20. Mai 2019

Ergebnisse der repräsentativen Seniorenbefragung liegen jetzt vor

„Ältere fühlen sich wohl in Schwalbach“

Überall in Schwalbach wurden und werden die Bushaltestellen wie hier in der Berliner Straße barrierefrei gestaltet. Nach der aktuellen Umfrage reicht das aber nicht, um den öffentlichen Personennahverkehr für Senioren attraktiver zu machen. Archivfoto: Schlosser

Nach mehr als einem Jahr liegen jetzt die Ergebnisse der repräsentativen Seniorenbefragung vor, die die Stadt in Auftrag gegeben hat. Das Ergebnis: Die meisten älteren Bewohner fühlen sich in Schwalbach wohl.

Am vergangenen Donnerstag stellten Dr. Henry Kreikenbom vom Institut „Aproxima“ und der Schwalbacher Soziologe Prof. Dr. Eike Hennig, die Resultate der aufwändigen Befragung vor. Um ein möglichst umfassendes Bild von der Lebensqualität im Alter zu zeichnen, wurden Anfang 2018 insgesamt 271 Bürgerinnen und Bürger ab dem 56. Lebensjahr befragt. Jeder musste 70 Fragen zu zwölf Themen beantworten. Darüber hinaus gab es sieben offene „Expertengespräche“ mit Akteurinnen der Seniorenarbeit sowie zwölf sogenannte Leitfadeninterviews.
Die Hauptergebnisse legen laut Henry Kreikenbom dar: „Die Mehrheit der befragten älteren Menschen fühlt sich in Schwalbach wohl. Die städtische Infrastruktur wird zum Zeitpunkt der Untersuchung von den meisten Befragten als seniorenfreundlich beurteilt.“ Im Einzelnen seien darunter zu verstehen: seniorengerechte Freizeit- und Kulturangebote, seniorenfreundlich gestaltete Grünanlagen, barrierefreie Straßen, die Ausstattung mit Pflegediensten, seniorengerechten Einkaufs- und Parkmöglichkeiten, Gaststätten, Cafés und ein auf die Bedürfnisse der älterer Menschen zugeschnittener öffentlicher Personennahverkehr.
Auch wenn in Schwalbach vieles schon verwirklicht ist, ältere Bürger sehen noch viele Möglichkeiten, Straßen und Wege barrierefrei zu gestalten. Was die Sicherheit betrifft, so fühlt sich mehr als die Hälfte der befragten Personen ab dem 56. Lebensjahr in Schwalbach sehr beziehungsweise eher sicher. Doch immerhin fast jeder Dritte macht Abstriche und beurteilt die Lage in der Stadt als weniger sicher. Rund 13 Prozent der Befragten fühlen sich sogar eher beziehungsweise sehr unsicher in der Stadt. Vor allem „junge Alte“ zwischen 61 und 80 Jahren und Frauen fühlen sich verunsichert.
Henry Kreikenbom: „Das Sicherheitsgefühl hat Einfluss auf das Wohlbefinden im Wohnviertel. Die Menschen fühlen sich umso wohler in ihrem Wohnviertel, je sicherer sie sich in der Stadt fühlen. Insgesamt aber kann die Sorge um die Sicherheit eher als eine Wahrnehmung des allgemeinen Stadtklimas betrachtet werden. Mit unmittelbaren Opfererfahrungen der Befragten hängt diese Sorge selten zusammen.“

Zufrieden mit den Wohnungen

76 Prozent der Bewohner von Eigenheimen sind sehr zufrieden mit ihrer Wohnung, obwohl diese manchem zu groß ist. In Wohnblöcken und Hochhäusern ist die Wohnzufriedenheit etwas geringer. Dort sind rund 57 Prozent der Bewohner sehr zufrieden mit ihrer Wohnsituation. Dabei stört die Älteren vor allem die altersmäßige Durchmischung der Häuser: Senioren und Hochbetagte leben lieber in Häusern, in denen sich überwiegend Gleichaltrige befinden.
Das lebendige Vereinsleben Schwalbachs ist laut Henry Kreikenbom eine gute Voraussetzung für die Einbeziehung älterer Menschen. Mit ihrer Lebenserfahrung besäßen sie ein wertvolles Potenzial für die ehrenamtliche Arbeit. Ihr Engagement halte sie außerdem in der Mitte der Gesellschaft und wirke sich in der Regel positiv auf ihre Vitalität aus. 59 Prozent aller Befragten sind in einem oder mehreren Vereinen organisiert oder anderweitig gesellschaftlich aktiv.
Bei der Mobilität stellte sich heraus, dass die meisten Älteren fast täglich zu Fuß oder mit dem Auto in der Stadt unterwegs sind. Je älter die Menschen, desto häufiger wird mit dem Auto gefahren. Um den öffentlichen Personennahverkehr für ältere Menschen praktikabel zu machen, wären aus der Sicht der Befragten eine ganze Reihe von Verbesserungen erforderlich, zum Beispiel eine höhere Taktung, mehr Haltepunkte und der Einsatz kleiner Busse, die in die Wohnquartiere fahren.

Hohes Bildungsniveau

Eike Hennig wies in seinen Ausführungen noch auf einige Schwalbacher Besonderheiten hin. So stellte er fest, dass der Anteil der Über-80-Jährigen in Schwalbach höher als im deutschen Durchschnitt ist. Er konstatierte auch ein überdurchschnittlich hohes Bildungsniveau unter den Alten der Stadt: Insgesamt haben 28 Prozent der Über-60-Jährigen einen Hochschulabschluss, in Alt-Schwalbach sogar 38 Prozent. Entsprechend gut hätten diese Einwohner in ihrem Leben verdient. „Altersarmut taucht hier weniger auf“, sagte Eike Hennig.
In der Summe zeichnet die Studie seiner Meinung nach ein „positives Bild“. Doch es schlummerten auch in Schwalbach einige Probleme. Denn gerade Hochbetagte würden sich selten beschweren und Hilfe annehmen, so dass viele individuelle Schwierigkeiten unentdeckt bleiben. „Das ist eine Generation, die es gelernt hat, sich selbst zu helfen“, erklärten Kreikenbom und Hennig übereinstimmend.
Bürgermeisterin Christiane Augsburger (SPD) dankte allen Schwalbachern, die sich an der Umfrage beteiligt haben. Sie sieht in der Untersuchung ein solides Fundament für die weitere Arbeit mit Senioren. „Davon profitieren alle Schwalbacherinnen und Schwalbacher, die Älteren jetzt, die Jüngeren später.“ MS

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