9. April 2019

Zahlreiche Besucher lauschten Dr. Wolfgang Metternichs Vortrag über Picassos Hauptwerk

„Guernica“

Monika Beck (rechts) bedankte sich im Namen der Kulturkreis GmbH und des Arbeitskreises Avrillé bei Dr. Wolfgang Metternich für den informativen und interessanten Vortrag über Picassos Werk „Guernica“. Foto: Kulturkreis

Am Mittwoch vergangener Woche referierte Dr. Wolfgang Metternich im Rahmen des Kulturprogramms des Arbeitskreises Avrillé über Picassos Werk „Guernica“. Der Raum 7+8 im Bürgerhaus war bis auf den letzten Platz gefüllt.

Für die Weltausstellung in Paris 1937 war Picasso im Vorfeld von der republikanischen spanischen Regierung gebeten worden, einen Beitrag für das Land zu leisten. Er entschied sich für das unpolitische Thema „Der Maler und sein Modell“.
Mit Beginn des Spanischen Bürgerkriegs und der Bombardierung und völligen Zerstörung Guernicas am 26. und 27. April 1937, einer baskischen Stadt bei Bilbao, durch die nationalsozialistische Legion Kondor und Mussolinis Corpo Truppe Volontarie, verwarf Picasso seinen ursprünglichen Plan und schuf innerhalb von fünf Wochen das monumentale 27 Quadratmeter große Werk „Guernica“. In Paris fand es seinen Platz dann in unmittelbarer Nähe zum deutschen Pavillon, sehr zum Leidwesen der nationalsozialistischen Presse, in der die Nachbarschaft zur entarteten Kunst Picassos beklagt wurde.
Anhand einer differenzierten Analyse der Entstehungsgeschichte des beeindruckenden Werkes erläuterte Wolfgang Metternich die sehr komplexe und überhaupt nicht eindeutig interpretierbare Bildsprache und Symbolik des Gemäldes. Picasso bediente sich dabei Darstellungen der Antike, des Mittelalters, der christlichen Religion und der zeitgenössischen Malerei ebenso wie der spanischen Tradition des Stierkampfes.
Wenn auch die Einzelmotive zum Teil ambivalent deutbar sind und auch heute noch sehr unterschiedlich interpretiert werden, gibt es, was die pazifistische Gesamtaussage des Werkes angeht, nicht den geringsten Zweifel. Konfrontiert mit dem Angriff auf die Zivilbevölkerung von Guernica, erklärte Picasso, dass ein engagierter Künstler sich nicht gleichgültig verhalten kann, wenn die höchsten Werte der Humanität und der Zivilisation auf dem Spiel stehen.
Anders als Salvador Dali, der zwar auch die Grausamkeit des Krieges darstellt, nie aber Abstand von Franco und seinem totalitären System nahm, verließ Picasso Spanien und war erst nach dem Ende der Regierung Francos mit der Rückkehr des Gemäldes nach Spanien einverstanden.
Die Besucher lauschten dem Vortrag konzentriert und waren gefesselt von den Darlegungen des Referenten. Wer das weltberühmte Meisterwerk selbst sehen möchte, muss sich auf die Reise nach Madrid ins Museo Reina Sofia begeben. red

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