9. September 2021

Die Buchtipps der Schwalbacher Zeitung

Lesestoff

Mit Sinn für die Komik im Kämpfen ums Glück erzählt Peter Richter in „August“ von der Leere mitten im Hochsommer des Lebens. In seinem Buch „1977“ unternimmt Philipp Sarasin eine Zeitreise in die Geschichte unserer Gegenwart. Lena Hach erzählt im ersten Band der „Mission Hollercamp” für Kinder ab 10 Jahren von den Tücken des Campings und dem Glück echter Freundschaft.

 

„August“

Stefanie und Richard, Vera und Alec haben Berlin hinter sich gelassen, sie leben jetzt in New York und gönnen sich mit den Kindern einen langen August an den Stränden der Hamptons. Aber schon bald wissen sie nicht mehr, wie es weitergehen soll.

Zwischen den luxuriösen Sommerhäusern auf Long Island zieht ein Mann seine Kreise, der den Superreichen inneres Wachstum verkaufen will. Dazu ist jedes Mittel recht, von den Sekreten exotischer Frösche bis zu mystischer Morgengymnastik. In Stefanie findet er eine enthusiastische Anhängerin – und das löst gleich mehrere Katastrophen aus. Peter Richter führt eine Gesellschaft vor, die selbst den Widerwillen gegenüber ihrer eigenen Gier noch zum Statussymbol ummünzt.

Peter Richter, geboren 1973, hat lange als Kulturkorrespondent der Süddeutschen Zeitung in New York gearbeitet und lebt jetzt in Berlin.

Peter Richter: „August“
Suhrkamp Verlag, 2021. 502 Seiten, 22 Euro.

 

„1977“

1977 startete die RAF ihre „Offensive 77“, wurde in Paris das Centre Pompidou eröffnet, in Kalifornien der Apple II lanciert – und das Internet erfunden. Was bedeuten diese merkwürdigen Gleichzeitigkeiten? Warum sprach zur selben Zeit Jimmy Carter von den „Human Rights“, sprachen schwarze Aktivistinnen von „Identity Politics“, Esoteriker vom „New Age“ und Architektinnen von „symbolischen Formen“? Warum gleichzeitig Punk, Disco und Hip-Hop? Und warum sagte Michel Foucault 1977: „Wir müssen ganz von vorne beginnen“?

Philipp Sarasin untersucht in seinem Buch die Linien, Muster und Ähnlichkeiten, die diese und andere Ereignisse des Jahres 1977 miteinander verbinden – und er erzählt davon, wie der Glaube an ein gemeinsames Allgemeines, der die Moderne formte, zu zerbröckeln begann. „1977“ führt uns ein Jahr vor Augen, in dem nur die Unsicherheit gewiss und die Ahnung verbreitet war, dass die alten Koordinaten der industriellen Gesellschaft in Zukunft keine Orientierung mehr bieten würden.

Philipp Sarasin, geboren 1956, ist Professor für Neue Allgemeine Geschichte am Historischen Seminar der Universität Zürich. Er war Mitbegründer des Zentrums Geschichte des Wissens von Universität und ETH Zürich und ist Mitherausgeber des Online-Magazins „Geschichte der Gegenwart“.

Philipp Sarasin: „1977“
Suhrkamp Verlag, 2021. 502 Seiten, 32 Euro.

 

„Mission Hollercamp – Der unheimliche Fremde“

Ferienzeit heißt Hollercamp. Wie jedes Jahr treffen sich Leon, Emily und Jakub auf dem Campingplatz. Vor ihnen liegen himmlische Wochen voller Sonne, Baden und Eis fernab der elterlichen Kontrolle. Doch dieses Mal wird die Idylle von rätselhaften Ereignissen überschattet. Auf dem Campingplatz verschwinden Dinge oder werden manipuliert. Ob der geheimnisvolle Fremde dahinter steckt? Die Hollercamp-Bande nimmt die Fährt auf.

Lena Hach wurde 1982 in Hessen geboren. Sie besuchte eine Schule für Clowns und studierte Anglistik, Germanistik und Kreatives Schreiben. Sie arbeitete zunächst als Journalistin und widmete sich dann der Kinder- und Jugendliteratur. Inzwischen sind viele Bücher von ihr erschienen. „Der verrückte Erfinderschuppen“ wurde 2018 mit dem Leipziger Lesekompass ausgezeichnet.

Lena Hach: „Mission Hollercamp – Der unheimliche Fremde“
Mixtvision Verlag, 2021. 220 Seiten, 14 Euro.

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