10. Juni 2016

Studienfahrt der CJZ und der Limesgemeinde in die Lutherstadt

Eine Reise wert

Zu einem Gruppenfoto vor dem Eingang zur Leucorea-Stiftung postierten sich die Teilnehmer der Reise nach Wittenberg. Foto: Gilewitsch

Wittenberg, die Lutherstadt, ist bestens gerüstet für das Reformationsjubiläumsjahr 2017. Davon konnten sich die Reisenden aus Hofheim, Kelkheim, Bad Soden und Schwalbach überzeugen, die sich mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Main-Taunus-Kreis CJZ und der evangelischen Limesgemeinde auf den Weg nach Wittenberg gemacht hatten.

Die Protestanten feiern im nächsten Jahr 500 Jahre Reformation. Genauer, den 500. Jahrestag des Thesenanschlags an der Wittenberger Schlosskirche am 31. Oktober 1517. Der damals eher als Anschlag am „Schwarzen Brett“ zur Disputation gedacht war und dann doch eine gewaltige Wirkung erzeugte. Bund, Länder und die Kirche haben viel Geld für die Herrichtung der historischen Lutherstätten ausgegeben. An erster Stelle die Totalsanierung und Restaurierung der Schlosskirche und darunter natürlich die in Gusseisen gemeißelten 95 Thesen an einer Tür der Schlosskirche.
Der Schwalbacher Gruppe erhielt gleich am ersten Tag ihres Aufenthaltes in Wittenberg das Privileg, nicht nur am Dank-Gottesdienst für die Bauarbeiter und alle anderen Mitarbeiter teilnehmen zu dürfen, sondern auch die erste Gruppenführung durch die Schlosskirche zu erhalten. Auch das Lutherhaus und das benachbarte Melanchthonhaus wurden renoviert und mit einem neuen Ausstellungskonzept versehen.
Eine besondere Führung erlebte die Gruppe durch Christiane Dalichow, die als Katharina von Bora im historischen Gewand und in der damaligen Sprache vom Leben der ehemaligen Nonne und bedeutenden Frau an Luthers Seite erzählte. Beim Italiener am Holzmarktbrunnen konnte sich die Gruppe dann erholen, bevor sie sich der Führung von Kirchenmeister Bernhard Naumann durch die Stadtkirche anvertraute. Die Stadtkirche St. Marien war die Predigerkirche von Martin Luther. Lucas Cranach der Ältere hat in seinem berühmten Reformations-Altar dies in einem Predella-Gemälde festgehalten. Der Cranach-Altar ist das kostbarste Ausstattungsstück der Stadtkirche.
An der Stadtkirche ist auch die „Judensau“ aus dem 13. Jahrhundert zu besichtigen. In obszöner Weise werden dort jüdische Menschen mit dem unreinen Schwein verunglimpft und herabgesetzt. Sie erinnert auch an die Polemisierung Luthers gegen die Juden, auf die sich später die Nazis beriefen. Darunter setzte die Kirchengemeinde mit der Judengedenkplatte ein Gegenzeichen.
Mit dem Besuch der Katharina-von-Bora-Stube in Torgau – hier lebte sie nach dem Tod ihres Mannes bis zu ihrem Tod 1552 – konnte sich die Gruppe noch einmal mit dem Wirken dieser großartigen Frau beschäftigen. Zurzeit wird an einer ausführlichen Dokumentation dieser Studienfahrt gearbeitet, die auch einen Besuch im Bauhaus Dessau, dem Moses Mendelsohn-Zentrum, der Synagoge im Wörlitzer Park und im Naumburger Dom beinhaltete. Ferner wurde die Ausstellung „Luther und die DDR“ besucht und ein Gespräch mit Pfarrer Jörg Uhle-Wetter, dem künftigen Magdeburger Domprediger über die Situation der Christen, geführt. red

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