25. März 2021

Lesestoff

In ihrem ersten Roman „Identitti“ begibt sich Mithu M. Sanyal auf eine mehr als aktuelle Identitätssuche. Das Sachbuch „Konsum – Warum wir kaufen, was wir nicht brauchen“ von Trendforscher Carl Tillessen beschäftigt sich mit der Zukunft des Konsums. Experten erklären in „What the fact!?“, wie wir uns gegen den allgegenwärtigen Populismus wappnen können.

 

„Identitti“

Was für ein Skandal: Prof. Dr. Saraswati ist weiß! Schlimmer geht es nicht. Denn die Professorin für „Postcolonial Studies“ in Düsseldorf war eben noch die Übergöttin aller Debatten über Identität – und beschrieb sich als „Person of Colour“.

Als würden Sally Rooney, Beyoncé und Frantz Fanon zusammen „Sex Education“ gucken, beginnt damit eine Jagd nach „echter“ Zugehörigkeit. Während das Netz Saraswati hetzt und Demos ihre Entlassung fordern, stellt ihre Studentin Nivedita ihr intimste Fragen. Mithu Sanyal schreibt mit Selbstironie und befreiendem Wissen. Den Schleudergang dieses Romans verlässt niemand, wie er*sie ihn betrat.

Mithu Sanyal wurde 1971 in Düsseldorf geboren und ist Kulturwissenschaftlerin, Autorin, Journalistin und Kritikerin. 2009 erschien ihr Sachbuch „Vulva. Das unsichtbare Geschlecht“, 2016 „Vergewaltigung. Aspekte eines Verbrechens“.

Mithu M. Sanyal: „Identitti“
Hanser Verlag, 2021. 432 Seiten, 22 Euro.

 

„Konsum – Warum wir kaufen, was wir nicht brauchen“

Die Pandemie hat uns vorübergehend auf einen kalten Konsum-Entzug gesetzt. Doch sie hat uns nicht geheilt. Wir kaufen einfach immer weiter – auch Dinge, die wir eigentlich nicht brauchen. Was treibt uns dazu? Und was verändert sich gerade?

Trendforscher Carl Tillessen nimmt uns mit hinter die Kulissen einer globalen Maschinerie, deren Erfolg vor allem auf Manipulation und Ausbeutung basiert. Stück für Stück seziert er die psychologischen Mechanismen, die bei uns immer wieder greifen – und schärft dabei unser Bewusstsein: für unsere eigentlichen Bedürfnisse, aber auch für die Bedingungen, unter denen unsere Smartphones und Sneaker entstehen. Denn der Preis, den die Natur und die Menschen in den Produktionsländern für unseren Hyperkonsum zahlen, ist hoch. Doch nie war die Chance, daran etwas zu ändern, so groß wie heute.

„Die Frage nach dem Brauchen ist nebensächlich geworden. Das bloße Wollen hat sich zum Motor unserer Wirtschaft entwickelt. Ein Nutzen ist nicht mehr die Voraussetzung für den Erfolg eines Produktes. Im Gegenteil: Ein nützliches Produkt macht uns bestenfalls zufrieden. Aber erst das, was über den Nutzen hinausgeht, der Luxus, macht uns glücklich. Ein Staubsaugerbeutel macht uns keine Freude, eine Duftkerze schon.“

Carl Tillessen ist studierter Betriebswirt und Kunsthistoriker. 1997 gründete er das Berliner Modelabel FIRMA. Als Kreativdirektor und Geschäftsführer entwickelte er nicht nur 17 Jahre lang die Kollektion, die weltweit vertrieben wurde und zahlreiche Preise gewann, sondern auch sechs eigene Läden, einen Onlineshop und eine Kosmetiklinie. Heute arbeitet Tillessen als Trendanalyst für das Deutsche Mode-Institut und berät renommierte Firmen aus der Luxusbranche in Einzelhandelsfragen. „Konsum“ ist sein erstes Buch, in dem er der Frage nachgeht, wie, wo und vor allem warum wir kaufen. Carl Tillessen lebt in Berlin.

Carl Tillessen: „Konsum – Warum wir kaufen, was wir nicht brauchen“
HarperCollins Verlag, 2020. 224 Seiten, 15 Euro.

 

„What the fact!?“

Dieses Buch führt uns vor Augen, dass die gefühlte Wahrheit oft nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat – und erklärt, wie Vorurteile, Fake News und Information Overload unseren Blick auf die Welt verzerren.

Wie gefährlich ist der Coronavirus wirklich? Ist die Jugendkriminalität in den letzten Jahren gestiegen? Wie viel muss man verdienen, um zu den reichsten 10 Prozent der Deutschen zu zählen?

Die meisten Menschen meinen, die Antworten auf solche Fragen zu kennen– und liegen oft völlig falsch. Wie kommt das? Und warum sind Fake News und Desinformationskampagnen gerade im überinformierten 21. Jahrhundert so erfolgreich?

Dieses Buch macht den Reality Gap zwischen Meinungen und Fakten sichtbar: Indem es uns in Form von verblüffenden Infografiken Fragen stellt – und auf der Folgeseite die überraschenden Antworten liefert. Experten wie der Correctiv-Gründer David Schraven, die Journalistin Kübra Gümüşay und der Politikwissenschaftler Bobby Duffy erklären, wie unsere Fehleinschätzungen zustande kommen – und wie wir uns gegen Fake News und Vorurteile wehren können. „What the fact!?“ schärft unseren Sinn für Wahrheit und hilft, populistischer Meinungsmache zu begegnen.

Ole Häntzschel & Tobias Moorstedt (Hrsg.): „What the fact!?“
Übersetzt von Max Stadler und Ursel Allenstein
Hoffmann und Campe Verlag, 2020. 208 Seiten, 26 Euro.

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