26. Oktober 2017

Verein Indienhilfe lud zur Begegnung in der katholischen Pfarrgemeinde ein

Den Ärmsten der Armen helfen

Mitglieder des Kelkheimer Vereins Indienhilfe berichteten zusammen mit den Schwestern der Partnerorganisation Maher aus Indien eindrucksvoll von der Arbeit mit bedürftigen Menschen in Indien. Foto: Rautert

Der eigentlich in Kelkheim beheimatete Verein Indienhilfe hatte am vergangenen Montag zu einem Begegnungsnachmittag und -abend in die katholische Pfarrgemeinde Schwalbach eingeladen. Dabei berichteten Vertreterinnen der von der Indienhilfe unterstützten Partnerorganisation Maher aus Pune in Indien über ihre Aktivitäten.

Tätige Nächstenliebe in Form von zukunftsgerichteten Projekten für bedürftige Menschen vor Ort – so könnte man den Zweck und das Tätigkeitsspektrum der Indienhilfe beschreiben. Indien ist ein Land voller Gegensätze. Auf der einen Seite steht eine Volkswirtschaft, die zu den dynamischsten der Welt gehört, auf der anderen Seite leben etwa 30 Prozent der mehr als eine Milliarde zählenden Bevölkerung aktuell noch unterhalb der Armutsgrenze von einem US-Dollar pro Kopf und Tag.
Fast 80 Prozent der Inder leben auf dem Land in etwa 600.000 Dörfern und in einem verkrusteten Kastensystem. Ihr Leben ist vielfach bestimmt von großer Armut und bedroht von Naturkatastrophen aller Art. Oft wandern sie ab in die Slums der Großstädte und geraten dort in noch größeres Elend.
Das ist der Ansatzpunkt für die Indienhilfe. Der gemeinnützige Verein wurde am 10. Februar 1989 gegründet, umfasst heute rund 80 Mitglieder sowie 600 Förderer und hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Ärmsten der Armen in Indien zu helfen. Das dafür aufgebrachte jährliche Spendenaufkommen beläuft sich auf ca. 175.000 Euro.
Anfangs konzentrierten sich die Unterstützungsleistungen des Vereins auf den Dorfbau nach den in Indien häufigen Naturkatastrophen über die Village Reconstruction Organisation VRO (Dörfer für Indien). Über die VRO und mit Hilfe freiwilliger Helfer vor Ort konnten bisher insgesamt 43 Dörfer, mehrere Schulen, viele Kindergärten und diverse Zentren für Dorfhelfer, Lehrer, Bauhandwerker, Jugendliche, Senioren und Kultur finanziell unterstützt werden. Dafür wurden bis heute rund vier Millionen Euro gespendet.
Später erweiterte die Indienhilfe ihre Aktivitäten und unterstützt heute neben anderen Projekten auch den Volksstamm der Warlis im Norden von Bombay. Die Warlis sind ein Ureinwohnerstamm, der eine mehr als 3.000 Jahre alte Malkunst wieder aufleben ließ. Die Indienhilfe hat dort ein Internat gebaut und unterstützt Initiativen von Selbsthilfegruppen.
Auch für die indische Partnerorganisation Maher macht sich die Indienhilfe stark. Maher wurde von Schwester Lucy Kurien 1997 gegründet und kümmert sich um ausgestoßene und misshandelte Frauen und ihre Kinder. Neben der Errichtung von Frauenhäusern sorgt Maher auch für die Bildung der betreuten Personen und um ihre psychologische Betreuung. Derzeit kümmern sich 240 Mitarbeiter der Organisation um etwa 350 Frauen und 900 Kinder, Insgesamt haben bereits mehr als 3.000 Kinder die Organisation durchlaufen.
„Für Maher bringen wir pro Jahr durchschnittlich 30.000 Euro Spendengelder auf, im Jahr 2015 sogar 50.000 Euro, die unmittelbar in die Betreuung der Bedürftigen fließen“, so hebt die Vereinsvorsitzende Dr. Ulrike Biedendieck das große Engagement des Vereins hervor. Dass diese Gelder gut angelegt sind, unterstrich der Vortrag der Maher-Gründerin Schwester Lucy Kurien, die auf eindrucksvolle Weise schilderte, wie ihre Organisation den Bedürftigen neue Perspektiven aufzeigt.
Ein Problem der Indienhilfe wurde allerdings durch einen Blick auf das Publikum im katholischen Pfarrheim deutlich sichtbar. Dem Verein fehlt es an Nachwuchskräften. Viele der Gründungsmitglieder haben dem Verein bis heute die Treue gehalten, sind aber heute in einem Alter, das ihre Aktivitäten einschränkt. „Wir würden uns deshalb sehr über neue Mitglieder freuen, die auf vielfältige Weise – auch durch Reisen nach Indien und aktive Projekthilfe – unsere Arbeit unterstützen können“, unterstreicht Dr. Ulrike Biedendieck die Hoffnung des Vereins auf personellen Zuwachs. hr

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