25. Januar 2022

Schwalbacher Spitzen

Integration im Stockbett

Mathias Schlosser

von Mathias Schlosser

Mehr als sechs Jahre nach der so genannten „Flüchtlingswelle“ von 2015 hocken immer noch mehr als 500 Menschen in den Gemeinschaftsunterkünften des Main-Taunus-Kreises, obwohl längst geklärt ist, dass sie für längere Zeit hier bleiben dürfen. Manche Familien sitzen auf engstem Raum und hoffen nun schon seit Jahren, eine „normale“ Wohnung zu finden. Doch bei den Preisen im Rhein-Main-Gebiet ist das nicht einfach – nicht einmal für Flüchtlinge, die alles getan haben, um sich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren, die die Sprache gelernt und die sich Arbeit gesucht haben.
Dabei müsste eigentlich auch in Schwalbach genügend Wohnraum vorhanden sein, zumindest wenn man sich die Quadratmeterzahlen aller Wohngebäude einmal ansieht. Doch die Rechnung geht nicht auf, weil es unzählige Einfamilienhäuser gibt, die zwar so heißen, in denen aber keine Familien, sondern Alleinstehende oder Paare wohnen. Ebenso gibt es jede Menge Drei- und Vierzimmerwohnungen, die für ihre Bewohner eigentlich zu groß sind. Selbst so manche Einliegerwohnung liegt brach, während ein paar Straßen weiter Flüchtlingsfamilien in Containern mit Stockbetten hausen.
Nicht nur in Schwalbach sollte daher jeder, der allzu viele Zimmer leer stehen lässt, einmal darüber nachdenken, ob er zur Lösung des Problems beitragen kann. Denn eine angemessene Wohnung gehört zu einer gelungenen Integration wie die Sprache und ein Job. Vielleicht ist sie sogar eine der Voraussetzungen dafür.

Lesen Sie dazu den Bericht „Dringend Wohnraum gesucht“ und schreiben Sie Ihre Meinung in das Feld unten!

3 Gedanken zu „Integration im Stockbett

  1. Das Einfamilienhaus, in dem, nach Auszug der Kinder, vielleicht nur noch ein Paar oder einzelne Personen leben, stellt in den meisten Fällen nicht nur ein Gebäude dar, ein Dach über dem Kopf, eine Funktionaltät. Hinter diesen Häusern verbergen sich häufig eine Lebensleistung, Erinnerungen, Geborgenheit, wichtige Gewohnheiten, liebgewordene Nachbarn, jahrzehntelang gepflegte Freundschaften und Sicherheit.
    Viele Senioren könnten sich einen Umzug gar nicht leisten, sie leben von kleinen Renten mietfrei in ihren Häusern, für die sie sich viele Jahre lang eingeschränkt haben.
    Wohnraum wird auch nicht bezahlbarer in dem man die Grundsteuer signifikant erhöht, was wieder die Mieter und Eigennutzer einer Immobilie belasten wird.

    K. Volante

  2. Wenn eine Wohnung ein Zuhause geworden ist – viel geleistet und in Stand gehalten jetzt als Rentner Platz machen – wohin dann mit uns?

  3. https://frankfurt.de/service-und-rathaus/zahlen-daten-fakten/themen/bevoelkerung

    „Singlehaushalte überwiegen in Frankfurt, Anteil
    der Mehrpersonenhaushalte steigt
    Von den 408355 Haushalten Ende letzten Jahres
    war in 214631 Haushalten nur jeweils eine Per-
    son gemeldet. Der Anteil der Singlehaushalte in
    der Stadt betrug demnach 52,6 Prozent. Bei 47,4
    Prozent handelte es sich um Mehrpersonenhaus-
    halte. Davon betrug der Anteil der Haushalte, in
    denen zwei Personen wohnten, 25 Prozent und in
    denen drei Personen gemeldet waren 10,5 Prozent.
    In knapp 12 Prozent (11,9%) der Haushalte lebten
    vier oder mehr Personen. Der durchschnittliche
    Frankfurter Haushalt setzt sich demnach aus 1,87
    Personen zusammen.“Stand 2020.

    Das ist gesellschaftliche Realität. Die letzte Wohnraumbeschaffung in Schwalbach war der Bau der Limesstadt und der Ausbau der Stadtmitte. Zuvor die Vogelsiedlung (Farbwerkssiedlung) und zur Entspannung der Vertriebenen nach dem 2. Weltkrieg die Kopftuchsiedlung, Mehrgenerationenhäuser mit Versorgungsgärten.

    Wer kommt ernsthaft auf die Idee, Menschen aufzufordern aus ihren Wohnungen auszuziehen, selbst Wohnungsuchend zu werden aus altruistischen Gründen? Sich in einem Wohnungsmarkt widerzufinden, der auch ihnen dann keine Chance auf angemessenen und vor allem bezahlbaren Wohnraum in gewohntem Lebensumfeld mehr bietet.
    Wer Kinder hat, die flügge geworden, auf Wohnungssuche sind oder selbst Familie gegründet haben, kennt die Problematik aus nächster Nähe. Nein, es ist auch politisch keine gute Idee, Ballungsräume stetig weiter zu verdichten oder, wie in 2015 den Königsteiner Schlüssel, der zur Berechnung des Finanzausgleichs dient, zum Maßstab und Verteiler humanitärer Herausforderungen zu machen. Hier wird dann nicht „Wohlstand“ verteilt sondern es werden bereits existierende Mangelsituationen verschärft.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.