26. August 2017

Der Schauspieler und Dokumentarfilmer beeindruckte bei seiner Lesung im Bürgerhaus

Mut tanken mit Hannes Jaenicke

Mit fester Stimme und klarer Sprache las Hannes Jaenicke im Bürgerhaus aus seinem Buch „Wer der Herde folgt, sieht nur Ärsche“ vor. Foto: Baumann.

„Als Wahlbayer bin ich ein bisschen neidisch auf Schwalbach.“ Spätestens mit diesem Satz hatte Schauspieler und Dokumentarfilmer Hannes Jaenicke vorgestern Abend das Publikum auf seiner Seite. Bericht mit Video

Und der Satz war nicht einmal das sonst bei Prominenten übliche Kokettieren mit dem Publikum. Nein, Hannes Jaenicke – der immerhin in bester Lage am Ammersee wohnt – meinte es ernst, denn er kennt Schwalbach. Seine Mutter Agathe und sein im vergangenen Jahr verstorbener Vater sind und waren hier seit vielen Jahren zu Hause. Regelmäßig kommt er nach Schwalbach, um Zeit mit seiner Mutter zu verbringen. Es kann schnell einmal vorkommen, dass man den Mann, der in Hollywood schon mit Catherine Zeta-Jones gedreht hat, in der Apotheke am Marktplatz trifft.
Es ist vor allem die Art, wie in Schwalbach mit Flüchtlingen und Migranten umgeht, die Hannes Jaenicke beeindruckt und die im Umland von Frankfurt offenbar grundlegend anders ist als im Speckgürtel von München. „Ein Lob an die DAGS. Jeder von euch ist ein Held“, schob Hannes Jaenicke von der Bürgerhausbühne nach.
Dabei ist der 57-Jährige niemand, der Menschen lobt, die es nicht verdient haben. In den 90 Minuten zuvor erklärte er schonungslos, was auf der Welt und in der Gesellschaft schief läuft. Angefangen vom Neid und der Verbissenheit der Deutschen über schlechte Drehbücher im Fernsehen bis hin zu seinem zentralen Thema, der fehlenden Nachhaltigkeit und der damit einhergehenden Umweltzerstörungen.

In seiner Lesung sang er mit fester Stimme und klarer Sprache das hohe Lied auf die Querdenker, Einzelkämpfer und wahren Helden, die etwas ändern wollen und nicht nur darüber reden, sondern auch handeln. „Wer der Herde folgt, sieht nur Ärsche“, heißt denn auch der provokante Titel seines aktuellen Buches, aus dem er in gut 60 Minuten einige Kapitel rezitierte, ehe er sich den Fragen der Schwalbacher stellte.
Ganz gleich, ob Hannes Jaenicke vorlas oder frei sprach. Bei ihm fügt sich alles zu einem großen Bild von Gut und Böse zusammen, alles ist mit allem verbunden und vor allem: Die Lösungen sind eigentlich ganz einfach. Jeder müsste nur stets versuchen, ein anständiger Mensch zu sein und die Welt wäre um einiges besser. Lesen Sie dazu auch das Interview „Schwalbach war definitv eine gute Wahl“!
Bei den rund 350 Besuchern im großen Saal des Bürgerhauses, die teilweise von weit her angereist waren, kam die Botschaft an. Wilfried Hülsemann von der Deutsch-ausländischen Gemeinschaft Schwalbach (DAGS), die den Schauspieler eingeladen hatte, brachte es am Ende auf den Punkt: „Wir haben heute viel Mut bekommen.“
Zum Abschluss zeigte Hannes Jaenicke, dass ihm seine Botschaften ein echtes Anliegen sind und dass er ein wirklicher Star ist. Fast 100 Besucher hatten im Foyer sein Buch gekauft und hofften auf eine Widmung. Entsprechend lang war die Schlange, die sich nach der Lesung vor dem Autogrammtisch bildete. Und Hannes Jaenicke, den in Deutschland nicht wenige für selbstgerecht und arrogant halten, fand selbst für die Letzten in der Reihe noch persönliche Worte und gab ihnen das Gefühl, dass er nur für sie vorgelesen hatte.
Für die DAGS war es ein höchst erfreulicher Abend. Obwohl der Eintritt frei war, kamen 1.200 Euro an Spenden für die Schwalbacher Flüchtlingshilfe zusammen. MS

Obwohl die Schlange der Wartenden fast durch den ganzen Saal im Bürgerhaus reichte, hatte der Autor und Schauspieler beim Signieren seiner Bücher für jeden ein persönliches Wort. Foto: Schlosser

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