9. Dezember 2016

Schüler stellten viele persönliche Fragen beim „Abrahamischen Religionsgespräch“

Religionen ganz privat

Jochen Kilb moderierte das siebte abrahamische Religionsgespräch der Albert-Einstein-Schule. Foto: AES

„Ein Goldsucher kann auch nur dann Gold finden, wenn er danach sucht.“ So die „bildliche“ Beschreibung der Suche nach dem persönlichen Glauben von Mustafa Cimsit, dem muslimischen Vertreter auf dem Podium beim siebten „Abrahamischen Religionsgespräch“ der AES im Bürgerhaus. Die Schüler stellten dieses Mal viele persönliche Fragen, wobei die drei Diskutierenden keinerlei Probleme damit hatten, dazu Stellung zu beziehen.

Mustafa Cimsit griff häufiger zu Metaphern, die auf die Schüler der E-Phase des Schwalbacher Gymnasiums eindrücklich wirkten. Ob denn die Frage der Religion bei der Partnerwahl ein Ausschlusskriterium für die drei sei, wollte ein weiterer Schüler wissen. Die Antwort des muslimischen Vertreter fiel fast philosophisch aus: „Wo die Liebe hinfällt, da kann der Glaube schwer mithalten.“
Petra Kunik, die jüdische Vertreterin, die bereits zum siebten Mal dabei war, betonte, dass sie es als Jüdin in dieser Frage leichter habe als ihre männlichen Glaubensgefährten. Denn ein Kind gelte immer dann als jüdisch, wenn die Mutter jüdisch ist, unabhängig von der Glaubensrichtung des Vaters. Diese Aussage bewirkte ein kurzes Murmeln im Auditorium. Ein richtiges Raunen ging gar durch den Zuschauersaal, als Petra Kunik erklärte, ein Sabbat-Gottesdienst in der Synagoge könne durchaus auch drei bis fünf Stunden andauern, nicht ohne in ihrer bekannten humorvollen Art dabei zu erwähnen, wie sich die Frauen auf der Empore bisweilen die Zeit etwas kurzweiliger gestalten können.
„Hatten Sie jemals Glaubenszweifel“, wollte eine Schülerin wissen. Petra Kunik antwortete mit der hebräischen Bibel, dass die Bedeutung des Wortes „Israel“ folgende sei: „Der mit Gott ringt.“ Das mache deutlich, dass die Glaubenszweifel schon seit jeher untrennbar zur Religion dazu gehörten.
Den christlichen Part der Veranstaltung, die in zwei Blöcken ausgetragen wurde, so dass alle Schüler des Jahrgangs die Gelegenheit hatten, sie zu hören, teilten sich Pfarrer Andreas Heidrich aus Bad Soden und Pfarrerin Susanna Faust-Kallenberg. Für Andreas Heidrich war es wichtig zu betonen, dass der Dialog der Religionen immer dann gut gelinge, wenn die beteiligten Personen sich darauf einließen und gut miteinander auskämen. Dass dem an diesem Tage so war, daran ließ keiner der Beteiligten einen Zweifel.
Andreas Heidrich konnte die Schüler mit vielen Beispielen von gelungener Zusammenarbeit vor Ort in Bad Soden, aber auch mit Erlebnissen aus seiner Studien- und Vikariatszeit, die er zum Teil in Israel verbrachte, beeindrucken. Es wurde klar, dass dies nicht immer nur positive Erlebnisse waren, dass es aber darauf ankomme, dass die Dialogbereitschaft zu möglichst vielen positiven Erlebnissen und Begegnungen führen müsse.
In dieselbe Kerbe stieß auch Susanne Faust-Kallenberg. Sie wurde von einem religionskritischen Schüler gefragt, ob denn Religion nicht auf eine Ruhigstellung oder gar „Verdummung“ der Menschen hinaus laufe. Die Weltgeschichte spreche dagegen, so die Antwort der Pastorin. Denn sie zeige, dass religionsübergreifend gerade viele gläubige Menschen die Welt aktiv ein Stück besser gemacht hätten. Und auf den Einwand, ob Religionen durch ihre inhaltliche Abgrenzung untereinander nicht eher etwas Trennendes als Verbindendes hätten, sagte sie: „Wenn alle das Gleiche denken und glauben würden, wäre es eine furchtbar langweilige Welt.“
Alle Diskutierenden waren sich einig, dass die Unterschiede der Religionen nicht zu negieren und auch wichtig für die eigene religiöse Identität seien. Zugleich betonten sie aber, dass auf der Basis einer nahezu identischen religiösen Ethik das gemeinsame Ziel lauten müsse, friedlich und gut miteinander zu leben.
Und wieder packte Mustafa Cimsit diesen Sachverhalt in ein für die Schüler verständliches Bild: „Unsere Werte sind dieselben, in der Glaubenspraxis unterscheiden wir uns, ganz so, wie man halt unter Geschwistern auch immer mal wieder einen Streit hat.“ red

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