15. Oktober 2020

Die Buchtipps der Schwalbacher Zeitung

Lesestoff

Zu unseren drei Buchtipps gehören diesmal die Romane „Es wird wieder Tag“ von Minka Pradelski und „Flexen in Miami“ von Joshua Groß, sowie das Bilderbuch „Hey Frosch!“.


„Es wird wieder Tag“

Deutschland nach 1945: Klara und Leon haben überlebt – mit der Geburt ihres Sohnes Bärel wollen sie die Erinnerungen an Lager, Flucht und Verfolgung hinter sich lassen und ein neues Leben beginnen. Doch eine erschütternde Begegnung zwingt Klara, die dunklen Kapitel erneut aufzuschlagen.

Eisblumen am Fenster sind der einzige Schmuck bei der Trauung von Klara und Leon Bromberger im Januar 1946. Eine Feier ohne Familie, Klara und Leon sind die einzigen Überlebenden, nur eine goldene Armbanduhr ist als Andenken geblieben. Mit der Geburt ihres Sohnes Bärel – er ist das erste jüdische Kind seit Kriegsende, das in Frankfurt in einem katholischen Krankenhaus geboren wird – soll die Zeit endlich vorwärts laufen. Doch dann, bei einem Spaziergang im Park, trifft es Klara wie ein Schlag: In einer kleinen, sichtlich schwangeren Frau erkennt sie Liliput, ihre ehemalige Oberaufseherin im KZ. Klara steht unter Schock, hört auf zu sprechen und Bärel zu versorgen. Ihr Mann ist verzweifelt, er sieht nur einen Ausweg: „Schreibe, Klara, schreibe. Bann das Böse auf Papier! Fessele es mit deinen Worten!“

Und Klara wagt den Blick in den Abgrund, zurück ins Leben. Sie schreibt: über das elegante Schuhgeschäft ihres Vaters, die hübsche Pescha, das Ghetto Zamość und den hastigen Abschied von ihren Eltern, die Flucht, die seltsam blitzenden Augen der alten Piasecki, die verführerisch schöne Hanka und ihre Arbeit im Kasino in Radom, der Höhle des Löwen, über das Lager und Marthas glockenhelles, unvergessliches Ave-Maria – und über die zierliche, eiskalte Oberaufseherin mit der Kinderstimme, die sie Liliput nannten.

In „Es wird wieder Tag“ erzählt Minka Pradelski die zutiefst tragische und berührende Geschichte von Klara, verbindet sie mit Bärels ebenso allwissendem wie frechem Säuglingsblick auf die Welt und dem rauen, zupackenden Temperament Leon Brombergers zu einem bewegenden Panorama. Kenntnisreich und mit viel Feingefühl leuchtet Pradelski die Zwischenwelt aus, in der sich ihre Figuren in der Nachkriegszeit befinden: Dem Tod genauso nah wie dem Leben, ringen sie um eine Zukunft. 

Minka Pradelski: „Es wird wieder Tag“
Frankfurter Verlagsanstalt, 2020. 384 Seiten, 24 Euro.


„Flexen in Miami“

Eine Geschichte von Liebe und Technik, von Identität und Games, von Quallen, Menschen, Drohnen und Avataren – und den unzähligen Möglichkeiten, wie diese einander begegnen oder sich verfehlen können.
Auf Einladung der Rhoxus Foundation verschlägt es den Erzähler Joshua nach Miami. Dort findet er sich in einem smarten Apartment wieder: Geld und Astronautennahrung werden von einer Drohne geliefert, die Temperatur automatisch reguliert, der Kühlschrank ist sein einziger Gesprächspartner. Das Computerspiel „Cloud Control“ bietet die einzige Abwechslung, es speist sich in Echtzeit aus den Daten der Gamer.

Bei einem NBA-Spiel trifft Joshua die Meeresbiologin Claire, und die beiden reisen nach wenigen Wochen nach Nassau, wo Claire ihm eröffnet, dass sie schwanger ist, jedoch offen lässt, ob das Kind von ihm ist. „Flexen in Miami“ ist eine Liebesgeschichte, die auf vielfachen Ebenen danach fragt, woher wir wissen können, dass wir da sind, und wie wir einander begegnen können: als Menschen oder Avatare, im Leben genauso wie in der Cloud. In seinem lang erwarteten Roman erzählt Joshua Groß von den diversen Einkerbungen, Traps, Glitches und Unsicherheiten in der Realität, die wir unsere Gegenwart nennen.

Joshua Groß: „Flexen in Miami“
Matthes & Seitz Verlag, 2020. 199 Seiten, 20 Euro.


„Hey Frosch!“

Die Katze verbannt den trotzigen Frosch auf einen Holzklotz. Das scheint ihm aber nicht sehr gemütlich und so schlägt er zahlreiche Alternativen vor, worauf er bequemer sitzen könnte. Doch jedes Mal erklärt die Katze: Dieser Platz ist schon besetzt! So entwickelt sich ein irrwitziger Dialog, in dem die verschiedensten Tiere auf den unmöglichsten Sitzgelegenheiten Platz nehmen. Mit viel Sprachwitz, lustigen Bildern und Reimen zum Mitsprechen ist dieses Buch ein Vorlesespaß für die ganze Familie.

Kes Gray & Jim Field: „Hey Frosch!“
Magellan Verlag, 2020. 32 Seiten, 14 Euro.
Altersempfehlung: ab 3 Jahren

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