13. Juni 2017

Grüne wollen unbewirtschaftete Bereiche im Stadtwald

Für mehr Artenvielfalt

Biologe Jürgen Blum führte am vergangenen Sonntag rund 20 Interessierte auf Einladung der Schwalbacher Grünen durch den Stadtwald und erklärte das Ökosystem. Foto: Nordmeyer

Der Schwalbacher Stadtwald im nördlichen Zipfel des Stadtgebiets ist mit knapp 40 Hektar nicht groß, aber vor allem als Naherholungsgebiet sehr beliebt. Die Schwalbacher Grünen veranstalteten am Sonntag einen Waldrundgang. Überarbeitetter Artikel

Die rund 90-minütige Führung übernahm der Diplom-Biologe und BUND-Experte Jürgen Blum. Besichtigt wurden unter anderem in Frage kommende Bereiche für Stilllegungen und historische Waldbilder. Jürgen Blum gab vor Ort Erläuterungen zur Bedeutsamkeit der Artenvielfalt.
Der Wald, der im Besitz der Stadt ist, wird zurzeit bewirtschaftet. Ihm werden jährlich etwa 136 Festmeter Holz entnommen, weniger als jährlich nachwächst, die Bewirtschaftung ist nachhaltig. Mit der Ernte werden Erlöse von etwa 4.000 Euro erzielt.
Vor dem Hintergrund der schwindenden Artenvielfalt auch in den deutschen Wäldern wollen die Schwalbacher Grünen etwas weitergehen und den Stadtwald stärker als bisher der Natur überlassen. Sie haben dazu einen Änderungsantrag eingebracht, der vorsieht, dass die Planung um die Festlegung von stillgelegten Bereichen ergänzt wird. In diesen Bereichen sollen dann weder Bäume gefällt noch umgefallene Bäume abgeräumt werden. Auf die Freizeitnutzung hätte diese Maßnahme keinen Einfluss, die Zonen entlang der Wege würden in jedem Fall wie bisher gesichert.
„Viele Tier-, Pflanzen- und Pilzarten können ausschließlich in vermoderndem Holz existieren. Die Artenvielfalt wiederum verbessert die Anpassungsfähigkeit und Stabilität des Wald-Ökosystems und so seine Widerstandsfähigkeit gegen Klimaveränderungen“, begründet der Stadtverordnete Thomas Nordmeyer den Antrag. Es gebe im Schwalbacher Stadtwald Bereiche, die sich für eine Stilllegung in diesem Sinne anbieten.
Mit dem Vorstoß knüpfen die Schwalbacher Grünen an Vorschläge der Bundes- und der Landesregierung an. Das Bundesumweltministerium strebt an, bis 2020 mindestens fünf Prozent der Waldfläche ihrer natürlichen Entwicklung zu überlassen. Auf hessischer Ebene gibt es ähnlich lautende Zielsetzungen. „Mit Stilllegungen in Teilbereichen unseres Waldes leistet Schwalbach einen kleinen Beitrag zur Erreichung dieser sinnvollen Ziele“, sagt Thomas Nordmeyer.
Ein weiterer Punkt des Grünen Änderungsantrags sieht vor, dass Bereiche des Waldes als historische Waldbilder erhalten werden. Diesen Bereichen sieht man heute noch an, wie vergangene Generationen mit und vom Wald gelebt haben und erfordern einen speziellen Umgang, damit dies auch zukünftig erkennbar bleibt. red

 

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