14. Februar 2017

Flüchtlingshilfe Schwalbach sucht Ehrenamtliche und Paten für Flüchtlinge

Das Engagement lohnt sich

Wenn in den roten Wohncontainern abends allmählich die Lichter ausgehen, ist ein Teil der Bewohner zufrieden mit dem Tag, denn sie waren in der Schule und haben fleißig Deutsch gelernt. Ein Teil der Bewohner ist aus gerade diesem Grund nicht zufrieden mit dem Tag, denn sie haben keinen Deutschkurs und wissen auch nicht, wann sie einen bekommen. Auch deshalb sucht die Flüchtlingshilfe dringend nach Ehrenamtlichen.

Alles „Praktische“ machen die Ehrenamtlichen der Flüchtlingshilfe Schwalbach – mit guter Unterstützung der Stadt. Sie sind regelmäßig in den Wohncontainern anzutreffen, bieten Spielkurse für die Kinder, Deutschkurse für die Erwachsenen oder Begegnungsmöglichkeiten für die Frauen. Sie sammeln Sachspenden, organisieren, begleiten zur Asyl-Anhörung, beantworten Fragen und erläutern unverständliche Behördenschreiben. „Manchmal ist es für uns schon schwer zu verstehen, was das Schreiben sagen will. Jemand, der die Sprache nicht kann, kommt damit überhaupt nicht klar“, sagt ein Betreuer.
„Wir sind gut organisiert in der Flüchtlingshilfe mit unseren prima funktionierenden Arbeitskreisen. Das läuft alles Hand in Hand“, sagt Christina Broda, zuständig für die ehrenamtlichen Betreuer, die sogenannten Paten. „Was wir aber dringend brauchen, sind weitere Paten, die sich um einzelne Personen bis hin zu Familien kümmern. Es zeigt sich ganz klar, dass diejenigen, die Paten haben, besser im Alltag klar kommen als diejenigen, um die sich keiner kümmert.“ Bislang haben noch nicht einmal 50 Prozent der Bewohner eine feste Bezugsperson.
„Patin zu sein ist manchmal auch stressig“, sagt Hanne Pöppel, die zusammen mit ihrem Mann von der ersten Stunde an in der Flüchtlingshilfe sehr engagiert ist. „Aber man bekommt von den Menschen so viel zurück, dass man sich am Ende selbst reich beschenkt fühlt.“
Klaus Stukenborg, Koordinator der Flüchtlingshilfe: „Wir suchen Menschen, die sich für die Flüchtlinge engagieren mögen.“ Ganz dringend und vor allem anderen benötigt werden Paten, die sich als feste Bezugsperson für einen Flüchtling einbringen möchten. Dringend benötigt werden auch Menschen, die den Flüchtlingen im Einzel- oder Gruppenunterricht Deutsch beibringen. Eifrig gesucht werden „Schrauber“ für die Fahrradwerkstatt mittwochabends und Leute mit PKW für gelegentliche Fahrdienste. Das können aber auch liebe Mitbürger sein, die mit den Flüchtlingen eine Radtour machen, Handwerken oder Spiele-Abende durchführen wollen. Gebraucht werden auch immer noch PC oder Laptops für die Recherche im Internet zur Praktikums- oder Stellensuche.“
„Vor allem aber brauchen wir Spenden für Aktivitäten mit Frauen und Kindern. Und vielleicht wäre es ja auch möglich, den Erlös aus Basaren oder Benefizveranstaltungen der Flüchtlingshilfe zu spenden“, schlägt der Vorsitzender vor.
Die Ehrenamtlichen der Flüchtlingshilfe Schwalbach und die Mitarbeiter des MTK und der Stadt sind die regelmäßigen Kontakte zu Deutschen, die die Asylsuchenden haben. Doch zum Begegnungscafé im Januar und jetzt am Samstag sind auch die Nachbarn aus der Umgebung gekommen und das Café machte seinem Namen alle Ehre. Es war eine fröhliche Begegnung und mit den bereits vorhandenen Sprachkenntnissen und Händen und Füßen kamen alle miteinander klar. „Anfangs war ich schon skeptisch wegen dieser Einrichtung in meiner Nähe. Ja, ich hatte Berührungsängste, aber die Leute sind ja so freundlich“, gibt eine Anwohnerin unumwunden zu.
Es wurde viel miteinander geredet und viel miteinander gelacht. Gerade das Lachen tut den Flüchtlingen so gut. Schlimmes, Trauriges, Belastendes haben sie genug erlebt und auch hier in Deutschland sind sie noch immer angespannt.
Dank einer Spende hatten die Flüchtlinge neulich eine besondere neue Erfahrung. Sie kommen alle aus Regionen, in denen Fasching nicht stattfindet. Umso mehr Spaß hatten sie bei der Vorbereitung für die Rathauserstürmung, an der sie mit viel Freude teilgenommen haben. Und einige waren so begeistert, dass sie nun zum großen Faschingsumzug gehen wollen.
Auch das ist eine Form von Integration. Doch besser wäre eine Integration über Arbeit. Michael Göbel und Rosza Hülsemann sind in der Flüchtlingshilfe für die Vermittlung in Arbeit oder Praktika zuständig. Sie freuen sich immer wieder über Arbeitgeber, die bereit sind, einen Asylanten in ihrem Betrieb aufzunehmen. „Die Flüchtlinge wollen etwas tun, sie wollen arbeiten, sie wollen Teil der Gesellschaft sein“, sagen beide Betreuer und appellieren an Arbeitgeber, Praktikums- oder Arbeitsstellen für Flüchtlinge anzubieten.
Dass es manchmal Verständigungsschwierigkeiten gibt, kommt vor, aber das sind manchmal auch sehr vergnügliche Situationen, über die dann alle herzhaft lachen können. Und herzhaftes Lachen tut allen so gut, vor allem abends, bevor in den roten Containern allmählich die Lichter ausgehen. red

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