15. Mai 2019

Schwalbacher Spitzen

Die Macht der Vorstellung

Mathias Schlosser

von Mathias Schlosser

Wenn man Pläne anschaut, ist es nicht einfach, sich die bunten Linien und Flächen in der Realität vorzustellen. Das gilt offensichtlich auch für die Pläne zum unteren Marktplatz, die morgen endgültig in der Stadtverordnetenversammlung beschlossen werden sollen. Denn offenbar sehen die Stadtverordneten von SPD und FDP nicht, dass die große Gefahr besteht, dass der Platz durch die teure Umgestaltung nicht schöner, sondern hässlicher wird.
Der Planer möchte gerne die fast 50 Jahre alten Kastanien fällen. Doch ohne sie wird der dahinter liegende „bunte Riese“ mit seinen bis zu 13 Stockwerken jeden Versuch zum Scheitern bringen, dem Platz Flair oder Gemütlichkeit zu geben. In Kombination mit der geplanten rund fünf Meter breiten, schnurgeraden und rechtwinkligen Treppenanlage und ohne das kreisförmige Brunnenbecken könnte der Platz am Ende noch öder wirken als heute. Da helfen dann auch die kleinen Bäumchen nicht mehr, die als Ersatz im Bereich des heutigen Spielplatzes gepflanzt werden sollen.
Einen objektiven Grund, die rotblühenden Kastanien zu fällen, gibt es nicht. Dass sie krank sind, ist genauso wenig bewiesen wie die Behauptung, die Wurzeln würden die umliegenden Bauwerke schädigen. Es geht einzig darum, dass Bürgermeisterin Christiane Augsburger und der Planer die alten Bäume rein subjektiv nicht mehr haben wollen.
Die Bäume zu fällen nur damit sich die Koalition durchsetzt, wäre ein großer Fehler. Jeder Stadtverordnete von SPD und FDP sollte morgen vor der Sitzung noch einmal ganz allein mit den Plänen auf den unteren Marktplatz gehen und sich vorstellen, wie das Ganze am Ende aussehen wird. Denn jeder von ihnen wird persönlich dafür verantwortlich sein, wenn der neue, teure Platz am Ende niemandem gefällt.

Lesen Sie dazu auch „Mehr als nur Marktplatz-Deko“ und schreiben Sie Ihre Meinung in das Feld unten!

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