10. Juni 2021

Lesestoff

Die portugiesische Autorin Dulce Maria Cardoso führt uns in „Die Rückkehr“ in eine historische Epoche, die in Deutschland kaum wahrgenommen wurde. Jenny Offill liefert in ihrem neuen Roman „Wetter“ eine unbeschönigte Betrachtung des amerikanischen Alltags. In ihrer Kinderbuchreihe „Little People, Big Dreams“ widmet sich María Isabel Sánchez Vegara diesmal Audrey Hepburn.

 

„Die Rückkehr“

Rui, ein portugiesischer Jugendlicher, sitzt gemeinsam mit seiner Familie in einem Haus in Luanda, der Hauptstadt von Angola, und wartet darauf, dass der Onkel kommt, um sie zum Flughafen zu bringen. Alle anderen Häuser in der Umgebung stehen entweder leer oder sind bereits von neuen, dunkelhäutigen Nachbarn besetzt worden.

Wir schreiben das Jahr 1975. Draußen sind Schüsse zu hören, der Onkel verspätet sich, und dann taucht ein Jeep der Befreiungsarmee auf und die Dinge nehmen einen katastrophalen Verlauf.

In ihrem Bestseller erzählt Dulce Maria Cardoso meisterhaft durch die Augen von Rui ihre eigene Geschichte als Flüchtling aus den verlorenen Kolonien und die Ankunft in einem von der Nelkenrevolution erschütterten Portugal. Sie zeigt uns gewöhnliche Menschen, deren Sicht auf die Welt von ebenso radikalen wie unbewussten Vorurteilen geprägt ist, und sie tut es auf eine sensible und äußerst eindringliche Weise.

Ein Buch wie ein Rausch, an dessen Ende man ein wenig erleichtert und zutiefst berührt ist. Vor allem aber hat man eine historische Epoche erlebt, die in Deutschland kaum wahrgenommen wurde.

Die 1964 geborene Dulce Maria Cardoso zog mit sechs Monaten gemeinsam mit ihrer Mutter zum Vater nach Luanda in Angola. Von dort kehrte sie elf Jahre später zu Beginn des Bürgerkrieges nach Portugal zurück. Mit 14 Jahren beschloss sie zu schreiben, studierte zunächst aber Jura. Sie wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter 2009 der Literaturpreis der Europäischen Union. 2011 war sie Stipendiatin der Villa Concordia in Bamberg. „Die Rückkehr“ war ihre fünfte Veröffentlichung und ihr Durchbruch als Schriftstellerin.

Dulce Maria Cardoso: „Die Rückkehr“
Übersetzt von Steven Uhly
Secession Verlag, 2021. 255 Seiten, 24 Euro.

 

„Wetter“

Lizzie Benson, Bibliothekarin mit Hang zu apokalyptischen Gedanken, geht seit Jahren ihrer Berufung als Amateur-Psychologin nach: Sie kümmert sich um ihren Ex-Junkie-Bruder und ihre gottesfürchtige Mutter. Dieses Talent ist auch gefragt, als ihre alte Mentorin Sylvia Liller ihr einen Vorschlag unterbreitet: Lizzie soll die Fanpost zu ihrem alarmistischen Podcast „Hölle und Hochwasser“ beantworten.

So stürzt sie sich in die Auseinandersetzung mit besorgten Linken, die die Klimakatastrophe kommen sehen, ebenso wie mit den Ultrakonservativen und deren Sorge um den Untergang der westlichen Zivilisation. Wie aber, fragt Lizzie sich immer häufiger, kann sie ihren privaten Garten wässern, wenn die ganze Welt in Flammen steht?

Jenny Offill, geboren 1968, lebt in New York, unterrichtet Kreatives Schreiben und schreibt Kurzgeschichten, Kinderbücher und Artikel u. a. für die Washington Post. „Amt für Mutmaßungen“, ihr zweiter Roman, wurde in den USA und auch in Deutschland hymnisch besprochen, erhielt den Ellen Levine Award und wurde von der New York Times unter die zehn besten Bücher des Jahres 2014 gewählt.

Jenny Offill: „Wetter“
Übersetzt von Melanie Walz
Piper Verlag, 2021. 224 Seiten, 20 Euro.

 

„Audrey Hepburn – Little People, Big Dreams“

Audrey wuchs in den Niederlanden auf und wollte Ballerina werden. Dann brach der Krieg aus, und sie hatte wenig zu essen und war sehr schwach. Kaum war der Krieg vorbei, ging sie nach London und tanzte in Musicals. Im Handumdrehen wurde sie zum Hollywood-Star, bekam viele Preise und wurde von allen geliebt und verehrt. Aber am allerwichtigsten war ihr immer das Wohl der Kinder dieser Welt, für die sie sich ihr Leben lang einsetzte.

María Isabel Sánchez Vegara ist die Autorin und Schöpferin weltweit erfolgreichen Serie „Little People, Big Dreams“. Sie wuchs in den 1970er Jahren in Barcelona auf, mit Heldinnen wie Pippi Langstrumpf, Momo und Tinker Bell. Und der spanischen Dichterin Gloria Fuertes. Eines Tages wollte Sánchez Vegara auch eine Dichterin werden, genau wie sie.

Es kostete María Isabel Sánchez Vegara fast 40 Jahre ihres Lebens und so gut wie all ihre Ersparnisse, um ihren Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Nachdem sie 20 Jahre in der Werbebranche gearbeitet hatte, publizierte sie 2012 ihr erstes Buch im Selbstverlag. Zwei Jahre später veröffentlichte sie ein Buch, das eigentlich als Geburtstagsgeschenk für ihre Zwillingsnichten Alba und Claudia gedacht war – und zum ersten Band der heute zahlreiche Bände umfassenden und überall beliebten Kinderbuchserie „Little People, Big Dreams“ wurde.

María Isabel Sánchez Vegara: „Audrey Hepburn – Little People, Big Dreams“
Übersetzt von Svenja Becker
Insel Verlag, 2021. 32 Seiten, 13,95 Euro.

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