15. November 2016

Christiane Augsburger: „Wir müssen als Demokraten zusammenstehen.“

Gedenkstunde am Volkstrauertag

Bürgermeisterin Christiane Augsburger und Stadtverordnetenvorsteher Eyke Grüning legten am Volkstrauertag am Ehrenmal einen Kranz zum Gedenken an die Opfer von Krieg, Gewalt, Terror und Willkürherrschaft nieder. Foto: Mucic

Vergangenen Sonntag läuteten die Kirchenglocken um 11.30 Uhr die Schwalbacher Gedenkstunde zum Volkstrauertag ein. Zahlreiche Bürger versammelten sich am Ehrenmal an der Eschborner Straße, um an die Opfer von Krieg, Gewalt, Terror und Willkürherrschaft zu erinnern.

„Das Ehrenmal wurde 1923 zum Gedenken an die Gefallenen im ersten Weltkrieg erbaut“, berichtete Stadtarchivar Dieter Farnung. Nach dem zweiten Weltkrieg folgten zusätzliche Bodenplatten. Seit 1952 treffen sich zwei Sonntage vor dem ersten Advent jährlich Bürger, damit die Schrecken der Kriegsjahre nie in Vergessenheit geraten. Die freiwillige Feuerwehr übernahm die „Ehrenwache“ am Denkmal.
Der Gesangverein „Pro Musica“ begleitete die Gedenkstunde musikalische mit den Werken: „Wenn ich einmal soll scheiden“ von Johann Sebastian Bach und Anton Bruckners Komposition „Dir, Herr, dir will ich mich ergeben“.
Pfarrer Alexander Brückmann, katholischer Seelsorger der Gemeinde, sprach von Versöhnung und betonte in seiner Rede, dass kollektiv an Opfer von Kriegen und Gewalt weltweit gedacht werde. Des Weiteren wies er auf die soziale Ungleichheit und die damit verbundene Vermögensverteilung hin: „Nicht alle befinden sich auf der Sonnenseite des Lebens.“ Die Schere zwischen arm und reich klaffe auseinander und treibe einen Spalt in die Gesellschaft, zugunsten von Propagandisten, deren schnelle Antwort darin läge, Sündenböcken die Verantwortung zuzuschieben.
Er rief die Bürger zur Besonnenheit auf, die Zusammenhänge zu erkennen und die „Verführer nicht zu wählen“. In seinen Fürbitten ging es um Zuversicht, Liebe und das Erspähen von Hoffnung für den zerbrechlichen Frieden. Bürgermeisterin Christiane Augsburger (SPD) erinnerte in ihrer Ansprache zuerst an die abscheulichen Gräueltaten in Ausschwitz und Bergen-Belsen und danach an die „Blutmühle, die Hölle Verdun“. Am 21. Februar 1916 begann mit einer deutschen Offensive die Schlacht um die französische Stadt Verdun, die hunderttausenden Menschen das Leben kostete und durch den massiven Einsatz von Waffen die Industrialisierung des Krieges erstmals deutlich zum Ausdruck brachte.
Frieden und Freiheit sei keine Selbstverständlichkeit, sagte Christiane Augsburger und forderte zur gemeinsamen Verantwortung für ein stabiles, politisches Fundament auf. Populisten verurteilte sie zutiefst, nicht aber die Wählerschaft: „Den Fehler dürfen wir nicht begehen. Wir müssen Ängsten begegnen und Aufklärungsarbeit leisten.“ Überrascht zeigte sie sich jedoch über den Wahlausgang in den Vereinigten Staaten. Um die Sicherheit und den Frieden zukünftig zu gewährleisten, richtet sie einen Appell an alle Bürger: „Wir müssen als Demokraten zusammenstehen und füreinander einstehen.“ mu

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