27. Januar 2017

Auch in Schwalbach werden fleißig Graffiti gesprayt

Von Sketches und Throw-Ups

Mehr Streetart als Schmiererei ist das Graffito an der Einfahrt zum Limesbahnhof. Foto: Kattendick

Heutzutage sieht man überall Graffiti. Auch in Schwalbach gibt es einige Jugendliche und junge Erwachsene, die zur Farbdose greifen.

Die meisten Graffiti findet man an S-Bahn- und Autobahnunterführungen. In Schwalbach können sich eine Hand voll „Pieces“ (Graffiti-Schriftzüge) an der Unterführung der Limesspange in der Nähe des Albert-Einstein-Gymnasiums angesehen werden. Graffiti sind in der Regel illegal. Formell ist das Besprühen von Wänden nämlich Sachbeschädigung. An Bahndämmen gilt es zudem als „Eingriff in den Bahnverkehr“. Obendrein ist es wegen der fahrenden S-Bahnen sehr gefährlich. Graffiti ist aber auch eine sehr vielfältige Kunstform. Es gibt zahlreiche verschiedene Arten von Graffiti. Die häufigsten sind „Wildstyle“, „Sketches“ und „Throw-Ups“. „Wildstyle“ ist eine sehr ausgefallene Art des Graffitis und es wird auf einem sehr hohen Level gemalt. „Sketches“ sind normale Schriftzüge mit einem oder mehreren „Charactern“. Character sind dabei ausgedachte Figuren, die der Sprayer eigens konzipiert. „Throw-Ups“ sind kurze Schriftzüge. Bei dieser Art benutzt der Sprayer nicht mehr als drei Farben für sein Bild. Es wird nicht auf Genauigkeit und Sauberkeit geachtet, denn „Throw-Ups“ werden zum größten Teil im illegalen Bereich gemalt. Da muss sich der Sprayer beeilen und legt deshalb keinen oder nur wenig Wert auf Details.
An vielen Hauswänden oder Mauern sieht man außerdem auch immer wieder „Tags“. „Tags“ sind kurze Künstlernamen, die sich der jeweilige Sprayer gibt, um anonym zu bleiben. Man könnte dies auch als Unterschrift sehen. „Tags“ sind das, was Bürger, die sich nicht mit Graffiti oder Street-Art befassen, als Schmierereien ansehen. Zum Teil sind es auch tatsächlich Schmierereien, wenn sich Jugendliche einen Spaß erlauben und irgendwelche sinnlosen Schriftzüge an Wände sprühen. Mit „Taggen“ oder generell Graffiti hat das aber nichts zu tun.
Die Schwalbacher Bilder an der Unterführung an der Limesspange stammen von einem Sprayer, der sich „Virs“ nennt. Sein Mal-Stil ist sehr ausgefallen und schwierig gestaltet. Er hat einige Effekte wie Sterne, Schatten und Lichtspiegelungen gemalt. Zudem hat er einen sehr aufwendigen Farbverlauf gewählt. Rot und pink sind zwei Farben, die schlecht in Kombination harmonieren. Doch „Virs“ hatte eine sehr gute Idee: Er grundierte sein „Piece“ mit der Farbe pink und fügte kleine Balken in rot dazu. Das schafft einen sehr schönen Kontrast der beiden Farben.
Das zweite Graffito wurde an der Einfahrt der S-Bahn zum Limesbahnhof gegenüber des Continental-Gebäudes gesprayt, was natürlich nicht legal war. Dieses Graffito zeigt ein „Piece“ mit dem Schriftzug „Thieves“. Künstlerisch hatte der Sprayer zwei gute Ideen. Er schuf einen Farbverlauf zwischen hell- und dunkelgrün und kombinierte dies mit hellblau. Anstatt ein „e“ in das Wort „Thieves“ einzufügen, benutzte er einen pinken Comic-Finger, der den Buchstaben ersetzen sollte. Das Bild wurde allerdings nicht zu Ende gemalt. Die Umrandung des Schriftzuges fehlt und es wurden keine Effekte benutzt.
In Schwalbach wurden außerdem auf einer Verkehrsinsel Pampasgräser rosa und gelb angesprüht. Trotzdem gibt es in Schwalbach nach Auskunft von Jugendamtsleiterin Gabriele Straka keine ausgesprochene Graffiti-Szene. Sie berichtet nur von sehr wenigen Problemen mit Graffiti. Die Stadt selbst hat in der Vergangenheit schon mehrere Streetart-Projekte gestartet. So wurde zum Beispiel die Rückwand der Commerzbank am Beginn des Ostrings bemalt und besprüht.
Gabriele Straka ist durchaus offen dafür, auch in Schwalbach eine Fläche offiziell zum Sprayen freizugeben, zum Beispiel eine Wand oder eine Unterführung. „Wenn es daran Interesse gibt, denken wir gerne einmal darüber nach“, sagt sie. Jugendliche, die die Idee gut finden, können sich direkt an Gabriele Straka (Telefon 804-164) oder an das städtische Jugendbüro wenden. Philipp Kattendick

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