24. September 2021

Der Historiker Matthias Hofmann referierte zum Thema „Napoleon“

Eine europäische „Lichtgestalt“

Zahlreiche Interessenten kamen zum Vortrag des Historikers Matthias Hofmann (rechts) über Napoleon ins Bürgerhaus. Foto: Kulturkreis GmbH

Zum Thema „Napoleon“ referierte der Historiker Matthias Hofmann Mitte September im großen Saal im Bürgerhaus. Eingeladen hatte der Arbeitskreis Städtepartnerschaft Schwalbach-Avrillé anlässlich des 200. Todestages des Kaisers der Franzosen.

Monika Beck, die Vorsitzende des Arbeitskreises, konnte eine stattliche Gruppe von Interessierten begrüßen, die sich zur ersten Live-Kulturveranstaltung seit etwa einem Jahr unter Wahrung der Abstandsregeln im Bürgerhaus eingefunden hatten. Matthias Hofmann ist aufgrund seiner Schwalbacher Wurzeln häufiger als Referent im Kulturprogramm vertreten.

Monika Beck verwies in ihrer Einleitung auf die gerade in Frankreich im Rahmen der zahlreichen Gedenkveranstaltungen zu Napoleon aktuellen Kritik am Kaiser, die sich an der von ihm veranlassten Wiedereinführung der Sklaverei entzündet, die durch die Französische Revolution abgeschafft worden war.

Matthias Hofmann folgte in seinem Power-Point-Vortrag, den er mit „Aufstieg und Niedergang einer europäischen Lichtgestalt“ untertitelt hatte, vor allem der militärischen und politischen Karriere des Korsen. Zahlreiche Feldzüge und Schlachten wurden vorgestellt, wobei von persönlicher Tapferkeit bis zu organisatorisch und strategisch imponierenden Leistungen ein eindrucksvolles Bild des großen Korsen entstand. „Historische Größe“ wird laut dem Referent meist an militärischen Erfolgen gemessen, und so folgte das Publikum dem Leutnant, General, Konsul und schließlich Kaiser, der sich gewissermaßen selbst gekrönt hat, nach Süd- und West- und schließlich auch Osteuropa, mit einem Intermezzo in Ägypten. Dabei wurden Umsicht und Geschick Napoleons bei Infrastrukturmaßnahmen und logistischen Leistungen bis hin zum modern anmutenden Selbstlob in der von ihm selbst gesteuerten Armeezeitung bestaunt.

Trotz der militärischen Niederlagen und schließlich zweimaliger Verbannung werde Napoleon auch im heutigen Frankreich nicht nur an seinem Grabmal im Pantheon, sondern auch als Stifter des „Code Napoleon“ oder der Einrichtung der Ehrenlegion als großer Franzose verehrt.

Am Ende des Vortragsabends stand als Kernfrage im Raum: Inwiefern sollte eine Beurteilung Napoleons und anderer bedeutsamer Personen aus ihrer Zeit erfolgen, oder kann und soll die Betrachtung späterer Generationen bis in die Gegenwart auch kritische und dunkle Punkte einstiger „Lichtgestalten“ wie Napoleon zu Tage fördern. red

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