10. August 2017

Leserbrief

„Ein Schulkinderhaus dient dem Allgemeinwohl“

Zum Leserbrief „Priorität hat das Gemeinwohl“ in der Ausgabe vom 2. August erreichte die Redaktion nachfolgender Leserbrief. Leserbriefe geben ausschließlich die Meinung ihrer Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor. Wenn auch Sie einen Leserbrief veröffentlichen möchten, senden Sie ihn unter Angabe Ihrer vollständigen Adresse und einer Rückruf-Telefonnummer an info@schwalbacher-zeitung.de.

Der Leserbrief des früheren UL-Stadtrates Klaus Stukenborg, in dem dieser den Initiatoren des Bürgerbegehrens vorwirft, dass dabei „wenige Bürger nur Eigeninteressen verfolgen“ bedarf einer entschiedenen Erwiderung.
Den vielen engagierten Aktiven, die mitten in den Sommerferien ihre Freizeit opfern, um auf dem Marktplatz, vor Geschäften und Bahnhöfen zu stehen und von Haustür zu Haustür zu laufen, um Unterschriften für einen Bürgerentscheid zu sammeln, wird man dabei nicht gerecht. Kinderbetreuung ist eine Gemeinschaftsaufgabe und dient dem Allgemeinwohl. Kinder sind die Steuer- und Rentenzahler von morgen. Zudem besteht die Bürgerinitiative nicht nur aus betroffenen Eltern. Und selbst diejenigen, deren Kinder aktuell betroffen sind, wissen genau, dass ihre eigenen Kinder in ihrer Grundschulzeit die Fertigstellung eines neuen Schulkinderhauses ohnehin nicht mehr erleben würden. Sie nutzen also ihre Erfahrungen und kämpfen für nachfolgende Generationen von Grundschulkindern. Wenn das Eigennutz sein soll, weiß ich nicht weiter.
Überhaupt ist es bedauerlich, dass Herr Stukenborg in seinem Leserbrief versucht, zwei soziale Projekte gegeneinander auszuspielen. Die Bürgerinitiative hat sich klar zu bezahlbarem Wohnraum bekannt. Schwalbach leistet hier seit Jahrzehnten bereits einen in der Region beispiellosen Beitrag und auch aktuell erwirbt die Stadt weitere Belegungsrechte für Sozialwohnungen und plant ein Neubaugebiet am Flachsacker, wo bezahlbarer Wohnraum vorgesehen werden soll. Eine kleine Handvoll von 6 bis 20 zusätzlichen Wohnungen direkt neben dem Schulzaun lösen das Problem der Wohnungsnot hingegen nicht. Für ein Schulkinderhaus ist das aber ein idealer Standort.
Im Übrigen bin ich persönlich der Meinung: Die konkreten Pläne, bis zu einer halben Million Euro pro zusätzlicher Sozialwohnung am Erlenborn aus Steuergeldern zu investieren, sind alles andere als „gemeinnützig“. Für diese Beträge kann man ein Haus bauen. Das ist ein Fall für die Aufsichtsbehörden und für den Landesrechnungshof.
Zu befürworten ist natürlich das „Gesamtkonzept“, welches Herr Schlosser in seinen Schwalbacher Spitzen anmahnt. Auch hierfür gilt aber: Betreuungsräume direkt am Schulgelände stehen einem Gesamtkonzept in keiner Weise im Wege, im Gegenteil. Ein Gesamtkonzept lässt sich hierauf aufbauen. Die Räume können auch in ein eventuelles zukünftiges Ganztagsschulkonzept integriert werden. Wohnräume auf dem letzten freien Grundstück in Schulnähe verbauen hingegen auf alle Zeit die Möglichkeit für sinnvolle Erweiterungen für Unterrichts- und Betreuungsräume. Und die derzeitigen vier verstreuten Außenstellen des Schulkinderhauses in Wohn- und Geschäftsräumen sind auch keine Dauerlösung im Sinne eines zukunftsweisenden Gesamtkonzepts. Durch das neue Schulkinderhaus könnten diese perspektivisch reduziert werden und wieder ihrer eigentlichen Nutzung zugeführt werden, wie beispielsweise in der Ringstraße als Sozialwohnungen.

Axel Fink, Schwalbach

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.