8. August 2019

Stadt legt Gutachten zu den Kastanien am unteren Marktplatz vor

Viele Fakten zu wenigen Bäumen

Sachverständige Claudia Hodel hat die Kastanien am unteren Marktplatz genau untersucht. Foto: Schlosser

Als Reaktion auf die heftigen Proteste gegen die geplante Fällung der Kastanien am unteren Marktplatz hat die Stadt nun für rund 3.500 Euro ein Gutachten erstellen lassen, dass die sechs Bäume genauestens untersucht. Auf 43 Seiten kommt die öffentlich bestellte und vereidigte Baumsachverständige Claudia Hodel zu dem Ergebnis, dass die Bäume an ihrem Standort keine große Zukunft haben.

Am vergangenen Mittwoch stellte Bürgermeisterin Christiane Augsburger (SPD) die Ergebnisse des Gutachtens im Rahmen eines Pressegesprächs vor, an dem auch die Baumexperten sowie der Planer des unteren Marktplatzes teilnahmen. Das gesamte Gutachten können Sie hier ansehen. „Es handelt sich um einen Extremstandort für solche Scharlach-Rosskastanien“, sagte Claudia Hodel. Sie schätzt, dass die vier kleinsten Bäume eine Lebenserwartung von maximal 10 bis 15 Jahren haben. Die beiden etwas kräftigeren Bäume könnten ihrer Meinung nach noch bis zu 20 Jahren leben. Obwohl der Zustand aller sechs Bäume „im Allgemeinen befriedigend bis ausreichend“ ist, rät sie davon ab die Bäume bei einer Umgestaltung des Bereichs zu erhalten. Hauptgrund sind die viel zu kleinen Pflanzräume, in denen die Kastanien seit rund 45 Jahren stehen. Sie haben ein Volumen von höchstens drei Kubikmetern, während für Neuanpflanzungen von mindestens zwölf Kubikmetern ausgegangen wird. Die Folge ist, dass vier der sechs Bäume in ihrer Entwicklung deutlich zurückgeblieben sind. Lediglich den beiden größten Bäumen attestiert die Expertin eine normale Entwicklung. Nur diese beiden könnten mit einer „aufwendigen Sanierung“ des Standorts theoretisch erhalten bleiben.
Ein weiteres Problem ist nach Angaben der Sachverständigen, dass bei vier Bäumen die Mauern, die den Bäumen als Widerlager dienen und ihre Standfestigkeit gewährleisten, Risse aufweisen und somit ihre Funktion nicht mehr erfüllen können. Claudia Hodel stuft sie als „bedingt standsicher“ ein. Ferner gibt Claudia Hodel zu bedenken, dass die Bäume es wahrscheinlich nicht überleben würde, wenn um sie herum das Erdreich wie geplant um rund einen Meter angefüllt wird.
Planer Folkert Rüttinger erläuterte, dass man zwar grundsätzlich „um die Bäume herum“ planen könnte, das aber erhebliche Änderungen an den bisher beschlossenen Planungen bedeuten würde.
Bürgermeisterin Christiane Augsburger erklärte, dass sich bei der Diskussion um die Bäume „nicht Gut und Böse“ gegenüberstehen. „Es geht vielmehr darum, mit der Umgestaltung des unteren Marktplatzes dort nachhaltig mehr Grün zu verwirklichen. Wir wollen den unteren Marktplatz ökologisch und kleinklimatisch fit machen für die Zukunft und das Steuergeld für die Umgestaltung verantwortungsbewusst einsetzen.“

Acht Amberbäume sollen die Kastanien ersetzen. Sie werden in Mitteleuropa bis zu 15 Metern hoch.

Ersetzt werden sollen die insgesamt sieben Kastanien am unteren Marktplatz durch acht Amberbäume, die an die Bedingungen des Standorts besser angepasst sind. Folkert Rüttinger erläuterte, dass die Bäume, die im kommenden Jahr neu gepflanzt werden sollen, bereits eine Höhe von rund acht Metern haben werden und damit den Pavillon der Bierstube von Anfang an überragen werden. „Zusammen mit den anderen Bäumen, die wir pflanzen, wird es am Ende deutlich mehr Grün am unteren Marktplatz geben als jetzt.“

Einspruch der Grünen

Unterdessen hat auch die grüne Bürgermeister-Kandidatin Katja Lindenau die Bäume begutachten lassen. Sie beruft sich auf Philipp Funck, den „Baumpflegeexperten“ der Stadt Kelkheim. Nach dessen Meinung hätten sich die Bäume normal entwickelt und könnten am jetzigen Standort ohne großen Pflegeaufwand noch weitere 60 Jahre oder länger stehen. MS

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2 Gedanken zu „Viele Fakten zu wenigen Bäumen

  1. Natürlich widerstrebt es auch mir, wenn scheinbar gesunde Bäume weichen sollen. Man sollte aber ein Fachgutachten nicht einfach unter den Teppich kehren, selbst wenn ein Baumpfleger anderer Meinung ist. Lasst uns die Pläne als Gesamtheit betrachten und versuchen, eine Lösung zu finden, die nachhaltig Natur, soziale Räume, Kommunikation und kulturellen Treffpunkt ermöglicht.

  2. Offensichtlich fallen die Grünen beim Faktenscheck durch. Aber, nur nicht zugeben, dass man sich geirrt hat.
    Günter Pabst

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