21. Juni 2017

Leserbrief

„Eltern, wacht auf und macht mobil!“

Zum Thema Kinderbetreuung und dem Artikel „Wohnblock am Erlenborn“ erreichte die Redaktion nachfolgender Leserbrief von Katja Lindenau aus Schwalbach.

„Schwalbach erlebt seit etwa 15 Jahren eine kontinuierliche Verdichtung, weil vor allem Privatpersonen ihre Grundstücke an Bauträger veräußern. So wurden oberhalb der Sulzbacher Straße einige Felder und Gewerbeflächen als Bauland ausgewiesen und in Alt-Schwalbach führt der demografische Wandel zu vielen neuen Doppel- oder Reihenhäusern, weil Senioren oder Erben kleine bis mittelgroße Grundstücke veräußern. Diese Form der Verdichtung, ganz ohne neue Baugebiete auszuweisen, ist auch in den kommenden Jahren zu erwarten und führt zu stetigem Zuzug von Familien. Dies zeigen auch die statistischen Zahlen der Stadt, die inzwischen über 15.000 Einwohner aufweist.
Ein Hauskauf oder Umbau geht in unserer Region ordentlich ins Geld und lässt sich für Familien oft nur mit zwei Gehältern finanzieren. Der Bedarf an weiteren Hort- und Betreuungsplätzen ist daher keine Überraschung, sondern führt zwangsläufig zu einem gestiegenen Bedarf an Betreuungs- und Hortplätzen, weil beide Elternteile der „neuen Schwalbacher Häuslebauer“ arbeiten müssen. Dies ließe sich sogar näherungsweise berechnen. Dass der Zuzug von Familien laut Christiane Augsburger „an der guten Schwalbacher Kinderbetreuung liegt…“, erkenne ich nicht.
In Bezug auf Schwalbachs Infrastruktur werden die Hausaufgaben schon lange schlecht gemacht. Beiden Grundschulen fehlen derzeit Klassenräume, Lehrerparkplätze und rund um die öffentlichen Einrichtungen fehlen Besucherparkplätze. Zudem mangelt es der Stadt an eigenen Grundstücken, um notwendige Maßnahmen umzusetzen, dabei würde sich ein Grundstück anbieten: „Am Erlenborn 2“. Dort könnten laut CDU schon bald etwa 70 Hortplätze für zukünftige Schüler der Geschwister-Scholl-Schule (GSS) entstehen.
Den steigenden Bedarf an Betreuungs- und Hortplätze, diskutiert der Stadtkitabeirat mit der Verwaltung seit Jahren. Wenn jetzt Krippenplätze fehlen, werden für diese Kinder doch in drei bis vier Jahren Hortplätze benötigt, oder? Aber die Stadt signalisiert den Elternvertretern entweder „sie hat alles im Griff“ oder sie zeigt sich überrascht angesichts des hohen angemeldeten Bedarfs. Bis jetzt wurden einigermaßen erträgliche Hort-Lösungen gefunden, wie zum Beispiel die Schulkinderhaus-Dependancen „Wiesenburg“ und „Moosburg“.
Die neuste „Hort-Residenz“, in der ehemaligen Filiale der Taunus Sparkasse in der Schulstraße, finde ich eine Zumutung für die Kinder. Die städtischen Gremien haben diese „Notunterkunft“ für drei Jahre bewilligt. Aber Achtung! Bisher sind alle Übergangseinrichtungen geblieben.
Normalerweise essen die Kinder nach der Schule im Hort und gehen dann zurück zur Schule, um AGs aufzusuchen, ihre Hausaufgaben zu machen oder um einfach nur zu spielen. Das Außengelände der GSS ist für beide Schulkinderhäuser ein wichtiger Bestandteil der Nachmittagsbetreuung.
All dies fällt für die Schulkinder der „Noteinrichtung Schulstraße“ entweder weg oder nötigt sie zu vielen langen Fußwegen. Durch beides werden die Schulstraßen-Hortkinder extrem benachteiligt.
Die SPD/FDP-Koalition hat in der letzten öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Jugend, Kultur und Soziales den Prüfantrag für ein Schulkinderhaus direkt neben der Grundschule abgelehnt. Der Öffentlichkeit wurde mitgeteilt, dass der SPD-Fraktion sechs Sozialwohnungen auf diesem Areal wichtiger sind als 70 Hortplätze. Leider fehlt es bei diesen Sitzungen regelmäßig an der Teilnahme der Öffentlichkeit, so dass Eltern oft erst etwas erfahren, wenn es für Änderungen schon zu spät ist.
Grundsätzlich bin ich gegen eine weitere Verdichtung durch Wohnraum, aber ich sehe nur eine sinnvolle Lösung, die allgemein fehlenden Betreuungsplätze zu realisieren: Zügige Bebauung des „Flachsackers“ mit einem Ersatzwohnhaus für die Mieter des Hauses „Am Erlenborn 2“. Sofortiger Neubau eines städtischen Kinderhauses auf dem Areal. Anschließender Abriss des sanierungsbedürftigen Wohnhauses „Am Erlenborn 2“ und Neubau einer zweiten Einrichtung mit Hort-, Krippen-und/oder Kitaplätzen.
Mit einer Betreuungseinrichtung für drei Altersgruppen ließen sich Synergieeffekte nutzen, wie zum Beispiel eine gemeinsame Küche oder gemeinschaftliche Bewegungsräume. Außerdem könnte man die Belegung der Räume, an den jährlichen Bedarf in den Altersgruppen anpassen. Die Krippen- und Kitaplätze würden vorzugsweise bis 13 Uhr belegt und anschließend könnte eine Nutzung durch Hortkinder erfolgen. Wenn dann noch Wohnbebauung gewünscht wird, dann wären kleine Wohnungen, die an Erzieher in Verbindung mit einer Beschäftigung bei der Stadt Schwalbach vermietet werden, sicher ein riesiger Pluspunkt bei der Einstellung von weiterem Personal. Aber das traut sich die Politik (noch) nicht vorzuschlagen.
Es liegt an den Eltern, Mehrheiten hierfür zu organisieren. Wendet euch an die Fraktionen, die den Bau eines Schulkinderhauses „Am Erlenborn 2“ unterstützen. Anders wird es nichts und die „Noteinrichtung Schulstraße“ könnte zu einer Dauerlösung werden.“

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