16. Juni 2020

Leserbrief

„Ein Schritt in eine humanere Gesellschaft“

Zum Kommentar „Verwechslungsgefahr“ in der Ausgabe vom 11. Juni erreichte die Redaktion nachfolgender Leserbrief von Prof. Herbert Swoboda. Leserbriefe geben ausschließlich die Meinung ihrer Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor. Wenn auch Sie einen Leserbrief veröffentlichen möchten, senden Sie ihn unter Angabe Ihrer vollständigen Adresse und einer Rückruf-Telefonnummer (beides nicht zur Veröffentlichung) an info@schwalbacher-zeitung.de.In den vergangenen „Schwalbacher Spitzen“ wird eine Verwechslungsgefahr zwischen Rassismus und Vorurteil thematisiert. Dazu meinen wir „Eulen“, dass die Definition von Rassismus denjenigen zusteht, die davon betroffen sind und die aus eigener Erfahrung wissen, wie Rassismus wirkt.
Als wir – „Die Eulen“ – unseren Antrag eingebracht haben, die Schwalbacher Ortsschilder mit dem Zusatz „Stadt gegen Rassismus“ zu versehen, geschah dies unter dem Eindruck der Morde in Hanau, wobei die Opfer ausschließlich aufgrund ihres Aussehens umgebracht wurden. Dies hat bei vielen potenziell Betroffenen zu Recht Angst ausgelöst, auch in Schwalbach.
Die Verwechslung besteht aber darin, dass sich nicht die normalen Passanten auf dem Mittelweg bedroht fühlen müssen, sondern die Frau mit dem Kopftuch und der „arabisch aussehende Jugendliche“ Angst entwickeln, möglicherweise das nächste Opfer zu sein. Dass jetzt aufgrund der öffentlich dokumentierten „Ermordung“ von George Floyd in Minneapolis durch vier Polizisten die Empörung über diese gnadenlose Untat auch auf Europa übergreift und zu Fragen, Diskussionen und Demos führt, konnten wir bei unserem Antrag nicht ahnen. Umso wichtiger ist es aber, eindeutig gegen den Rassismus Stellung zu beziehen.
Die neuen Schilder werden zwar bestehende Ängste und gegenseitige Vorurteile nicht auf einen Schlag ändern, sind aber ein Schritt in eine humanere Gesellschaft, in der sich jede und jeder angstfrei und gleichermaßen wertgeschätzt bewegen kann.
So ist es auch im Grundgesetz vorgesehen. Um die reale Umsetzung muss leider immer noch mit allen legalen Mitteln gekämpft werden. Prof. Herbert Swoboda, Schwalbach

 

Herbert Swoboda, Die Eulen,

Schwalbach

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.