28. Mai 2019

Schwalbacher Chor „TonArt“ spielte eindrucksvolles Konzert in St. Pankratius

Pathos statt Popmusik

Die 120 Sängerinnen und Sänger sowie das Orchester füllten den gesamten Altarraum der St.-Pankratius-Kirche beim jüngsten Pro-Musica-Konzert am Samstag aus. Foto: Hermanowski

Nein, das war nichts, womit man normalerweise laue Sommerabende verbringt. Und es war auch nicht typisch für den Schwalbacher Chor „TonArt“. Dennoch gelang den Sängerinnen und Sängern des gemischten Chors des Schwalbacher Musikvereins „Pro Musica“ am Samstag mit der „schweren Kost“ von „The Armend Man“ eine beeindruckende Aufführung in der St.-Pankratius-Kirche. Bericht mit Video

Üblicherweise präsentieren Chöre wie „TonArt“ bei ihren Konzerten leichte Revuen aus Pop-, Rock- und Radiomusik, die in den Chorversionen neue, eigene Reize entwickeln und die vor allem vom Wiedererkennungswert beim Publikum leben. In diesem Jahr sollte es beim Schwalbacher Chor aber einmal etwas Anspruchsvolles sein und gemeinsam mit dem Chor „CHORiosum“ aus Oberursel und dem „Capella Ursellis“-Orchester wagte man sich an das Werk des britischen Komponisten Karl Jenkins, das dieser nach dem Kosovo-Krieg im Jahr 1999 komponiert hatte.
Anders als in seinem weltberühmte Werbesong „Adiemus“ setzt Karl Jenkins in „The Armed Man“ dem Thema entsprechend auf eine düstere, beinahe depressive Grundstimmung, die die Schrecken des Kriegs dokumentieren soll. Die Musik ist dabei so ausdrucksstark, dass es bei der Aufführung in der Schwalbacher Kirche der schwarz-weißen Videoprojektion von marschierenden Nazis und zerstörten Städten gar nicht mehr bedurft hätte. Denn die eindringlichen Stimmen der 120 Sängerinnen und Sänger, die Chorleiter Holger Pusinelli souverän dirigierte, ließen die Zuschauer schon von der ersten Note an ehrfürchtig erschaudern.
Besonders eindrucksvoll geriet dabei das Solo des 11-jährigen Stephen Szabo, der mit glockenheller Stimme das „Kyrie“ sang und damit einen außerordentlichen Kontrapunkt vor allem zu den von Theatermacher Willy Praml mit rauer Stimme vorgetragen Texten zwischen den Stücken setzte.

Rund anderthalb Stunden dauerte der bedrückende Schnelldurchlauf eines Krieges von der Mobilisierung über den Aufmarsch, den Kampf, die Zerstörung bis zur Erschöpfung und zum Wiederaufbau. Manchem wurde das gegen Ende hin fast schon zu viel, andere hatte vor Ergriffenheit Tränen in den Augen.
Am Ende der „Messe für den Frieden“ gab es gut zehn Minuten Applaus für die Musiker und Sänger, die kaum in den Altarraum der Alt-Schwalbacher Kirche passten. Auch bei den Aufführungen am 18. Mai in Oberursel und am vergangenen Sonntag in der Dreikönigskirche in Frankfurt zollten die Zuhörer dem Ensemble mit langem Applaus ihren Respekt. Die mehr als sechsmonatigen Proben und die Risikobereitschaft haben sich damit für die Beteiligten gelohnt, denn insgesamt kamen am Ende mehr als 2.000 Besucher zu den drei Aufführungen. MS

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