24. Februar 2015

Der Kreis will direkt am Ortseingang Container für 80 Flüchtlinge bauen

Ziemlich allein gelassen

Nur noch ein Schlachtfeld haben die Arbeiter auf der Streuobstwiese am Ortseingang von Schwalbach hinterlassen. Die Stadt Eschborn lässt die Fläche an der Niederräder Straße seit gestern roden, damit der Kreis dort ein großes Flüchtlingslager bauen kann. Wenigstens die große Eiche darf (vorerst) stehen bleiben. Foto: Schlosser
Nur noch ein Schlachtfeld haben die Arbeiter auf der Streuobstwiese am Ortseingang von Schwalbach hinterlassen. Die Stadt Eschborn lässt die Fläche an der Niederräder Straße seit gestern roden, damit der Kreis dort ein großes Flüchtlingslager bauen kann. Wenigstens die große Eiche darf (vorerst) stehen bleiben. Foto: Schlosser

Der Main-Taunus-Kreis und die Stadt Eschborn wollen direkt am Schwalbacher Ortseingang eines der größten Asylantenlager im Kreis bauen. Während die Anwohner Sturm laufen, will die Stadt Schwalbach nichts unternehmen und den Bau der Container-Anlage „hinnehmen“, wie Bürgermeisterin Christiane Augsburger (SPD) sagt. Gestern wurde das Grundstück bereits gerodet.

Schon vor zwei Jahren war heftig über eine mögliche Sammelunterkunft auf der verwilderten Streuobstwiese direkt neben dem Ortschild an der Niederräder Straße diskutiert worden. Der seinerzeitige Sozialdezernent des Kreises, Hans-Jürgen Hielscher (FDP), hatte den Standort schließlich für „ungeeignet“ erklärt, weil Schwalbach die Belastung des Eschborner Lagers zu tragen habe. Auch Eschborns Bürgermeister Mathias Geiger (FDP) hatte noch im Juli vergangenen Jahres betont: „Gegen den Willen von Schwalbach können wir das nicht machen.“

Sieben Monate später interessiert das alles niemanden mehr. Am Donnerstagabend unterrichtete Geiger seine Kollegin Augsburger per Boten davon, dass das Grundstück am gestrigen Dienstag gerodet wird. Am Freitag verkündete der Kreis, dass er ab Herbst 80 Asylbewerber an dem umstrittenen Standort unterbringen will. Gestern rückten Arbeiter mit Motorsägen an und begannen, Gestrüpp und Obstbäume zu fällen.

Dabei ist eine Bebauung des Areals umstritten. Die Wiese liegt laut Flächennutzungsplan im Außenbereich und gehört zum regionalen Grünzug. Normalerweise lässt der Kreis auf solchen Flächen jede Gartenhütte beseitigen. Jetzt will er dort selbst ein zweistöckiges Gebäude mit mindestens 60 Metern Länge bauen. „Wir verstehen die schwierige Situation des Kreises, Unterkünfte für Flüchtlinge zu finden, aber Recht muss Recht bleiben“, sagt Mathias Schlosser, der Sprecher der Anwohner, die hochgradig enttäuscht sind, dass die im vergangenen Jahr gemachten Zusagen nicht eingehalten werden.

Sie wollen jetzt die Gerichte anrufen, damit geklärt wird, ob das Bauvorhaben rechtens ist oder nicht. „Bevor das nicht geklärt ist, sollte auch auf die Rodung verzichtet werden“, appellierte Mathias Schlosser noch am Montag an den aktuellen Kreisbeigeordneten Johannes Baron (FDP) und Eschborns Ersten Stadtrat Thomas Ebert (B90/Die Grünen). Ohne Erfolg.

Bisher hatten die Anwohner auch auf die Unterstützung von Bürgermeisterin Christiane Augsburger gesetzt. Doch die sieht keine Möglichkeiten für die Stadt, juristisch gegen den Bau vorzugehen. „Wenn ich nichts tun kann, will ich auch nicht den Eindruck erwecken, dass ich etwas tun könnte“, sagt sie und will die Entscheidung des Kreises und der Stadt Eschborn „hinnehmen“. Die Vorgehensweise gegenüber Schwalbach sei aber „kritikwürdig“.

Und auch die Fraktionen, die Christiane Augsburger am Freitag von der neuen Situation unterrichtete, schweigen bisher zu den Vorgängen am Ortseingang. Die Anwohner sind darüber fast genauso enttäuscht wie über das Verhalten der Stadt Eschborn und des Kreises. Mathias Schlosser: „Wir haben erwartet, dass sich unsere Bürgermeisterin und die Stadtverordneten stärker für die Interessen von Schwalbach einsetzen und fühlen uns ziemlich allein gelassen.“

Besonders bedauert Mathias Schlosser, dass durch das Hau-Ruck-Verfahren und die gebrochenen Zusagen viel Vertrauen zerstört wird. Er fürchtet dadurch große Akzeptanzprobleme, falls die Sammelunterkunft gebaut werden darf. „Das wäre schade, denn die Flüchtlinge können am wenigsten dafür, dass die Verantwortlichen in Eschborn und Hofheim nicht in der Lage sind, eine bessere Lösung zu finden. sz

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