22. Oktober 2020

Jochen Zehnter wechselt von der CDU zu den Grünen

Trennung vor Publikum

Der ehemalige CDU-Vorsitzende Jochen Zehnter ist aus der CDU ausgetreten und schließt sich der Fraktion der Grünen an. Archivfoto: privat

Ein halbes Jahr vor der Kommunalwahl leistet sich die Schwalbacher CDU eine öffentliche Schlammschlacht. Zur Überraschung der eigenen Parteikollegen verkündete der ehemalige Vorsitzende des Stadtverbands, Jochen Zehnter, am gestrigen Mittwoch in der öffentlichen Sitzung des Bauausschuss seinen Austritt aus der CDU.

Noch am Abend erklärte er dann in einer Pressemitteilung, dass er sich ab sofort der Fraktion der Grünen anschließt. Zehnters Ehefrau, die langjährige Stadtverordnetenvorsteherin Claudia Eschborn, war bereits im Sommer 2019 von der CDU zu den Grünen gewechselt.

In seiner Erklärung schreibt Jochen Zehnter, dass ihm der Austritt aus der Partei nach fast 37 Jahren nicht leicht gefallen sei. Dann teilt er kräftig gegen seine ehemaligen Parteikollegen aus: „Leider habe ich in den letzten beiden Jahren festgestellt, dass sich meine Vorstellungen von einer seriösen, verlässlichen und nachhaltigen Kommunalpolitik und einem toleranten und respektvollen Miteinander mit denjenigen der aktuellen Führungsspitze der CDU Schwalbach nicht mehr decken.“ Diese Führungsspitze besteht zurzeit aus Axel Fink als Parteivorsitzender und Dennis Seeger als dessen Stellvertreter. Die Schwalbacher Grünen machen aus Jochen Zehnters Sicht eine „wesentlich aktivere und nachhaltigere Politik“. Sie seien während der gesamten Wahlperiode und „absolut uneigennützig“ aktiv.

Seien ehemaligen Parteifreunde ließen das nicht lange auf sich sitzen. Heute Vormittag verriet Parteivorsitzender Axel Fink in einer Stellungnahme die Hintergründe, die zum Bruch führten: Danach soll sich Jochen Zehnter, dem viele Ambitionen auf das Bürgermeisteramt nachgesagt haben, am Wahlabend der Bürgermeisterwahl „hämisch und ungebührlich“ über die Niederlage von Dennis Seeger geäußert haben. Daraufhin hätte ihm der Rest der CDU-Fraktion einstimmig den Rücktritt nahegelegt, was Zehnter aber nicht tat.

Bei der Aufstellung der Kandidatenliste für die Kommunalwahl im nächsten Jahr hat die CDU Jochen Zehnter dann im September schon im Vorfeld nicht mehr berücksichtigt, obwohl er selbst zum Wahlvorbereitungsausschuss gehörte. Axel Fink beschreibt die Trennung daher als „folgerichtig und überfällig“. Die CDU sei am Mittwochabend vom Rücktritt zwar überrascht worden, gleichwohl stoße der Schritt in der Fraktion „einhellig auf Erleichterung“. Fraktionsvorsitzender Christian Fischer ergänzt: „Ich bin über die Art und Weise enttäuscht, in der Konsequenz aber erleichtert und richte den Blick nach vorne.“

Dann keilt die CDU in Ihrer Stellungnahme zurück: „Es passiert in der Politik, dass Personen die Teamarbeit und das öffentliche Interesse an sachgerechter Politik persönlichen Ambitionen unterordnen.“ Die Schwalbacher CDU müsse sich dem Vorwurf stellen, dies im Falle von Jochen Zehnter und Claudia Eschborn nicht früher erkannt zu haben. Dass Jochen Zehnter wie seine Ehefrau sein über die CDU-Liste erworbenes Stadtverordnetenmandat zu den Grünen mitnimmt, bestärkt laut Axel Fink „in seiner Stillosigkeit die getroffenen Personalentscheidungen“.

Der Wechsel von Jochen Zehnter zu den Grünen verschiebt die Machtverhältnisse in der Stadtverordnetenversammlung. Die Grünen haben nun sieben Mandate, obwohl ihnen nach der Kommunalwahl 2016 nur fünf zustehen. Auswirkungen könnte das auf die Besetzung der Ausschüsse in den letzten sechs Monaten der Legislaturperiode haben. An der grundsätzlichen Mehrheit von SPD und FDP ändert der Wechsel nichts. MS

 

Ein Gedanke zu „Trennung vor Publikum

  1. Allmählich werden seit geraumer Zeit weit und breit die „Grünen“ von Farbfremden ihres ursprünglichen Grünzeugs maßlos entfremdet…… Auch schon in deren Anfangszeit ließen die farbechten Grünen sich von den grünlosen alternaiven Trittbrettfahrern zu sehr dumminieren. Für jeden Politgrünen war ein Baum gleich ein Baum – egal ob Neophyt wie feuergefährliche, wasserraubende australische Eukalypten in Portugal oder hierzulande massenhaft brennbare Fichten in unseren monokulturellen Holzplantagen, Haupsache (gift) GRÜN (hinter den Ohren)……
    Statt eines zunehmenden (gift)grünen Etikettenschwindels sollten DIE GRÜNEN in Sachen GRÜN einen GlaubwürdigkeitsTÜV auch für ihre Neulinge einführen.
    Dennnoch sind für mich die „GRÜNEN“ das kleinere Übel zwischen den Parteien.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.