9. Juli 2021

Projekttag für die zehnten Klassen an der Mendelssohn-Bartholdy-Schule

Auf der Suche nach dem „Ich“

Zeitzeuge Dr. Klaus Riemer berichtete den Zehntklässlern, wie er die Pogromnacht 1938 und das Verschwinden jüdischer Spielkameraden erlebt hat. Foto: Schöffel

Die Frage nach der eigenen Identität im Kontext der Umwelt bewegt alle Menschen überall auf der Welt, ganz gleich, ob in der Gegenwart oder in der Vergangenheit. Und so geht es auch den Schülerinnen und Schülern der Abgangsklassen der Mendelssohn-Bartholdy-Schule, die nach den Sommerferien ganz unterschiedliche Wege einschlagen werden. Auch zahlreiche Schülerinnen und Schüler aus Schwalbach nahmen teil.

Am Mittwoch vergangener Woche gab es deshalb zu diesem Themenbereich einen Projekttag, an dem sich die Schüler in fünf unterschiedliche Workshops einwählen konnten. So wurde zum einen der Blick auf Sophie Scholl gerichtet, die in diesem Jahr mit ihrem 100. Geburtstag besonders im Fokus steht. Wer war diese junge Frau und wie hat sie in der Zeit des Nationalsozialismus ihr Leben ausgerichtet? Die Flugblätter der „Weißen Rose“ wurden analysiert und Bezüge zur Gegenwart hergestellt.

Als Zeitzeuge kam Dr. Klaus Riemer zu einer anderen Gruppe. 1931 in Berlin geboren, konnte er viel über die Zeit des Krieges erzählen, die er als Kind besonders intensiv empfunden hatte. Er erlebte die Pogromnacht 1938, das Verschwinden jüdischer Spielkameraden und wurde mit 14 Jahren als sogenannter „Volkssturmmann“ eingezogen.

Petra Kunik, Tochter von Shoah-Überlebenden und Jüdin der „zweiten Generation“ kam ebenfalls als Zeitzeugin in die Schule, um von ihren Erfahrungen zu berichten, die sie als junge Frau in den Frankfurter Auschwitzprozessen gesammelt hatte. Dort offenbarte sich das ganze Grauen und Leiden, dem die Juden unterzogen worden waren und sie kam zu der Überzeugung: „Ich bin eine lebende jüdische Deutsche.“ Außerdem führte Petra Kunik eine andere Schülergruppe in Frankfurt auf den Spuren der jüdischen Vergangenheit über den Börneplatz und den jüdischen Friedhof.

Die Schüler hatten aber auch die Möglichkeit künstlerisch aktiv zu werden und sich so einerseits mit der Geschichte und andererseits mit sich selbst auseinanderzusetzen. Unter dem Titel „Lebenszeichen setzen“ wurden Wege entdeckt, durch die eigenen Kreativität der Realität zu entfliehen, sich ihr zu stellen oder sie einfach zu „vermalen“.

Es konnten aber auch Auszüge aus literarischen Werken wie beispielsweise dem Tagebuch der Anne Frank oder dem Buch von Eugen Herman-Friede, einem antifaschistischen Widerstandskämpfer, illustratorisch mit unterschiedlichen Materialien umgesetzt werden.

Als fünftes Angebot gab es die Möglichkeit, nach dem Prinzip der japanischen Philosophie „Ikigai“ nach dem Sinn des Lebens zu forschen und die eigenen Vorstellungen zu vertiefen. Dieser vielfältige Tag konnte den Jugendlichen Perspektiven eröffnen und wurde organisiert von dem Projektteam „Erinnerungskultur an der MBS“. red

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