8. September 2020

Grüne scheitern mit ihrem Antrag zu neuen Ladesäulen

„Das ist keine Aufgabe der Stadt“

Bisher gibt es in Schwalbach nur eine öffentliche Ladesäule für Elektro-Autos und daran wird sich auch vorerst nichts ändern. Foto: Schlosser

Mit Stromtankstellen und Elektro-Autos ist es ein bisschen wie mit Hennen und Eiern: Wenn es keine Ladesäulen gibt, kauft sich niemand ein Elektro-Auto. Doch so lange nur wenige Elektro-Autos herumfahren, will niemand in Ladesäulen investieren. Auch die Stadt Schwalbach nicht.

Das ist das Ergebnis einer Diskussion in der jüngsten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung. Die Grünen hatten einen Antrag gestellt, mit dem sie die Zahl der Ladesäulen in der Stadt dramatisch steigern wollten. Zehn weitere öffentliche Stromtankstellen wollte die Ökopartei bis Ende 2021 im Stadtgebiet einrichten. Derzeit gibt es nur eine einzige, nicht besonders leistungsstarke auf dem Parkplatz des Limes-Einkaufszentrums.

Warum sich die Energieversorger derzeit mit dem Bau von Ladesäulen zurückhalten, wusste Bürgermeister Alexander Immisch (SPD) zu berichten. Er hat sich bei Mainova und Syna schlau gemacht und erfahren, dass mit Strom für Elektroautos derzeit kein Geld zu verdienen ist. An kostenpflichtigen Säulen wie der am REWE-Parkplatz würden im Jahr durchschnittlich gerade einmal 100 Kilowattstunden verkauft, was einem Gewinn von etwa zehn Euro entspricht – nicht viel bei einer Investition von 6.000 Euro und jährlichen Betriebskosten von 1.000 Euro.

Mit ihrem Antrag wollten die Grünen nun das Henne-Ei-Problem lösen, in dem die Stadt den Bau der unrentablen Säulen bezahlt. „Die E-Mobilität wird kommen, ob wir wollen oder nicht“, erklärte Thomas Nordmeyer für seine Fraktion. Der Aufbau einer Lade-Infrastruktur sei keine „reine Marktgeschichte“. Vielmehr sei es Aufgabe der Stadt, den Bau neuer Ladesäulen voranzutreiben.

Das sahen die übrigen Fraktionen allerdings anders. „Wir zahlen keine Zuschüsse, damit andere Geld verdienen“, konterte Hartmut Hudel für die SPD. Wenn Stromanbieter und Autohersteller mit Elektroautos Umsatz machen wollten, müssten sie auch die Ladesäulen bauen.

Ähnlich argumentierte Christian Fischer von der CDU. „Das ist nicht Aufgabe der Stadt“, sagte er. Zudem erinnerte er daran, dass gerade auch in Schwalbach bei Continental und Vitesco zahlreiche Arbeitsplätze am Verbrennungsmotor hingen. Auch Stefanie Müller sprach sich für die FDP gegen den Antrag der Grünen aus. Sie brachte die Ablehnung auf die Formel: „Wenn es sich für die Unternehmen nicht rechnet, dann ist die Zeit noch nicht reif.

Da waren die Grünen ganz anderer Meinung. Der Antrag sei „das Richtige zum richtigen Zeitpunkt“. Später werde es viel teurer, Ladesäulen zu errichten. Barbara Blaschek-Bernhardt wies zudem auf die soziale Komponente hin, dass die Bewohner von Wohnblöcken in der Limesstadt ja überhaupt keine Möglichkeit hätten sich selbst Ladestationen einzurichten, wie das Eigenheimbesitzer tun könnten.

Die breite Mehrheit des Parlaments war damit aber nicht umzustimmen und lehnte den Antrag ab. Immerhin sprachen sich SPD, CDU und FDP dafür aus, Unternehmen zu unterstützen, wenn sie in Schwalbach – auf eigene Kosten – weitere Ladesäulen errichten möchten. MS

7 Gedanken zu „„Das ist keine Aufgabe der Stadt“

  1. Da war ich mit 3 % Elektrofahrzeugen zum Gesamtbestand von mehr als 40 Millionen doch zu optimistisch. Zugelassen sind rund 150.000 Elektroautos. Das sind deutlich weniger als ein halbes Prozent.

  2. Wenn wir also genug Bürger zusammenbekommen um auf eigene Kosten eine Stromtankstelle zu bauen, hätte die Stadt nichts dagegen?

  3. Liebe Leser
    Hätte man die gefragt, die täglich damit zu tun haben und die Hinterhründe kennen wäre man sich auf die richte Entscheidung gekommen.
    Der Staat fordert Grenzwerte , die nur durch Elektromotoren zu erreichen Sind und da ist das ganze Übel das man lösen muss. Also Fachleute fragen Bei so wichtigen Entscheidungen

  4. Die Diskussion ist bei etwas mehr als 3 Prozent E-Fahrzeuge am Gesamtbestand in der BRD noch immer akademisch.
    Die Berliner Straße oder die Friedrich-Ebert-Straße hoch in die Limesstadt zeigt allein aufgrund der Bebauung schon, dass sich hier selten ein EAuto vor die Haustür verirren wird. Was soll da eine Ladesäule im Parkdeck unter dem Marktplatz. Das ist keine Henne/Ei Diskussion. Die Mehrzahl der Einwohner kann sich aus Praktikabilitätsgründen kein E Auto leisten. Wo sollen sie nur betankt werden, wenn in der Frankenstraße oder der Rheinlandstrasse pro Wohnblock mit 24 Mietern auch nur jeweils ein Viertel ein E-Auto fahren und damit jeden Morgen auf die Arbeit wollen?
    Sie werden auch weiterhin, hoch subventioniert, wohl nur in Wohnstraßen mit Vorgärten, eigenem Abstellplatz und Lademöglichkeit zu finden sein, oder in Tiefgaragen von Eigentumskomplexen.
    Mitbezahlen tun sie alle Steuerzahler. Nur das Geld kann ja letztlich politisch verteilt werden.

  5. Schönen guten Abend allerseits.
    Wir alle sind betroffen vom Klimawandel.
    Das Aufstellen von Ladesäulen wird auch die Stadt Schwalbach beschäftigen, egal wo diese aufgestellt werden.
    Jedes elektrische betriebene Fahrzeug mindert den CO2 Ausstoß
    Und je nachhaltiger der Strom hergestellt wird desto besser ist dies für die Umwelt und letztendlich für den Menschen.

  6. genau so ist es. wenn die fa. verdienen wollen, sollen sie auch die kosten für die erstellung zahlen.das ist keine aufgabe der heimischen bevölkerung.und schon garnicht von steuern. die stadt hat ja auch bis heute noch keine tankstellen gebaut.also was soll der vorschlag der gruenen?

  7. Elektrische Mobilität beginnt zu Hause und endet zu Hause. Dazwischen liegen manchmal mehrere 100 km welche umso leichter bewältigt werden können wenn man zwischen Beginn und Ende der Reise auf strategisch gut aufgestellte öffentliche Ladesäulen treffen kann.
    Ein jeder kennt die Diskussionen von dem Ei und der Henne. So ähnlich ist es um die elektrische Mobilität bestellt. Elektrisch betriebene Fahrzeuge benötigen Ladesäulen und ohne Ladesäulen gibt es keine elektrische Mobilität.
    Ohne Henne kein Ei und ohne Ei keine Henne.
    ich bin für beides Ladesäulen und elektrisch betriebene Fahrzeuge.

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