3. Juni 2015

Leserbrief

„Antrag aus der Welt schaffen“

Zum Leserbrief „Niemand kennt das Herz den Anderen“ in der Ausgabe vom 27. Mai erreichte die Redaktion nachfolgender Leserbrief. Leserbriefe geben ausschließlich die Meinung ihrer Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

Liebe Frau Thabti-Megharia, natürlich ist jeder einzelne gefragt, am guten Miteinander der Menschen in Schwalbach mitzutun, gleich welcher Nationalität, gleich welcher Religion, da gebe ich Ihnen recht. Aber wenn Sie schreiben, kaum einer käme „auf die Idee, ein festgelegtes öffentliches Fest … zu verschieben geschweige denn zu verbieten“, muss ich Ihnen leider widersprechen. Es ist die Mehrheitsfraktion im Ausländerbeirat, die aktuell fordert, dass „alle … geplanten Veranstaltungen, die Angebote auch für Schwalbacher Bürger muslimischer Religionszugehörigkeit darstellen, so geplant (werden), dass sie nicht in die Fastenzeit Ramadan fallen“.
Und mit dieser Forderung müssen sich demnächst die Stadtverordneten befassen. Das Herz des anderen kennt niemand, schreiben Sie, aber dieses Anliegen des Ausländerbeirates ist nun wirklich eindeutig. Da sich alle Veranstaltungen der Stadt und auch der Kulturkreis GmbH an alle Schwalbacher, eingeschlossen diejenigen muslimischen Glaubens richten, würde das natürlich bedeuten, dass zum Beispiel das Altstadtfest, der Sommertreff oder auch der Weihnachtsmarkt nicht während des Ramadans stattfinden dürften. Distanziert hat sich von dieser Forderung bislang nur der Türkische Kulturverein, der keine Probleme mit Veranstaltungen während des Ramadans sieht.
Religion ist ein mehr oder weniger wichtiger Teil des Lebens vieler Menschen, aber auch nicht aller. Es kann daher nicht sein, dass eine besonders strenge Religionsauffassung hier dominiert und das Leben anderer Menschen derart bestimmt. Ich bin für Vielfalt, für Toleranz und Weltoffenheit. Und wenn Sie das auch so sehen, bitte ich Sie herzlich, sich dafür einzusetzen, dass dieser Antrag vielleicht doch noch aus der Welt geschaffen wird.

Barbara Blaschek-Bernhardt,
Schwalbach

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