2. November 2023

Die Buchtipps der Schwalbacher Zeitung

Lesestoff

Bestseller-Autor Sebastian Fitzek schickt uns in seinem neuen Psychothriller „Die Einladung“ auf einen alptraumhaften Trip in die winterlichen Alpen. Vor dem Hintergrund der europäischen Ausbeutung des afrikanischen Kontinents erzählt Candice Millard in „Der Fluss der Götter“ von einer der wichtigsten Expeditionen der Geschichte. Michel Houellebecqs großer Gesellschaftsroman „Karte und Gebiet“ liegt jetzt auch als Graphic Novel vor.

 

„Die Einladung“

Marla Lindbergs Erinnerungen sind glasklar: An die seltsame Nachricht, die sie in eine stillgelegte Geburtsklinik lockte. An die Gestalt, die versuchte, sie zu töten. Das seltsam pfeifende Husten des Psychopathen beim Kampf auf Leben und Tod.

Nach Jahren der Psychotherapie hat die hochintelligente junge Frau gelernt: Das alles sind falsche Erinnerungen. Marla leidet unter Gesichtsblindheit. Ihr Gehirn spielt ihr in Extremsituationen Streiche, wenn es vergeblich versucht, Menschen an ihrem Gesicht zu erkennen.

Als Marla die Einladung zum Klassentreffen in den Alpen bekommt, hofft sie darauf, mit ihren ehemaligen Mitschülern in schönen und echten Erinnerungen schwelgen zu können. Bei ihrer Ankunft in dem verschneiten Berghotel sind alle Zimmer bereits bezogen. Benutztes Geschirr steht auf dem Esstisch, der Kamin flackert, doch es ist niemand da. Marla beginnt die anderen zu suchen. Und dann hört sie es wieder. Wie jemand pfeifend hustet, draußen, in der eisigen Dunkelheit.

Sebastian Fitzek, geboren 1971, ist Deutschlands erfolgreichster Autor. Seit seinem Debüt „Die Therapie“ ist er mit allen Romanen ganz oben auf den Bestsellerlisten zu finden. Mittlerweile erscheinen seine Bücher in sechsunddreißig Ländern und sind Vorlage für internationale Kinoverfilmungen und Theateradaptionen. Als erster deutscher Autor wurde Sebastian Fitzek mit dem Europäischen Preis für Kriminalliteratur ausgezeichnet und 2018 mit der 11. Poetik-Dozentur der Universität Koblenz-Landau geehrt. Er lebt in Berlin.

Sebastian Fitzek: „Die Einladung“
Droemer HC, 2023. 384 Seiten, 24 Euro.

 

„Der Fluss der Götter“

Während die europäischen Großmächte zahllose Entdecker entsenden, um die unbekannten Winkel der Welt zu erforschen, entflammt auf dem Kontinent eine rauschhafte Faszination für das Alte Ägypten. Um das jahrtausendealte Geheimnis um den Ursprung des Nils zu lüften, begeben sich der exzentrische Richard Burton, ein Sprachgenie und dekorierter Soldat, und der fromme Aristokrat und passionierte Jäger John Speke im Auftrag der englischen Krone auf eine gefährliche Mission. Als wahrer Held ihres Abenteuers entpuppt sich jedoch der befreite Sklave Sidi Bombay, dessen Mut und Einfallsreichtum von der imperialen Geschichtsschreibung vergessen wurden.

Vor dem Hintergrund der europäischen Ausbeutung des afrikanischen Kontinents erzählt Candice Millard in „Der Fluss der Götter“ mitreißend und fundiert von einer der wichtigsten Expeditionen der Geschichte. Mit Goldveredelung, gestaltetem Vorsatzpapier und Bildteil.

Candice Millard, geboren 1968, ist freie Autorin und Journalistin. Ihre historischen Sachbücher wurden in Amerika allesamt zu Bestsellern und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Award für Research Nonfiction des PEN Zentrums der USA und dem Edgar Allan Poe Award für Best Fact Crime. Sie war langjährige leitende Reporterin des National Geographic und schreibt regelmäßig für The Guardian, TIME oder New York Times Book Review. Mit „Der Fluss der Götter“ erscheint zum ersten Mal ein Buch der Autorin, die für ihre historische Genauigkeit und große Erzählkunst bekannt ist, in deutscher Übersetzung. Um den Spuren von Richard Francis Burton, John Hannig Speke und Sidi Mubarak Bombay zu folgen, recherchierte sie in Kenia, Sansibar, Tansania, Uganda und England. Millard lebt in Kansas City, Kansas.

Candice Millard: „Der Fluss der Götter“
Übersetzt von Irmengard Gabler
S. Fischer, 2023. 432 Seiten, 28 Euro.

 

„Karte und Gebiet“

Michel Houellebecqs großer Gesellschaftsroman über die Kunst, das Geld, die Arbeit, die Liebe zu den Frauen, über die Väter und den Tod – dieser in Frankreich als Sensation gefeierte Roman findet hier die fantastische Übertragung in das Genre Graphic Novel. Louis Paillard verdeutlicht mit seinen Zeichnungen die Komplexität und den autofiktionalen Charakter des Romans. Gleichzeitig bekommt der Text durch die detailreichen Illustrationen etwas Spielerisches, das die Leser fasziniert und bestens unterhält.

Michel Houellebecq, 1958 geboren, gehört zu den wichtigsten Autoren der Gegenwart. Seine Bücher werden in über vierzig Ländern veröffentlicht. Für den Roman „Karte und Gebiet“ (2011) erhielt er den renommierten Prix Goncourt. Sein Roman „Unterwerfung“ (2015) stand wochenlang auf den Bestsellerlisten und wurde mit großem Erfolg für die Theaterbühne adaptiert und verfilmt. Zuletzt erschien der Roman „Vernichten“ (2022).

Louis Paillard, in Paris geboren, hat Architektur studiert, betreibt ein eigenes Architekturbüro in Paris und ist Professor an der École nationale supérieure d’architecture in Nantes. Das Zeichnen ist seine große Leidenschaft. Bereits zu Houellebecqs Roman „Vernichten“ hat er Illustrationen angefertigt. „Karte und Gebiet“ ist seine erste Graphic Novel.

Michel Houellebecq & Louis Paillard: „Karte und Gebiet“
Übersetzt von Uli Wittmann
DuMont, 2023. 160 Seiten, 32 Euro.

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