15. September 2020

Umweltschutzbeauftragter informierte über städtische Streuobstwiesen

Ein vielfältiger Lebensraum

Während eines Spaziergangs über Schwalbachs Streuobstwiesen erklärte der Umweltschutzbeauftragte der Stadt, Burghard Haueisen (Mitte), die Bedeutung dieser städtischen Flächen. Foto: mag

Die Stadt Schwalbach besitzt 25 Streuobstwiesen mit insgesamt fast sechs Hektar Fläche. Deshalb lud der Umweltschutzbeauftragte der Stadt, Burghard Haueisen, am hessischen Nachhaltigkeitstag am vergangenen Donnerstag zu einem Spaziergang durch die städtischen Streuobstwiesen ein, um über diese Flächen zu informieren.

„Wir leben hier in einer Kulturlandschaft und versuchen, mit unseren Streuobstwiesen so viel Natur zu erhalten, wie es nur möglich ist“, erklärt Bürgermeister Alexander Immisch, der ebenfalls am Spaziergang teilnahm. Die Landschaft vom Main hin zum Taunus gliedert sich – entsprechend der abnehmenden Nährstoffe im Boden – in fruchtbare Felder, Streuobstwiesen und schließlich Wald. Die Obstbäume stehen auf mageren Wiesen mit wenigen Nährstoffen. Von der Stadt werden die Streuobstwiesen darüber hinaus auf Naturschutz und nicht auf Ertrag hin gepflegt.

„Die Streuobstwiesen werden nicht gespritzt, nicht gedüngt und auch nicht ‚aufgeräumt‘. Und fällt ein Ast vom Baum, so entsteht eine Höhle, die einen Nistplatz bietet“, weiß Burghard Haueisen. Streuobstwiesen schaffen somit einen vielfältigen Lebensraum: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hängt hier ehrenamtlich Nistkästen auf und führt Zählprojekte beispielsweise für Siebenschläfer und Gartenschläfer durch. „Mit Erfolg“, berichtet der städtische Umweltschutzbeauftragte freudig: „Drei Steinkauzpaare nisten in Schwalbach.“ Schon seit mehr als zwei Jahrzehnten erwirbt die Stadt deshalb fast jede Streuobstwiese, die ihr zum Kauf angeboten wird.

Für den Umweltschutzbeauftragten wurde es in den vergangenen Jahren jedoch schwieriger, einen Landwirt oder eine andere fachlich versierte Person zu finden, die in der Lage ist, die Streuobstwiesen zu pflegen. Die Obstbäume brauchen einen fachgerechten Schnitt, und wenigstens einmal im Jahr, höchstens zweimal, muss die Wiese gemäht werden. Dafür gibt es dann die Äpfel: Für das Kelterobst zahlt eine bekannte Kelterei in diesem Herbst zehn Euro für hundert Kilo Kelteräpfel.

Burghard Haueisen weist darauf hin, dass auch städtische Wiesen einen Eigentümer haben und dass man sich nicht einfach die Äpfel vom Baum holen kann. Dabei werde oft sogar noch größerer Schaden angerichtet, beispielsweise für ein paar Äpfel ganze Äste abgerissen. „Sollte die Stadt einmal aufhören, die Streuobstwiesen zu pflegen, so wäre es mit der Kulturlandschaft bald vorbei. Denn die Natur holt sich die Fläche zurück, mit Gebüsch und kleineren Bäumen, die dann hier wachsen“, erklärte der Umweltschutzbeauftragte. red

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