22. Juli 2021

Die Buchtipps der Schwalbacher Zeitung

Lesestoff

Der Roman „Sturmvögel“ von Manuela Golz ist vom Leben ihrer Großmutter Emmy inspiriert. Das neue Buch von Sebastian Fitzek „Der erste letzte Tag“ ist diesmal kein Thriller, sondern die fröhliche, herrlich verrückte Geschichte von Livius Reimert, der auf Lea von Arnim trifft. „Inseln. Die Kartierung einer Sehnsucht“ von Gavin Francis spielt mit den Gegenpolen von Ruhe und Bewegung, Unabhängigkeit und Verbundenheit, die nie relevanter waren als in unserer heutigen, permanent vernetzten Welt.

 

„Sturmvögel“

Emmys Leben umspannt fast ein ganzes Jahrhundert. Ihre Kindheit auf einer kleinen Nordseeinsel ist geprägt von Ebbe und Flut und von ihrer verbitterten Großmutter Alma, die Schulpflicht für Unsinn hält.

Als der Erste Weltkrieg ausbricht, ist Emmys Schullaufbahn ohnehin beendet, noch bevor sie richtig begonnen hat. Alles, was ihr bleibt, ist ein Leben als Dienstmädchen im Tollhaus der Zwanzigerjahre: Berlin. Schnell lernt sie Hauke, einen Sohn aus reichem Hause, kennen. Der „eingebildete Fatzke“ zeigt ihr das Leben und so einiges mehr.

Es folgen drei Kinder und die harten Jahre des Zweiten Weltkriegs. Doch Emmy bietet dem Schicksal die Stirn und verliert nie den Humor. Und jetzt, im reifen Alter von sechsundachtzig, schon gar nicht.

Bis ihre erwachsenen Kinder auf mysteriöse Aktenordner im Keller stoßen, und zu ahnen beginnen, dass Emmy womöglich nie das naive Mädchen von der Insel gewesen ist, für das sie immer gehalten wurde. Könnte es tatsächlich sein, dass ihre Mutter auf einem Vermögen sitzt? Die beiden Ältesten lassen bereits die Sektkorken knallen. Aber noch hat Emmy ein Wörtchen mitzureden.

Manuela Golz, geboren 1965, studierte Germanistik, Erziehungswissenschaften und Psychologie. Sie lebt in Berlin und arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Psychotherapeutin. 2006 debütierte sie mit „Ferien bei den Hottentotten“ als Autorin. Ihr neuer Roman „Sturmvögel“ ist vom Leben ihrer Großmutter Emmy inspiriert.

Manuela Golz: „Sturmvögel“
Dumont Verlag, 2021. 336 Seiten, 22 Euro.

 

„Der erste letzte Tag“

Livius Reimer macht sich auf den Weg von München nach Berlin, um seine Ehe zu retten. Als sein Flug gestrichen wird, muss er sich den einzig noch verfügbaren Mietwagen mit einer jungen Frau teilen, um die er sonst einen großen Bogen gemacht hätte. Zu schräg, zu laut, zu ungewöhnlich – mit ihrer unkonventionellen Sicht auf die Welt überfordert Lea von Armin Livius von der ersten Sekunde an. Bereits kurz nach der Abfahrt lässt Livius sich auf ein ungewöhnliches Gedankenexperiment von Lea ein – und weiß nicht, dass damit nicht nur ihr Roadtrip einen völlig neuen Verlauf nimmt, sondern sein ganzes Leben.

Sebastian Fitzek, geboren 1971, ist Deutschlands erfolgreichster Autor. Seit seinem Debüt „Die Therapie“ (2006) ist er mit allen Romanen ganz oben auf den Bestsellerlisten zu finden. Mittlerweile erscheinen seine Bücher in sechsunddreißig Ländern und sind Vorlage für internationale Kinoverfilmungen und Theateradaptionen. Als erster deutscher Autor wurde Sebastian Fitzek mit dem Europäischen Preis für Kriminalliteratur ausgezeichnet und 2018 mit der 11. Poetik-Dozentur der Universität Koblenz-Landau geehrt. Er lebt in Berlin.

Sebastian Fitzek: „Der erste letzte Tag“
Droemer Knaur Verlag, 2021. 272 Seiten, 16 Euro.

 

„Inseln. Die Kartierung einer Sehnsucht“

Inseln üben seit jeher eine besondere Faszination und Anziehung auf uns aus. Sie können Orte der Ruhe und Entspannung sein. Heilige oder heilende Orte. Isolation im besten oder schlechtesten Sinne. Wir verbinden sie mit berühmten Entdeckern wie Charles Darwin oder Christoph Kolumbus und durch Romane wie „Robinson Crusoe“ oder „Die Schatzinsel“ mit Abenteuern und Gefahren, Sehnsucht und Einsamkeit.

All diesen und weiteren Facetten des Insellebens geht Gavin Francis nach. Dabei wirft er philosophische und psychologische Fragen auf und greift sowohl auf die großen Reiseerzählungen der Literatur als auch auf seine eigenen Erfahrungen als Inselbewohner und -reisender zurück. Er führt uns nach Treasure Island und zu den fernen Galapagosinseln, erzählt von seiner Zeit als Leuchtturmwärter auf der kleinen schottischen Isle of May – und von dem Spagat, sein Verlangen nach Selbstbestimmtheit mit dem Leben als Arzt und Familienvater zu vereinen.

Gavin Francis, geboren 1975 in der schottischen Grafschaft Fife, ist Autor und praktischer Arzt. Nach seiner Approbation erkundete er auf ausgedehnten Reisen alle Kontinente. Er hat vier Sachbücher verfasst, darunter den Sunday-Times-Bestseller „Adventures in Human Being“ und „Empire Antarctica“, das 2013 auf Deutsch erschienen ist.

Gavin Francis: „Inseln. Die Kartierung einer Sehnsucht“
Übersetzt von Sofia Blind
DuMont Verlag, 2021. 256 Seiten, 28 Euro.

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