15. November 2017

Dr. Werner Löser sprach über die Probleme in der Ökumene

Martin Luther und die Katholiken

Im Rahmen des diesjährigen „Zeitfensters“ im Zusammenhang mit dem Lutherjahr war der Jesuit Dr. Werner Löser, emeritierter Professor für Dogmatik und ökumenische Theologie an der Theologischen Hochschule Sankt Georgen, Ende Oktober im katholischen Pfarrzentrum St. Pankratius zu Gast. Eine große Schar von über 60 Interessierten war zu dem Vortrag „Luther und der deutsche Katholizismus heute“ erschienen.

Gleich zu Beginn betonte Werner Löser, dass er weniger zu den aktuellen Fragen der Stellung des deutschen Katholizismus zu Luther als zu grundsätzlichen Problemen der ökumenischen Bewegung sprechen wolle. Er gliederte seine Ausführungen in zwei Teile. Im ersten Teil ging er auf das aktuelle „ökumenische Gespräch“ in diesem Jahr ein und stellte eine ganze Reihe von dazu auf beiden Seiten des Gesprächs veröffentlichten Dokumenten vor.
Man könne nur hoffen, dass damit neue Brücken entstünden und die Wunden der Vergangenheit geheilt würden, meinte der Referent. Aber es sei noch viel zu tun, wobei er auch erklärte, dass die ökumenischen Zielvorstellungen nicht übereinstimmten, insbesondere im Kirchenverständnis. In der folgenden Zwischendiskussion wurde bemängelt, dass der Vortragende zu wenig konkret auf das angekündigte Thema eingegangen sei. Die vielfältige negative Sicht der Katholiken auf Luther sei laut Werner Löser aber über die Bemühungen um das „healing of memories“, eine heilsame Umkehr der einseitig schlimmen Erinnerung an die Spaltung, weitgehend behoben. Grundlegend unterschiedliche Visionen aber blieben.
Das wurde dann in einer theologischen Besinnung im zweiten Teil des Vortrages zu den tiefer liegenden Gründen für die Trennung zwischen den Kirchen deutlich. Dabei leitete der Referent das katholische Kirchenverständnis aus dem Alten Testament mit der Vorstellung von „Gottes Volk aus Juden und Heiden ab“.
Während die Kirchen, deren Geschichte in die frühchristliche Frühzeit zurückreicht, in sich viel jüdisches Erbe aufbewahrten, hätten andererseits die Kirchen, die aus der abendländischen Spaltung des 16. Jahrhunderts hervorgegangen sind, das jüdische Erbe an den Rand gedrängt oder gar ausgeschieden. Diese Aussagen seitens Werner Löser rief eine unmittelbare starke Reaktion der anwesenden evangelischen Theologen und Pastoren hervor.
Während auf der einen Seite eine Reihe von Zuhörern etwas enttäuscht waren, dass der Referent wenig zu dem aktuellen Verhältnis der katholischen Kirche zu Luther sagte, gab es andererseits eine tiefgründige theologische Besinnung auf das vorhandene Trennende der christlichen Kirchen. Dies sorgte für viel Stoff zu vertieftem Nachdenken und Nachschlagen, gab aber auch Anlass zu Widerspruch. red

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