8. September 2021

Main-Taunus-Kreis startet Impfungen in Schulen und Drittimpfungen in Heimen

Steigende Inzidenzen bei Jungen und Alten

Im Main-Taunus-Kreis laufen die ersten Corona-Impfungen an Schulen an. Wie Landrat Michael Cyriax und Kreisbeigeordnete Madlen Overdick mitteilen, sind auch die ersten Drittimpfungen, so genannte „Booster“, in Alten- und Pflegeheimen geplant.

Bei jungen – und zumeist ungeimpften – Menschen liegt die Inzidenz den Angaben zufolge in diesen Tagen bei rund 290, bei den über 80-Jährigen bei rund 200. Das ist bis zu zweimal so hoch wie der Bevölkerungsschnitt. Die Fallzahlentwicklung stagniere seit einer Woche auf dem relativ hohen Niveau. Erfreulich sei, dass in den Kliniken nach wie vor relativ wenige Patienten mit Covid lägen und die überwiegende Zahl der Infektionen im Kreis mild verlaufe.
Am gestrigen Dienstag lief dem Kreis zufolge bereits eine Impfaktion an der Konrad-Adenauer- Schule in Kriftel. Für die nächsten Tage geplant seien Termine an der Leonie-Ossowski-Schule in Kelkheim, einer therapeutischen Einrichtung, außerdem an der Main-Taunus-Schule und der Brühlwiesenschule in Hofheim, am Privatgymnasium Dr. Richter in Kelkheim und der Eichendorffschule in Kelkheim. Den Termin an der Eichendorffschule am Donnerstag, 16. September, von 14 bis 17 Uhr können auch Personen von außerhalb der Schule nutzen. Termine an weiteren Schulen werden derzeit geplant.
Aktuell sind 47 Schüler und keine Lehrer infiziert. Weitere vier Schüler wurden als Kontaktpersonen in Quarantäne geschickt. Auch wegen der mittlerweile dreimal wöchentlich laufenden Schülertestungen würden Infektionen schnell entdeckt, erläutern Michael Cyriax und Madlen Overdick. Die Kinder und Jugendlichen würden sich nach Erkenntnissen des Gesundheitsamtes aber nicht in der Schule infizieren, sondern das Virus von außen hereintragen – durch Kontakte in der Familie, im Bekannten- oder Freundeskreis oder bei Veranstaltungen. Nach den Maßgaben des Landes sind mittlerweile Freitestungen an Schulen möglich, auch wurden die Kriterien für die Quarantäne gelockert.
Während die überwältigende Zahl der Fälle in den Schulen nicht auf Ansteckung innerhalb der Schule zurückzuführen sei, seien viele Infektionen in den Heimen laut dem Landrat „hausintern ausgelöst“. Er und die Gesundheitsdezernentin appellieren eindringlich an die Pflegekräfte, sich impfen zu lassen, und an die Heimleitungen, die Arbeit so zu organisieren, dass die Bewohner größtmöglichen Schutz haben. „Wir brauchen eine Impfpflicht für das Pflegepersonal“, unterstreicht Michael Cyriax. Darüber hinaus müsse in allen Altersgruppen, für die Impfungen zugelassen sind, noch mehr geimpft werden: „Impfen schützt. Ohne das gibt es keinen Weg aus der Pandemie.“
Hessenweit betrug die Inzidenz für Ungeimpfte, Teilgeimpfte oder jene ohne Angaben zum Impfstatus am gestrigen Dienstag  292,2. Für vollständig Geimpfte betrug sie 13,7. In den Heimen und den Einrichtungen der Behindertenhilfe sind aktuell 60 Bewohner infiziert, außerdem sechs Pflegekräfte. Die Zahl der Infizierten hat sich seit Ende August verdoppelt. Unter den zehn Pflegekräften, die sich seit Anfang August infizierten, waren den Angaben zufolge neun nicht oder nicht vollständig Geimpfte.
Michael Cyriax und Madlen Overdick befürworten eine vom Bundestag beschlossenen Gesetzesänderung zum Auskunftsanspruch der Arbeitgeber. Demnach dürfen Leitungen von besonders sensiblen Einrichtungen wie Alten- und Pflegeheimen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach dem Impfstatus fragen. Bislang fiel das unter den Datenschutz. „Damit eine Heimleitung ihre Arbeit so organisieren kann, dass die Bewohner größtmögliche Sicherheit haben, müssen sie wissen, von welcher Pflegekraft ein Infektionsrisiko ausgehen könnte und von welcher nicht“, erklärt die Gesundheitsdezernentin. Das Gesundheitsamt stehe im ständigen Kontakt mit den Heimen und mache auch unangekündigte Besuche, um festzustellen, ob Regelungen eingehalten würden: „Hier leben die am meisten gefährdeten Menschen im Kreis, das müssen wir genau im Fokus haben“, meint Madlen Overdick.
Da unter den infizierten Bewohnern viele Geimpfte seien, laufe dort bald die dritte Impfung an. Ältere Menschen bauten durch die Impfungen offenbar einen geringeren Schutz auf als Jüngere, deshalb müsse hier schnell gehandelt werden. Einsätze von mobilen Teams in sechs Heimen seien bereits geplant, weitere würden folgen. red

