25. Juni 2019

„Die Limesspatzen“ lasen aus dem Tagebuch des jüdischen Jugendlichen Mosche Flinker

Klassik gegen rechts

Hans-Joachim Übelacker (2.v.links) und Rainer Hauptmann lasen aus dem Tagebuch des jüdischen Jugendlichen Mosche Flinker und Anastasia Churbanova (rechts) umrahmte die Lesung musikalisch am Flügel. Schwester Karoline (links) aus Chile war wieder einmal zu Besuch in Schwalbach und nahm an der Lesung teil. Foto: Pabst

Trotz sommerlicher Temperaturen fanden sich gut 50 Menschen in der evangelischen Limesgemeinde ein, um die Tagebuchaufzeichnungen des holländischen Jugendlichen Mosche Flinker, der Opfer des Holocaust wurde, zu hören.

Eingeladen hatte das KulturNetzwerk „Cavalerotti“, unterstützt von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Main-Taunus (CJZ) und der Evangelischen Limesgemeinde Schwalbach. Günter Pabst, Vorstandsmitglied der CJZ, bedankte sich in seiner Begrüßung für dieses Engagement, als einen wichtigen Beitrag gegen den umsichgreifenden Antisemitismus und Fremdenhass.
Hans-Joachim Übelacker und Rainer Hauptmann von der Theatergruppe „Die Limesspatzen“ lasen die Texte aus dem Buch „Auch wenn ich hoffe. Das Tagebuch des Mosche Flinker“. Anastasia Churbanova unterstrich mit ihrem Spiel auf dem Flügel mit Werken von Brahms, Debussy, Chopin und Tschaikowsky die bedrückenden Texte und gab Raum, sie in sich wirken zu lassen.
Die Tagebuchaufzeichnungen von Mosche Flinker sind ein erschütterndes Dokument eines jüdischen Jugendlichen, der während des Krieges und der Verfolgung seine Gedanken festhielt. Hans-Joachim Übelacker und Rainer Hauptmann gaben seine Alltagserfahrungen wieder: „Die Fahrräder mussten abgegeben werden, Straßenbahnen durften nicht mehr benutzt werden und im Laufe des Jahres wurden wir gezwungen, ein Zeichen der Schmach auf der Brust zu tragen. Einen Davidstern, so groß wie eine Hand. Auf dem Stern stand in holländischer Sprache deutlich das Wort Jude.“
Neben weitsichtigen Überlegungen zur aktuellen politischen Situation ist der Text ein einziger Aufschrei an seinen Gott, zu verstehen, was mit seinem Volk passiert. Er träumt vom Weg nach Erez Israel, als einzige Möglichkeit, die eine Zukunft verheißt. Trotz aller Klagen, Fragen und Zweifel an Gott, warum er sein Volk nicht erlöse, will er den Glauben nicht aufgeben. „Gott hat uns an den gefährlichsten Abgründen entlanggeführt, quer durch die schlimmsten und härtesten Feuerproben. Den Glauben an ihn können wir nicht aufgeben. Dieser Glaube wird uns immer begleiten, bis wir durch ihn irgendwann den Sieg erringen dürfen.“ Im Januar 1945 wurde der 17jährige jüdische Junge im KZ Bergen-Belsen ermordet.
Pfarrerin Christine Gengenbach zog in ihren Dankesworten eine Parallele zu Anne Frank, die am 12. Juni 90 Jahre alt geworden wäre. Beide Schicksale seien Mahnungen, nicht nachzulassen gegen Antisemitismus, Menschenfeindlichkeit und rechtsextremer Gewalt einzutreten.
Begleitend zur Lesung wurden im Kirchenraum Bildvariationen zum Thema Holocaust aus der Wanderausstellung von Barbara Greul Aschanta und dem jüdischen Künstler Max Weinberg gezeigt. red

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