2. August 2022

Hobby-Geologe findet am Kronberger Hang 20 Millionen Jahre alte Fossilien

Als Schwalbach einen Strand hatte

In der Baugrube des neuen Rechenzentrums „Am Kronberger Hang“ wurden auch fossile Turmschnecken gefunden. Foto: Niederschuh

Die nunmehr abgeschlossenen Tiefbauarbeiten am Rechenzentrum „Am Kronberger Hang“ ermöglichten kurzzeitig einen bemerkenswerten Einblick in die Erdgeschichte von Schwalbach. Der Schwalbacher Hobby-Geologe Helmut Niederschuh hat dort Fossilien gefunden, die aus einer Zeit stammen, als der Vordertaunus noch am Meer lag.

Wie berichtet wird derzeit am Kronberger Hang ein großes Rechenzentrum gebaut. Fast 20 Meter tief war die Baugrube, die Bagger über Monate herausgebuddelt hatten. Helmut Niederschuh ist leidenschaftlicher Sammler von Mineralien und Fossilien und erkannte sofort die Gelegenheit, wenn ein so tiefes Loch in seiner Heimatstadt gegraben wird.

Von der Bauleitung erhielt er die Erlaubnis, in der Baugrube nach Fossilien zu suchen und er wurde fündig: In 16 Metern Tiefe wurden Strandbereichsteile einer früheren Lagune aufgeschlossen, die vor mehr als 20 Millionen Jahren entstanden war. „Freigelegt wurden dabei insbesondere Kalksteinplatten und Tonablagerungen, die auf Schichtflächen fossile Turmschnecken, Muscheln, sogenannte Kalkalgen sowie fossiles Treibholz enthielten“, berichtet Helmut Niederschuh, der seit 1976 in Schwalbach lebt. Eine Besonderheit war der Fund eines Schildpattfragmentes einer Meeresschildkröte.

Entstanden sind die Ablagerungen im Zeitalter des Tertiärs. Vor über 30 Millionen Jahren gelangte von Norden Meerwasser in die Region und verwandelte den Oberrheingraben in eine schmale Meeresstraße mit dem Mainzer Becken und der Kelkheimer Bucht, zu der geologisch auch das Gebiet von Schwalbach zählt.

„Unter dem Mainzer Becken mit der Kelkheim und der Schwalbacher Bucht versteht man ein tektonisch begrenztes Senkungsgebiet am nordwestlichen Rand des Oberrheingrabens. Begrenzt wird das Mainzer Becken im Norden unmittelbar durch das wesentlich ältere Rheinische Schiefergebirge mit dem Taunus aus dem Devon-Zeitalter“, erklärt Helmut Niederschuh.

Im Laufe der Zeit wandelte sich der aquatische Lebensraum immer mehr zu einem flachen, schwach salzigen und lagunenartigen Gewässer, das nur noch eine geringfügige wechselnde Meeresanbindung besaß. Somit entstand vor 23 Millionen Jahren ein Brackwassermeer, das im Laufe der Zeit wieder verschwand. Die Ablagerungen blieben jedoch erhalten und geben heute Zeugnis der damaligen Zeit.

Zu sehen und zu finden waren die Fossilien aber nur für kurze Zeit. Mittlerweile sind sie unter den ersten Bauteilen des neuen Rechenzentrums wieder verschwunden. red

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