21. Januar 2022

Schautafeln befassen sich mit den Vorurteilen gegen Sinti und Roma

Bewegende Ausstellung

Dr. Udo Engbring-Romang bildete Schülerinnen und Schüler der Albert-Einstein-Schule zu Führern durch die Ausstellung „Der Weg der Sinti und Roma“ aus. Foto: te

Mit einem Vortrag wurde am Dienstag  die Ausstellung „Der Weg der Sinti und Roma“ im Bürgerhaus eröffnet.

Die Ausstellung zeigt die Geschichte dieser Minderheit seit ihrer Migration nach Europa und Deutschland. Sie thematisiert die Wirkung von Bildern und Zuschreibungen gegen Sinti und Roma vom 16. bis zum 20. Jahrhundert, die Verfolgungen und Diskriminierungen bis zum Völkermord während des Nationalsozialismus, die Kontinuitäten der Bilder bis 1980 und nicht zuletzt den Kampf gegen den Antiziganismus durch die Selbstorganisationen der deutschen Sinti und Roma nach 1980. Zu Gast war zur Eröffnung Rinaldo Strauß, der stellvertretende Geschäftsführer des Hessischen Landesverbands Deutscher Sinti und Roma. Er referierte zur Geschichte und zu den Auswirkungen der Vorurteile gegen Sinti und Roma.

Noch vor dem offiziellen Ausstellungsbeginn bildete am Dienstagvormittag der Autor der Ausstellung, Dr. Udo Engbring-Romang, Schülerinnen und Schüler der Albert-Einstein-Schule zu Führern durch die Ausstellung aus. In zwei Workshops bereiteten sich insgesamt 60 Schüler des Projektes „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ darauf vor, ihre eigenen Klassen und Oberstufenkurse beim späteren Ausstellungsbesuch zu begleiten. In den Workshops wurden sie dazu ausgebildet, selbstständig Klassen durch die Ausstellung zu führen und Gleichaltrigen das Thema „auf Augenhöhe“ näherzubringen.

Obwohl die Thematik außerordentlich vielschichtig und komplex ist, wirkten die angehenden „Guides“ hoch motiviert und engagiert. Zum Beispiel wurde den Schülerinnen die Frage gestellt, ob denn die Fremdenfeindlichkeit eine im Menschen natürliche, psychologisch-soziologische Veranlagung sei. Im Tenor waren sich die Befragten einig, dass es ein Teil des Wesens im Menschen sei. An Hand eines einfachen Beispiels wurde das anschaulich beschrieben: Wer im öffentlichen Nahverkehrsmittel die Wahl hat zwischen verschiedenen Sitzgelegenheiten wird sich zumeist eher für einen Sitznachbarn mit Schlips und Kragen entscheiden, als für eine Person mit einem ungepflegten Äußeren.

Die Ausstellung wird im Bürgerhaus während der Öffnungszeiten des Rathauses gezeigt und setzt sich zusammen aus 37 von Adam Strauß herausgegebenen Transparenten mit Texten von Udo Engbring-Romang, auf denen jeweils Teilaspekte zum Thema erläutert werden.

Auch Bürgermeister Alexander Immisch war zum Abschluss des Workshops dabei und sprach den Schülern seinen Dank aus für deren Mitwirkung und gab ein kurzes Plädoyer für allzeitige und allseitige Offenheit der Gesellschaft und jedes Einzelnen.

Wegen der großen Nachfrage von Schulklassen wurde die Ausstellung bis zum Freitag, 4. Februar, verlängert. red/te

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