29. Juli 2021

Die Buchtipps der Schwalbacher Zeitung

Lesestoff

Klaus Modick verfolgt in seinem Roman „Fahrtwind“ die Spuren eines Taugenichts. Robin Alexanders neues Buch „Machtverfall“ zeigt auf, wie nah in der Politik der unbedingte Wille zur Macht und die Machtlosigkeit beieinander liegen. Franziska Consolati präsentiert in ihrem Reisebuch „In Deutschland um die Welt“ exotische Reiseerlebnisse (fast) vor der Haustür.

 

„Fahrtwind“

In seinem neuen Roman erzählt Klaus Modick von einer Zeit der Umbrüche, von einem jungen Mann, der sich weigert, nützlich zu sein, und seinem abenteuerlichen Roadtrip ins Offene und Ungewisse.

Die Bundesrepublik in den turbulenten Siebzigern. Während an den Universitäten die Revolution geprobt und bundesweit nach den Mitgliedern der RAF gefahndet wird, sitzt ein junger Mann vor dem muffig-engen Elternhaus und trifft eine Entscheidung. Er packt ein paar Sachen, greift seine Gitarre und geht. Wenig später steht er an der Straße und reckt den Daumen in den Wind. Ohne Geld und Plan schlägt sich der selbsternannte Nichtsnutz über Wien und die Toskana nach Süden durch, trifft auf schräge Vögel, hoffnungslose Romantiker, zwielichtige Rocker, Hippies und die große Liebe, spielt als Troubadour im Batikshirt groß auf, entdeckt die magische Welt der Pilze, das unvergleichliche Licht Italiens und die unermessliche Freiheit der Straße. Unfreiwillig wird er dabei zum Protagonisten eines raffiniert eingefädelten Verwirrspiels, das die Grenze zwischen Tag und Traum auf märchenhafte Weise verschwimmen lässt.

Klaus Modick, geboren 1951, studierte in Hamburg Germanistik, Geschichte und Pädagogik, promovierte mit einer Arbeit über Lion Feuchtwanger. Seit 1984 ist er freier Schriftsteller und Übersetzer und lebt nach diversen Auslandsaufenthalten und Dozenturen wieder in seiner Geburtsstadt Oldenburg. Für sein umfangreiches Werk wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Nicolas-Born-Preis, dem Bettina-von-Arnim-Preis, dem Rheingau Literatur Preis und zuletzt dem Hannelore-Greve-Preis. Zudem war er Stipendiat der Villa Massimo sowie der Villa Aurora. Zu seinen erfolgreichsten Romanen zählen „Der kretische Gast“ (2003), „Sunset“ (2011), „Konzert ohne Dichter“ (2015) und „Keyserlings Geheimnis“ (2018).  Zuletzt erschien „Leonard Cohen“ (2020).

Klaus Modick: „Fahrtwind“
Kiepenheuer & Witsch Verlag, 2021. 208 Seiten, 20 Euro.

 

„Machtverfall“

Zum Ende ihrer Amtszeit hat Angela Merkel ihre wohl größte Herausforderung zu bestehen. Doch die Kanzlerin, die in Notsituationen oft zur Hochform aufgelaufen ist, gerät in dieser Krise an die Grenzen ihrer Autorität. Die Pandemie, so Robin Alexander, ist dabei nur ein weiteres, spektakuläres Kapitel in einem noch größeren Drama: dem Ende einer ganzen Ära.

In seinem neuen Buch erzählt der Bestsellerautor die Geschichte hinter den Kulissen: vom harten, langen Kampf in den inneren Machtzirkeln der Republik und vom Showdown um Merkels Nachfolge, der die Union fast zerreißt.

Robin Alexander, geboren 1975, hat sich als politischer Reporter und Kolumnist im politischen Berlin einen Namen gemacht. Er war Redakteur bei der „taz“ und Reporter bei „Vanity Fair“, bevor er 2008 zur „Welt“-Gruppe wechselte. 2013 wurde er mit dem renommierten Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet. Seit 2019 ist er stellvertretender Chefredakteur Politik der „Welt“. Sein Buch „Die Getriebenen. Merkel und die Flüchtlingspolitik“ stand wochenlang an der Spitze der Bestsellerliste und bildet die Grundlage für das gleichnamige ARD-Dokudrama, das 2020 ein Millionenpublikum erreichte. Robin Alexander lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Berlin.

Robin Alexander: „Machtverfall“
Siedler Verlag, 2021. 384 Seiten, 22 Euro.

 

„In Deutschland um die Welt“

Mit dem Fernglas zwischen Sträuchern am funkelnden Nachthimmel nach Sternbildern suchen, mit der Sauerstoffflasche auf dem Rücken durch Höhlen tauchen und dick in den Schlafsack eingewickelt in einem Iglu übernachten. Afrika, Nordamerika, Asien, Arktis? Nein, Deutschland.

Gänsehautmomente haben viel weniger mit Ländernamen und Reisezeiten zu tun als mit Abenteuern, die uns zum Staunen bringen. Franziska Consolati präsentiert Ihnen exotische Reiseerlebnisse (fast) vor der Haustür – praktisch sortiert nach den Kontinenten, in denen Sie danach suchen würden.

Franziska Consolati, 1993 in Weilheim als Franziska Bär geboren, ist Autorin und Abenteurerin. Eine ihrer ersten Reisen nach ihrem 18. Geburtstag führte sie mit Beduinen durch die Sahara – irgendwo dort in den Sanddünen hat sie ihr Herz an das Reisen verloren.

Seitdem bereist sie die Welt auf der Suche nach authentischen Begegnungen mit fremden Kulturen und echter Wildnis. Mit ihren Geschichten hat sie bereits zweimal den Autorenwettbewerb des Reiseblogs „The Travel Episodes“ und von „Malik National Geographic“ gewonnen. 2019 veröffentlichte sie unter dem Namen Franziska Bär bei Conbook die Reiseerzählung „Ins Nirgendwo, bitte!“ über ihre Wanderung durch die Mongolei. Ihren Reise- und Lebensgefährten Felix hat sie inzwischen geheiratet und lebt mit ihm in Rosenheim.

Franziska Consolati: „In Deutschland um die Welt“
Conbook Verlag, 2021. 224 Seiten, 24,95 Euro.

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