatt einer langen Konversation übers „Pokémon“-fangen.

Auf der weiteren Tour kann sich der Spieler auf dem Marktplatz wiederfinden. Wenn nach einer langen Lauferei eine Pause am Brunnen vor dem Bürgerhaus eingelegt wird, so findet sich dort eine von vier „Arenen“ in Schwalbach.

In diesen Arenen können die gefangenen Monster kämpfen. Das funktioniert mit wischen und dem dauerhaften Tippen des Bildschirms, vorausgesetzt man ist einem Team beigetreten.

An der Auffahrt zur Limesspange am Westring taucht erneut ein „Blätter-Wirbelsturm“ auf. Angeblich ist das „Pokémon“ in einem Busch auf der gegenüberliegenden Seite versteckt. Dieser Versuch sollte nicht gewagt werden. Immerhin hat es sich bei längerem Spielen bewahrheitet, dass dort absolut nichts auftaucht und man Wege völlig umsonst gelaufen ist.

Nach knapp zwei Stunden auf „Pokémon“-Fang ist der Akku des Handys um 60 Prozent niedriger. Das Datenvolumen jedoch kaum erhöht. Herrscht an den Tagen auch noch Hitze, so ist nicht nur die Energie des Telefons gesunken, sondern auch die eigene.

Wer sich also eine Tour machen will, um alle Taschenmonster in Schwalbach zu fangen, sollte viel Ausdauer mitbringen – und ein mobiles Akku-Ladegerät. Außerdem sollte er den Blick auch mal vom Handy lösen, sonst kann es vorkommen, dass man plötzlich fast in ein Fahrrad läuft oder eine Stufe übersieht.

Und als Passant sollte man sich ab sofort nicht mehr wundern, wenn irgendjemand vor einem abrupt stehen bleibt, um auf seinem Handy zu tippen. Es kann aller Wahrscheinlichkeit nach sein, dass er „PokémonGo“ spielt. Sylva Tulacek

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