15. November 2021

Referentin Louisa Sedjro sprach über die Auswirkungen am Beispiel Togos

Deutsch-französische Kolonialgeschichte

Die Deutsch-Togoerin Louisa Sedjro sprach über die Auswirkungen der deutsch-französischen Kolonialgeschichte am Beispiel ihres Heimatlandes. Foto: Kulturkreis

Trotz Corona-Einschränkungen gut besucht war am Montag vergangener Woche der Vortrag zur deutsch-französischen Kolonialgeschichte und ihren Auswirkungen am Beispiel Togos des Arbeitskreises Avrillé.

Die Vorsitzende Monika Beck konnte im Namen des Arbeitskreises und der Kulturkreis GmbH mit der Referentin Louisa Sedjro in mehrfacher Hinsicht eine Expertin begrüßen. Louisa Sedjro ist Deutsch-Togoerin, arbeitet als Juristin bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und war einige Jahre als Entwicklungshelferin in Togo tätig. Überdies engagiert sie sich für mehr ethnisch-kulturelle Diversivität in der GIZ, um die Wirksamkeit der Internationalen Entwicklungszusammenarbeit zu verbessern.
Sie stellte anhand ihrer verschiedenen Vornamen sofort eine einprägsame Verbindung zu togolesischer Kultur und tradierten Glaubensvorstellungen her, die auch heute noch lebendig sind. Das Staatsgebilde sei ein Resultat der Aufteilung der Kolonialmächtekonferenz quer zu Stammes- und vor allem Spracheinheiten. Togo gehöre gemessen an den sogenannten Entwicklungsdaten zu den ärmsten Ländern Afrikas. Eine geringe Alphabetisierungsquote, wobei sich die Aufsplitterung in unterschiedliche Afrikanische Sprachen einerseits und das eher exklusive Französisch als Amtssprache andererseits noch negativ auswirkt, geringe Lebenserwartung bei schlechter und teurer Gesundheitsversorgung und ganz überwiegend prekäre Beschäftigungsverhältnisse kennzeichnen laut Louisa Sedjro die Situation. Togo gehöre aufgrund seines politischen Präsidialsystems erst seit 2014 aus Sicht der EU unter Menschenrechtsaspekten wieder zu den Reformpartnerländern und in den Bereich der Entwicklungszusammenarbeit.
Die Phase der deutschen Kolonialherrschaft wurde und werde, so die Referentin, vor allem aufgrund durchgeführter Infrastrukturmaßnahmen und „fehlender“ gewaltsamer Aufstände eher positiv gesehen, durchaus auch sehr unkritisch, während Frankreich, das bis 1960 Kolonialmacht war, eher abgelehnt werde, nicht zuletzt auch wegen direkter politischer Proporzmaßnahmen zu Ungunsten bestimmter Ethnien.
Die finanzielle Unterstützung, die von Seiten der Bundesrepublik und der EU angekündigt und praktiziert werde, werde häufig überschätzt oder sei nicht immer wirksam. Louisa Sedjro meinte, die Strategie und Organisation der Zusammenarbeit ist zu sehr von „weißem Denken“ dominiert und sollte auch viel stärker die Eigenverantwortlichkeit der jeweiligen lokalen und regionalen Akteure berücksichtigen.
Das sehr interessierte Publikum war durch viele Zwischenfragen und auch fachkundige Statements eingebunden, so dass sich die Referentin in einem lebhaften Dialog mit ihren Zuhörerinnen und Zuhörern befand, der sich auch nach ihrem „Vortrag“ noch in Einzelgesprächen fortsetzte.
Die Arbeitskreisvorsitzende Monika Beck sprach in ihrem Dank an Louisa Sedjro bezüglich eines angedachten gemeinsamen Projekts des Arbeitskreises mit den französischen Partnern in Togo von einer gewissen Ratlosigkeit angesichts der komplexen Problematik. Die Referentin sah jedoch in der kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema der kolonialen Vergangenheit wie der postkolonialen Gegenwart und Zukunft einen wichtigen Schritt. red

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