8. Februar 2018

Schüler der AES diskutierten mit Professoren über Biologie und Ethik

Die Grenzen der Medizin

Prof. Stephan Sahm, Dr. Julia Inthorn, Jochen Kilb, Bartosz Linek, Prof. Dr. Lukas Ohly und Nils Fischer (von links) stellen sich den Fragen der Schüler. Foto: Schiller

Vergangenen Donnerstag bot sich für die diesjährigen Abiturienten der Albert-Einstein-Schule (AES) eine besondere Gelegenheit. Sie nahmen an einem Projekttag teil und konnten sich über bioethische Fragen austauschen.

An der AES wird schon seit 2011 jährlich von der Fachschaft für Religion und Ethik ein Projekt für die Abiturienten organisiert. „Wir wollen den Schülern die Möglichkeit geben, sich mit besonderen Themen zu beschäftigen“, sagte Schulleitungsmitglied Jochen Kilb. In der Vergangenheit wurden unter anderem Sterbehilfe und Rechtsextremismus thematisiert.
In diesem Jahr beschäftigten sich die Schüler zusammen mit den Referenten mit der Präimplantationsdiagnostik. Bei diesem Verfahren wird das Erbgut von Embryos auf Krankheiten untersucht, und gegebenenfalls verändert oder sogar aussortiert. Dadurch ergeben sich verschiedene Fragen über die Legitimität und die Gefahren solcher Möglichkeiten in der Medizin, die am Donnerstag behandelt wurden.
Als Experten standen den Schülern unter anderem Professor Dr. Lukas Ohly und Dr. Julia Inthorn zur Seite, sowie Diplom-Biologe Bartosz Linek, der an der Uniklinik in Mainz bereits Präimplantationsdiagnostiken durchgeführt hat.
Zunächst wurde ein kurzes Theaterstück von einem Theaterkurs der Einführungsphase vorgespielt, dass die Thematik am Beispiel von Designerbabys anriss. Dies gab den Anstoß für die folgende Diskussion, bei der die Schüler sich in kleineren Gruppen mit je einem der Experten austauschen konnten. Dabei wurden ganz unterschiedliche Bereiche der Problematik angerissen – von grundsätzlichen Fragen über die Akzeptanz von Menschen mit Behinderung bis zu den konkreten Kosten einer solchen Untersuchung.
Danach wurden die Themen in größerer Runde besprochen und es gab Gelegenheit, den Experten Fragen zu stellen. „Haben wir das Recht, Kinder auszusortieren, bevor sie überhaupt geboren sind? Gibt es Dinge, die die Wissenschaft niemals sollte tun dürfen? Wo liegt die Zukunft der Medizin?“ All diese Themen wurden unter Schülern und Referenten diskutiert. Auch das Verhältnis vom Islam zu solchen Eingriffen in die Schwangerschaft war Teil der Diskussion.
„Im Islam ist die Schwangerschaft etwas Gottgegebenes, in das nicht einfach so eingegriffen werden darf“, erzählt Dozent Nils Fischer, der sich in seinen Forschungen unter anderem mit Bioethik im Islam beschäftigt. Professor Stephan Sahm von der Goethe-Universität in Frankfurt appellierte während dem Austausch vor allem an die Eigeninitiative der Schüler. Die Präimplantationsdiagnostik sei ein unsicheres Feld, und sie sollten ihren Standpunkt geltend machen, falls die Medizin Grenzen überschreite.
Am Ende des Tages konnte keine endgültige Antwort zu dem Thema gefunden werden, aber jeder der Schüler bekam einen Denkanstoß, sich seine eigene Meinung zu bilden. ls

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