9. Januar 2017

Lehrreicher Vortrag beim Neujahrsempfang – Augsburger erneuert Kritik am Finanzausgleich

„Luther hatte das nicht geplant“

Dichtes Gedränge herrschte nach dem Festvortrag im Foyer des Bürgerhauses, wo die rund 250 Besucher des Neujahrsempfangs der Stadt die besten Wünsche für 2017 tauschten. Foto: Schlosser

Rund 370 Schwalbacher kamen am Sonntag zum diesjährigen Neujahrsempfang der Stadt ins Bürgerhaus. Den Gastvortrag hielt dieses Mal die emeritierte Professorin Luise Schorn-Schütte, eine bundesweit anerkannte Luther-Expertin. Bericht mit Video

Bürgermeisterin Christiane Augsburger erklärte, es sei der Vorschlag der beiden großen christlichen Kirchen in Schwalbach gewesen, beim Neujahrsempfang einen Festvortrag zum Thema Reformation zu halten. „Dieser Anregung sind wir gerne nachgekommen.“ Mit Luise Schorn-Schütte gelang es dann, eine echte Koryphäe auf dem Gebiet nach Schwalbach zu holen. Die 67-Jährige hat jahrelang zu Martin Luther und den theologischen und politischen Entwicklungen im 16. Jahrhundert geforscht und darüber zahlreiche Bücher veröffentlicht.
So gelang es ihr spielend, den Zuhörern in einfachen Worten die politischen Zusammenhänge und die kirchlichen Hintergründe für die Reformation zu erläutern. Dabei erklärte sie, dass es Martin Luther vor allem um theologische Aspekte ging. „Er war eigentlich vollkommen unpolitisch.“

Rund 250 Besucher verfolgten im großen Saal des Bürgerhauses den Vortrag von Luise Schorn-Schütte. Foto: Schlosser

Rund 370 Besucher verfolgten im großen Saal des Bürgerhauses den Vortrag von Luise Schorn-Schütte. Foto: Schlosser

Luise Schorn-Schütte erklärte, dass im gesellschaftlichen Gefüge des frühen 16. Jahrhunderts Luthers 95 Thesen aber zwangsläufig auch zu politischen Veränderungen führen mussten. „Es ging vor allem in den Städten sehr schnell nicht mehr um die Kirche, sondern um mehr gesellschaftliche Teilhabe“, berichtete die Historikerin.
Dass die Reformation unmittelbare Auswirkungen auf das heutige Leben habe, wollte Luise Schorn-Schütte nicht bestätigen. Es gebe aber eine Vielzahl von mittelbaren Wirkungen, die bis heute spürbar seien. So habe Martin Luther in ganz Europa eine breite Debatte über das Recht auf Gewissensfreiheit, über das Ende von Hierarchie in der Kirche, über die Rolle der Laien in Kirche und Politik und vieles mehr angestoßen. Diese Debatten wurden bis in das frühe 20. Jahrhundert in ganz Europa weitergeführt – immer wieder auch unter Berufung auf Luther und den Protestantismus.

Jahresrückblick

Vor dem Festvortrag hatte Christiane Augsburger Rückschau auf das Jahr 2016 gehalten und einen Ausblick auf das neue Jahr gegeben. Dabei erneuerte sie ihre Kritik am neuen kommunalen Finanzausgleich, der die Stadt Schwalbach allein im Jahr 2017 rund 11,5 Millionen Euro kosten werde. „Diese Form des kommunalen Finanzausgleich führt dazu, dass die `reichen´ Kommunen arm werden, und die armen arm bleiben“, erklärte sie. In Anbetracht der gestiegenen Abgaben sei es in diesem Jahr jedenfalls fraglich, ob die Stadt ihr Haushaltsdefizit von sieben Millionen Euro am Ende ausgleichen könne.
Nach dem offiziellen Teil trafen sich die rund 250 Besucher – darunter zahlreiche Vertreter von Institutionen, Firmen und Vereinen – im Foyer des Bürgerhauses bei Wein und kleinen Snacks um auf das neue Jahr anzustoßen und ein wenig über die Aussichten auf 2017 zu plaudern. MS

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