25. Oktober 2017

Schwalbacher hält Bildvortrag über Otto Pankok im Stadtmuseum Hofheim

Verfolgter Maler der Verfolgten

In einem Bildvortrag über Otto Pankok werden neben den wesentlichen Bildthemen und Lebensstationen des Künstlers auch sein Menschenbild und Kunstideal beleuchtet. Foto: Otto Pankok Stiftung

Vom 27. Oktober bis 27. November bietet die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit (CJZ) Main-Taunus zusammen mit Kooperationspartnern besondere Veranstaltungen rund um den Tag der Reichspogromnacht an. Den Auftakt bildet am Freitag, 27. Oktober, der Bildvortrag des Schwalbachers Jürgen Vits, Mitglied bei „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ und der „ Gesellschaft zur Förderung verfemter Kunst“ sowie im Beirat der Otto-Pankok- Stiftung über „Otto Pankok: Verfolgter Maler – Maler der Verfolgten“.

Der Kunstverein Hofheim, die CJZ Main-Taunus sowie die Vereinigung „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ laden um 20 Uhr zu diesem Vortrag ins Stadtmuseum Hofheim in der Burgstraße 11 ein. Die Karten kosten an der Abendkasse zwölf Euro, für Mitglieder zehn Euro und ermäßigt sechs Euro. Im Vorverkauf und bei Reservierung unter www.kunstvereinhofheim.de im Internet sind die Karten zu zehn, acht oder fünf Euro erhältlich. Im Eintritt sind ein kleiner Imbiss und Getränke enthalten.
Vor 80 Jahren wurde in München die Ausstellung „Entartete Kunst“ eröffnet. Sie stellte das propagandistische Kontrastprogramm zur am Vortag von Adolf Hitler persönlich eröffneten „Großen Deutschen Kunstausstellung“ dar. Dabei kündigte er einen „unerbittlichen Säuberungskrieg“ gegen die „Verfallskunst“ an. Die Propagandaschau „Entartete Kunst“ ging auf einen Auftrag von Joseph Goebbels zurück, in einer Art Blitzaktion Hunderte von Kunstwerken aus öffentlichen Sammlungen moderner Kunst zu entfernen. Verfemt und ausgestellt wurden Kunstwerke aller modernen Stilrichtungen – auch Werke von Otto Pankok waren darunter.
Otto Pankoks (1893 bis 1966) Künstlerleben war über weite Strecken durch Kriege und Verfolgung geprägt. Mit seinem eindringlichen Passionszyklus geriet er schon früh in das Visier der Nationalsozialisten. Mehr als fünfzig seiner Arbeiten wurden im Rahmen der Aktion „Entartete Kunst“ aus öffentlichen Sammlungen entfernt und vernichtet. Ungeachtet des verhängten Berufs- und Ausstellungsverbots setzte Otto Pankok sein widerständiges Kunstschaffen im Verborgenen fort. Große Beachtung finden noch heute vor allem seine Menschenbilder, die überwiegend Benachteiligte und Verfolgte darstellen, darunter zahlreiche Porträts von Sinti-Kindern sowie Werke zum jüdischen Verfolgungsschicksal. Es ist nicht zuletzt die von christlicher Humanität und Respekt geprägte Haltung des Künstlers, die den einzigartigen Rang und die hohe Aktualität seines Kunstschaffens ausmacht.
Anhand von Werkbeispielen sowie schriftlichen Zeugnissen werden im Bildvortrag neben den wesentlichen Bildthemen und Lebensstationen des Künstlers auch sein Menschenbild und Kunstideal beleuchtet. Ferner wird auch auf die Verbindung zwischen Otto Pankok und Ludwig Meidner eingegangen, die sich aus bisher unveröffentlichten Briefen ergeben hat. red

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