28. Mai 2020

Alexander Immisch unter besonderen Bedingungen ins Amt eingeführt

„Zusammenhalt und Gemeinsamkeit“

Stadtverordnetenvorsteher Eyke Grüning (rechts) nahm Alexander Immisch den Amtseid ab. Foto. Schlosser

Das war schon eine besondere Sitzung der Schwalbacher Stadtverordneten gestern Abend. Zum einen war es erst das dritte Mal in den vergangenen 20 Jahren, dass ein neuer Bürgermeister in sein Amt eingeführt wurde. Zum anderen fand die Amtseinführung dieses Mal nur in einem sehr kleinen Kreis statt. Bericht mit Video

Normalerweise wäre der große Saal wahrscheinlich voll gewesen und Vertreter von Vereinen und Institutionen sowie Amtsträger aus dem ganzen Main-Taunus-Kreis wären gekommen, um zu sehen, wie Alexander Immisch (SPD) seinen Amtseid leistet und seine Ernennungsurkunde bekommt. Tatsächlich verteilten sich am Mittwoch aber nicht einmal 80 Personen auf den gesamten großen Saal. Neben 26 der 37 Stadtverordneten waren nur der Magistrat, die Amtsleiter aus dem Rathaus, je ein Vertreter von Ausländer- und Seniorenbeirat sowie einige Angehörige von Alexander Immisch und Christiane Augsburger anwesend. Einziger auswärtiger Gast war  Landrat Michael Cyriax (CDU).

Alle mussten beim Betreten des Bürgerhauses Masken aufsetzen und sich die Hände desinfizieren. Die obligatorischen Geschenke sollten auf „Gabentischen“ abgelegt werden, wurden dann aber doch fast alle persönlich übergeben. Ein Bürgerhaus-Mitarbeiter war eigens dafür abgestellt, das Rednerpult nach jeder Ansprache mit Desinfektionsmittel abzuwischen.
Zuschauer gab es trotzdem reichlich. Denn die Stadt übertrug erstmals in ihrer Geschichte eine Sitzung der Stadtverordnetenversammlung über „YouTube“ live ins Internet. Mehr als 600 Aufrufe verzeichnete das Video noch am Mittwochabend. Zu sehen ist hier (die Veranstaltung beginnt rund fünf Minuten nach Beginn des Videos):

Zunächst ergriff Stadtverordnetenvorsteher Eyke Grüning (SPD) das Wort. Er erklärte, dass mit der Verabschiedung von Noch-Bürgermeisterin Christiane Augsburger „eine Ära enden werde“. Ihrem Nachfolger Alexander Immisch wünschte er „immer sprudelnde Steuereinnahmen“ und ein „dickes Fell“.
Nachdem die Stadtverordneten das Wahlergebnis formal anerkannt hatten, ergriff Noch-Bürgermeisterin Christiane Augsburger (SPD) das Wort und hielt ihre Abschiedsrede. Sie gab ihrem Nachfolger mit auf den Weg, dass es besonders wichtig sei, den Zusammenhalt in einer Stadt wie Schwalbach zu fördern.
Anschließend leistete Alexander Immisch vor Eyke Grüning seinen Amtseid und erhielt die Ernennungsurkunde zum Bürgermeister. Sein Amt antreten wird er am 7. Juni.

„Platz in der Geschichte“

Danach würdigten die Fraktionsvorsitzenden die zwölfjährige Amtszeit von Christiane Augsburger und wünschten Alexander Immisch viel Erfolg. Hartmut Hudel (SPD) lobte seine Parteifreundin und erklärte: „Du warst immer eine Bürgermeisterin für alle über die Parteigrenzen hinweg.“ Er ist überzeugt, dass Christiane Augsburger „ihren Platz in der Geschichte Schwalbachs“ einnehmen wird.
Christian Fischer erinnerte für die CDU daran, dass die scheidende Bürgermeisterin in acht ihrer zwölf Amtsjahre mit einer Mehrheit aus CDU und Grünen klarkommen musste. Und für ihn war es kein Zufall, dass in dieser Zeit die größeren Projekte gestemmt worden seien. Alexander Immisch bot er von Seiten der größten Oppositionsfraktion eine „konstruktive Zusammenarbeit“ an.

Mit zwei Meter Abstand saßen die Stadtverordneten und die wenigen Gäste im großen Saal des Bürgerhauses, als Christiane Augsburger ihre Abschiedsrede hielt. Foto: Schlosser

Für die Grünen sprach Barbara Blaschek-Bernhardt. Auch sie dankte Christiane Augsburger, konnte sich aber kleine Sticheleien nicht verkneifen. So erinnerte die Fraktionsvorsitzende der Grünen daran, dass „einiges liegen geblieben ist“ und gab Alexander Immisch mit auf dem Weg, dass die Grünen hoffen, dass mit ihm so mancher Beschluss nun auch umgesetzt wird.
Auch Stephanie Müller (FDP) hob die Verdienste von Christiane Augsburger hervor, insbesondere bezüglich der Entwicklung der Kinderbetreuungsangebote während ihrer Amtszeit. Nicht so schön sei gewesen, dass Christiane Augsburger immer defizitäre Haushalte vorgelegt habe, auch wenn diese am Ende durch hohe Gewerbesteuereingänge stets ausgeglichen werden konnten. Von Alexander Immisch wünschte sie sich, dass er künftig entsprechend der hessischen Verfassung von vornherein ausgeglichene Haushalte erstellt.

Premiere für Noureddine Amjahid

Dann gab es noch eine weitere Premiere: Erstmals seit seiner Wahl 2016 trat Noureddine Amjahid von den Eulen ans Rednerpult. Auch er bedankte sich bei Christiane Augsburger und wünschte Alexander Immisch, dass er trotz der hohen zeitlichen Belastungen durch das Bürgermeister noch genügend Zeit für seine Familie finden möge.
Der neue Bürgermeister wäre am Ende beinahe um seine Antrittsrede gekommen, denn Stadtverordnetenvorsteher Eyke Grüning wollte die Sitzung versehentlich nach der Rede von Noureddine Amjahid schließen. Natürlich bemerkte er seinen Irrtum schnell und ließ Alexander Immisch ans Rednerpult. Als größte Herausforderung bezeichnete der den Neubau des Feuerwehrhauses in den nächsten Jahren. Als weitere Schwerpunkte für die zweite Jahreshälfte nannte Alexander Immisch die Umgestaltung des unteren Marktplatzes, die Wiedereröffnung des Limesstadions und den Kauf den Fernheizkraftwerkgrundstücks in der Adolf-Damaschke-Straße. Als „roten Faden“ seiner Arbeit nannte er „Zusammenhalt und Gemeinsamkeit“. MS

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