24. Juni 2021

Lesestoff

„Levys Testament“ von Ulrike Edschmid ist eine Zeitreise durch das linke Europa der 1970er Jahre. Im Mittelpunkt von Shida Bazyars neuem Roman „Drei Kameradinnen“ stehen drei junge Frauen, die zusammenstehen, egal was kommt. In charmanten Reimen erzählen Rachel Bright und Chris Chatterton in „Der Sorgosaurus“ eine Mutmach-Geschichte für Kinder ab 3 Jahren.

 

„Levys Testament“

In Berlin haben sie sich kennengelernt, in London werden sie ein Paar. Ihre Tage verbringen sie im Gerichtssaal des Old Bailey, um Anarchisten zu unterstützen, denen drakonische Haftstrafen drohen. Streiks, Hausbesetzungen, Anschläge der IRA und die harten Reaktionen der Regierung bestimmen den Alltag im Winter 1971. Schwerelos wie im Traum erkunden die beiden die Stadt. Über seine jüdische Familie weiß der Engländer (wie die Erzählerin den Gefährten nennt) nur wenig zu sagen. Jahrzehnte später, ihre Trennung liegt lange zurück, kommt der Engländer einem Familiendrama auf die Spur. Sie führt zurück ins Old Bailey: 1924, ein spektakulärer Betrugsfall, angeklagt Levy, sein Urgroßvater.

Der rastlosen Suche des anderen folgend, sie mit ihren Fragen vorantreibend, stößt die Erzählerin auf das unergründliche Wirken der Geschichte, welche die entlegensten Episoden unseres Lebens miteinander verknüpft. Der leise, nüchterne, unerbittliche Ton macht Ulrike Edschmids Romane unverwechselbar. In „Levys Testament“ verwandelt sich die Liebende in eine Chronistin und die Intimität des Gefühls in ein Instrument der Erkenntnis.

Ulrike Edschmid, 1940 in Berlin geboren, studierte Literaturwissenschaft sowie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. 2013 erhielt sie den Grimmelshausen-Preis, 2014 den Cotta-Preis und den Preis der SWR-Bestenliste für ihr Lebenswerk.

Ulrike Edschmid: „Levys Testament“
Suhrkamp Verlag, 2021. 144 Seiten, 20 Euro.

 

„Drei Kameradinnen“

In ihrem neuen Roman erzählt Shida Bazyar voller Wucht und Furor von den Spannungen und Ungeheuerlichkeiten der Gegenwart – und von drei jungen Frauen, die zusammenstehen, egal was kommt. Seit ihrer gemeinsamen Jugend in der Siedlung verbindet Hani, Kasih und Saya eine tiefe Freundschaft. Nach Jahren treffen die drei sich wieder, um ein paar Tage lang an die alten Zeiten anzuknüpfen. Doch egal ob über den Dächern der Stadt, auf der Bank vor dem Späti oder bei einer Hausbesetzerparty, immer wird deutlich, dass sie nicht abschütteln können, was jetzt so oft ihren Alltag bestimmt: die Blicke, die Sprüche, Hass und rechter Terror. Ihre Freundschaft aber gibt ihnen Halt. Bis eine dramatische Nacht alles ins Wanken bringt.

Shida Bazyar zeigt in aller Konsequenz, was es heißt, aufgrund der eigenen Herkunft immer und überall infrage gestellt zu werden, aber auch, wie sich Gewalt, Hetze und Ignoranz mit Solidarität begegnen lässt. „Drei Kameradinnen“ ist ein aufwühlender, kompromissloser und berührender Roman über das außergewöhnliche Bündnis dreier junger Frauen – und das einzige, das ein selbstbestimmtes Leben möglich macht in einer Gesellschaft, die keine Andersartigkeit duldet: bedingungslose Freundschaft.

Shida Bazyar, geboren 1988 in Hermeskeil, studierte Literarisches Schreiben in Hildesheim und war, neben dem Schreiben, viele Jahre in der Jugendbildungsarbeit tätig. Ihr Debütroman „Nachts ist es leise in Teheran“ erschien 2016 und wurde u.a. mit dem Bloggerpreis für Literatur, dem Ulla-Hahn-Autorenpreis und dem Uwe-Johnson-Förderpreis ausgezeichnet und in mehrere Sprachen übersetzt.

Shida Bazyar: „Drei Kameradinnen“
Kiepenheuer & Witsch Verlag, 2021. 352 Seiten, 22 Euro.

 

„Der Sorgosaurus“

Der kleine Sorgosaurus hat einen tollen Ausflug geplant. Doch schon nach ein paar Schritten tauchen die ersten Sorgen in seinem Kopf auf: Was, wenn er nicht genug Essen dabei hat? Oder es anfängt zu regnen? Wie so oft macht sich der kleine Sorgosaurus zu viele Gedanken. Aber dann stellt er fest, wie schön ein Tag werden kann, wenn man seinen Ängsten mutig begegnet.

Rachel Bright und Chris Chatterton vermitteln in ihrem Bilderbuch zum Vorlesen eine wichtige Botschaft: Jeder kann sich selbst Mut machen und seine Ängste überwinden.

Rachel Bright ist Autorin, Illustratorin, Grafikerin und überzeugte Optimistin. Sie hat bereits zahlreiche Kinderbücher geschrieben und illustriert. Bright lebt mit ihrem Lebensgefährten und ihrer kleinen Tochter auf einem Bauernhof an der Küste Englands.

Chris Chatterton begann seine beruflichen Tätigkeiten im Bereich Grafikdesign und Animation und arbeitete an einer Vielzahl von Projekten mit, darunter die britische Serie Dr. Who. Seine Leidenschaft für Illustration führte ihn dann zu einer Karriere als freischaffender Künstler. Chatterton lebt und arbeitet im Keller-Atelier seines Hauses in Newcastle Upon Tyne und hat bereits eine Reihe von Kinderbüchern illustriert.

Rachel Bright & Chris Chatterton: „Der Sorgosaurus“
Übersetzt von Pia Jüngert
Magellan Verlag, 2021. 32 Seiten, 14 Euro.

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