21. Oktober 2021

Die Buchtipps der Schwalbacher Zeitung

Lesestoff

In ihrem neuen Roman „Kairos“ erzählt Jenny Erpenbeck von den Abgründen des Glücks. Im aktuellen Band der Julia-Durant-Reihe „Die junge Jägerin“ geht es zurück in die Neunzigerjahre, in die Anfangszeit von Julia Durant in München. Das Sachbuch „Inside Facebook“ liest sich wie ein Krimi über Manipulationen und Intrigen in einem der mächtigsten Konzerne der Welt.

 

„Kairos“

Die neunzehnjährige Katharina und Hans, ein verheirateter Mann Mitte fünfzig, begegnen sich Ende der achtziger Jahre in Ostberlin, zufällig, und kommen für die nächsten Jahre nicht voneinander los.

Vor dem Hintergrund der untergehenden DDR und des Umbruchs nach 1989 erzählt Jenny Erpenbeck in ihrer unverwechselbaren Sprache von den Abgründen des Glücks – vom Weg zweier Liebender im Grenzgebiet zwischen Wahrheit und Lüge, von Obsession und Gewalt, Hass und Hoffnung. Alles in ihrem Leben verwandelt sich noch in derselben Sekunde, in der es geschieht, in etwas Verlorenes. Die Grenze ist immer nur ein Augenblick.

Jenny Erpenbeck, geboren 1967 in Ost-Berlin, debütierte 1999 mit der Novelle „Geschichte vom alten Kind“. Es folgten zahlreiche Veröffentlichungen, darunter Romane, Erzählungen und Theaterstücke. Ihr Roman „Aller Tage Abend“ wurde von Lesern und Kritik gleichermaßen gefeiert und vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Joseph-Breitbach-Preis und dem Independent Foreign Fiction Prize. Für „Gehen, ging, gegangen“ erhielt sie u. a. den Thomas-Mann-Preis. 2017 gewann Jenny Erpenbeck den Premio Strega Europeo und wurde mit dem Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Jenny Erpenbeck: „Kairos“
Penguin Verlag, 2021. 384 Seiten, 22 Euro.

 

„Julia Durant. Die junge Jägerin“

1996 begann die Geschichte der Kommissarin Julia Durant aus der Feder von Andreas Franz. Nachdem der Autor im März 2011 verstarb, übernahm Daniel Holbe ab dem zwölften Band „Todesmelodie“ die Fortsetzung der Reihe, die inzwischen 21 Bücher umfasst. Im neuesten Band geht es zurück in die Neunzigerjahre, in die Anfangszeit von Julia Durant in München.

Eine tote Frau wird gefunden – eine Prostituierte, wie es zunächst scheint. Doch eine genauere Untersuchung hält eine Überraschung für die ermittelnden Beamten bereit.  Zudem handelt es sich bei dem Opfer um eine bekannte Persönlichkeit der Stadt. Eine heikle Situation für die Mordkommission, denn in den Fall ist offenbar jede Menge lokale Prominenz verwickelt. Hatte man die Ermittlung zuerst auf Julia Durant abgewälzt, die Neue in einer von Männern beherrschten Abteilung, möchte man ihr den Fall nun wieder wegnehmen. Doch das lässt sie sich nicht gefallen, denn sie hat Blut geleckt. Als eine zweite Leiche auftaucht und sich in der Szene Angst ausbreitet, wird nicht nur der Polizei klar: Es geht ein Serienmörder um in der Stadt. Und er wird wieder und wieder zuschlagen.

Daniel Holbe lebt mit seiner Familie in der Wetterau unweit von Frankfurt und wurde aufgrund seiner Faszination von Krimis rund um Frankfurt und Hessen Andreas-Franz-Fan. Als er schließlich selbst einen Krimi bei Droemer Knaur anbot, wurde er im August 2011 gefragt, ob er sich vorstellen könnte, die Julia-Durant-Reihe zu übernehmen und das unvollendete Werk „Todesmelodie“ von Andreas Franz fortzuführen. Über diese Zeit der Übernahme berichtet Daniel Holbe im 21. Band „Julia Durant. Die junge Jägerin“ innerhalb eines bewegenden Porträts über Andreas Franz.

Andreas Franz & Daniel Holbe: „Julia Durant. Die junge Jägerin“
Knaur, 2021. 496 Seiten, 10,99 Euro.

 

„Inside Facebook – Die hässliche Wahrheit“

NSA-Skandal, Wahlmanipulationen, Cambridge Analytica, Trump. Das ist nur die Spitze des Eisbergs! Die renommierten „New York Times“-Reporterinnen Sheera Frenkel und Cecilia Kang gewähren einen bisher einzigartigen Einblick in den mächtigsten und undurchschaubarsten Konzern der Welt.

Ausgehend von ihrer langjährigen investigativen Recherche, in der sie über Hunderte von Interviews führten, zeigen uns die Autorinnen ein Facebook, das wir so bislang nicht kannten. Dabei kommen sie Sheryl Sandberg und Marc Zuckerberg so nah wie niemand zuvor. Wir erfahren, welche Rollen Zuckerberg und Sandberg spielen, wie in den Hinterzimmern folgenreiche Entscheidungen getroffen, mit Politikern zwielichtige Absprachen vereinbart und undurchsichtige Netzwerke gebildet werden. Und wie eine Maschine zur Geldvermehrung immer weiter am Laufen gehalten wird, koste es, was es wolle – mit verheerenden Folgen: Aushöhlung der Privatsphäre und der Demokratie, eine Gefahr für unsere Gesellschaften.

Sheera Frenkel & Cecilia Kang: „Inside Facebook – Die hässliche Wahrheit“
Übersetzt von Henning Dedekind, Marlene Fleißig, Frank Lachmann und Hans-Peter Remmler
S. Fischer Verlag, 2021. 384 Seiten, 24 Euro.

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