28. August 2020

Seit genau 50 Jahren betreibt Ayfer Özel ihre Änderungsschneiderei

„Eine Institution in Schwalbach“

Auch mit 74 Jahren denkt Ayfer Özel nicht an den Ruhestand. Foto: Reiser-Schober

Am 1. September 1970 eröffnete Ayfer Özel ihre Änderungsschneiderei in der Taunusstraße in Alt-Schwalbach. „Das war die erste Änderungsschneiderei in Schwalbach und es war auch das erste Geschäft einer türkischstämmigen Inhaberin in Schwalbach“, erzählt sie. Am kommenden Dienstag besteht das Geschäft, das seit 1976 am Marktplatz 26 zu finden ist, seit genau fünf Jahrzehnten.

Kein Wunder, dass Ayfer Özel ihre Kunden zum Teil schon in der dritten Generation kennt, dass sie in ganz Schwalbach bekannt ist und geschätzt wird. Doch das beruht offenbar auf Gegenseitigkeit: „Ich bin sehr zufrieden, meine Kunden waren nett und korrekt, ich habe selten etwas anderes erlebt“, lobt die Schneiderin. Auch in der türkischen Gemeinde Schwalbachs ist sie angesehen und beliebt. Ihr Rat wird gerne gesucht.

In einem halben Jahrhundert verändert sich vieles. In Schwalbach gibt es mittlerweile drei Änderungsschneidereien. Und auch die Kleidung, die die die Kunden dort abgeben, hat sich gewandelt. „Mäntel, Anzüge und Kostüme waren in früheren Jahrzehnten teurer. Daher lohnte sich eine aufwändige Änderung oder Reparatur. Geht heutzutage ein Kleidungsstück kaputt oder passt es nicht mehr so richtig, wird häufig schnell etwas Neues gekauft, statt es in die Änderungsschneiderei zu bringen“, ist Ayfer Özels Erfahrung.

Geboren wurde sie 1946 in Ankara. Das Schneiderhandwerk wurde ihr sozusagen in die Wiege gelegt, denn ihr Vater hatte ein Geschäft, in dem Singer-Nähmaschinen verkauft wurden und in dem Nähkurse stattfanden. 1965 zog sie nach Schwalbach in die Brandenburger Straße. Damals standen dort erst drei Häuser und die Limesstadt war eine riesige Baustelle. 1968 wurde die Tochter geboren, 1969 und 1977 die Söhne, wobei der jüngere Sohn heute in Schwalbach lebt. Seit 35 Jahren wohnt Ayfer Özel am Ostring in der Wohnung direkt über dem Geschäft. So hat sie es nicht weit, wenn sie ihren Arbeitsplatz aufsucht. Das erleichterte es der alleinerziehenden Mutter, Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen.

Ihren Lebensunterhalt verdient sie dort bis heute und denkt nicht daran, sich zur Ruhe zu setzen. Als der Vermieter 1997 die Räume anders nutzen und ihr kündigen wollte, sprachen sich 2.700 Schwalbacher mit ihrer Unterschrift dagegen aus. Bürgermeister Alexander Immisch: „Es ist also keineswegs übertrieben, wenn ich sage, dass Ayfer Özel in Schwalbach eine Institution ist.“ red

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