7. November 2018

„Bonjour Tristesse“ - Lesung aus einem Roman, der in den 50er Jahren als unmoralisch galt

Wie aus einer anderen Zeit

Margot Comes trug Passagen aus dem Roman „Bonjour Tristesse“ von Francoise Sagan sehr einfühlsam vor. Foto: privat

Mitte Oktober lud der Arbeitskreis Städtepartnerschaft Schwalbach-Avrillé zu einer Buchvorstellung ein. Dieses Mal hatte die Referentin, Margot Comes, den Roman „Bonjour Tristesse“ von Francoise Sagan ausgewählt.

Viele der Anwesenden hatten dieses Buch in ihrer Jugend gelesen. Zuerst bekamen die Besucher eine Einführung in die Biografie der Schriftstellerin, ihre Kindheit im besetzten Frankreich, ihr wenig erfolgreiches Studium an der Sorbonne, ihr dafür umso interessanteres Nachtleben in Paris, ihre freundschaftlichen Beziehungen zu Sartre, Mitterand, Orson Welles und der Tochter von Francois Mauriac.
Mit einem schweren Autounfall begann ihre lebenslange Abhängigkeit von Opiaten. Ihr erfolgreiches Werk, bestehend aus Romanen, Theaterstücken und Ballettszenarien erlaubte ihr ein luxuriöses Leben, das jedoch immer wieder aus der Balance geriet durch Alkoholismus, Drogenmissbrauch und einer Serie von Todesfällen in ihrem Umfeld. Im September 2004 starb sie verarmt in Honfleur.
Ihre Romane verarbeiten Themen wie Langeweile, Einsamkeit und eine tief empfundene Melancholie, die ihr eigenes Leben kennzeichneten. Auch wenn ihre Fähigkeiten bei weitem nicht die der großen Romanciers des 19. Jahrhunderts erreichten, wurde sie dennoch nach ihrem Tod beispielsweise vom damaligen Staatspräsidenten Jacques Chirac gewürdigt wegen ihres genauen Bildes der französischen Gesellschaft ihrer Zeit. Ihre zentralen Themen finden sich schon in ihrem ersten Roman „Bonjour Tristesse“, den die Autorin mit 18 Jahren schrieb und der als skandalös empfunden wurde, da er eklatant gegen propagierte Wertvorstellungen verstieß.
Sehr einfühlsam las die Referentin Passagen aus Francoise Sagans Roman vor, die vielen Zuhörern ihre eigene Lektüre ins Gedächtnis rief. Aus heutiger Sicht und vor dem Hintergrund modernerer literarischer Texte junger Autoren blieb am Ende die Erkenntnis, wie sehr sich die Gesellschaft verändert hat und wie fern die moralischen und weltanschaulichen Provokationen Francoise Sagans heute erscheinen.
Am Ende dankte die Vorsitzende des AK Avrillé Monika Beck der Referentin Margot Comes mit einem Blumenstrauß. red

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