Ein Gedanke zu „Steigende Inzidenzen bei Jungen und Alten

  1. Die Inzidenz steigt und Frau Overdick und Herr Cyriax sehen sich in der Verantwortung, mit den ihnen zur Verfügung gestellten Mitteln dagegen zu steuern.
    Ein scheinbar naheliegendes Mittel ist die Durchimpfung der Bevölkerung auf 100% um die Inzidenz zu senken. Doch damit dies funktioniert, müsste die Impfung eine sterile Immunität erzeugen, damit eine übertragende Infektionskette in der Bevölkerung nicht mehr stattfinden kann.
    Geimpfte können immer noch das Virus vermehren und übertragen. Nur weil sie sich nicht mehr testen müssen, tragen sie nicht mehr zur Inzidenz bei. Ein positiver Test ist nicht identisch mit einer Infektion und eine Infektion ist nicht identisch mit einem Covid-19-Krankheitsverlauf. Die genannten Dinge werden bei der Ermittlung der „Pandemielast“ nicht differenziert, dadurch kommt es zu logischen Zirkelschlüssen die keinen Ausweg bringen.
    Was tun?
    Eine Durchimpfung soll vor schweren Verläufen schützen. Es wurde versprochen, dass die Maßnahmen enden, wenn alle ein Impfangebot annehmen können. Mir scheint, dieser Punkt wurde erreicht, da jetzt schon mit Sozialdruck, um nicht zu sagen sozialer Ächtung, gegen Ungeimpfte vorgegangen wird, obwohl dies aus den o.g. Gründen das Problem der hohen Inzidenz nicht lösen wird und gegen den Nürnberger Kodex verstösst.
    Am Ende hilft nur eine natürlich erworbene Immunität da diese ihre Wirkung bereits auf den Schleimhäuten entfalten kann (unserer ersten Abwehrfront) und so die Viruslast minimiert. Die Impfungen trainieren „nur“ die zweite Abwehrfront in unseren Blutbahnen.
    Länder wie Island & Dänemark hatten fast identische Maßnahmen wie wir, haben nun allen Einwohnern ein Impfangebot ermöglicht und beenden nun alle Maßnahmen. Ebenso Schweden. Sie folgen alle einer Einsicht die auch unser Top-Virologe Drosten im letzten NDR-Podcast genannt hat: nun eine natürliche Infektion wagen, damit eine echte Immunität erfolgen kann, auf den Schleimhäuten, denn keine Booster-Impfung kann diese perfekte Immunität herstellen.
    In der BRD sind rund 95000 Menschen an oder mit Corona verstorben. Das Median-Alter betrug hier 82 Jahre. D.h.: Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene stecken eine Infektion einfacher weg und erreichen so eine langjährige natürliche Immunität. Ist es da weise auch diese Gruppe per sozialem Druck durchimpfen zu wollen? Die Technologie hinter den Impfstoffen ist neu. Langzeiteffekte können wir nicht wissen. Wir spielen hier Zauberlehring. Etwas Demut würde helfen. Auch mal Innehalten und in Ruhe die Nebenwirkungsmeldungen an das Paul-Ehrlich-Institut und die EMA auswerten. Die Chance nutzen, dass wir alle Versuchskaninchen waren und sind, wie Kanzlerkandidat Olaf Scholz uns nannte. Die Kinder sind unsere Zukunft.

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